Fangsendung

Diebesfalle schnappt zu: 69-facher Paketdieb fliegt auf

München - Immer wieder kommen Pakete in einem Zustellungsbezirk in Moosach nicht an. Ein Sicherheitsbeauftragter wird aufmerksam - und jubelt dem zuständigen Boten ein präpariertes Paket unter. 

Schon seit April 2015 ermittelte der Paketzusteller DHL in Zusammenarbeit mit der Polizei gegen einen 28-jährigen Paketboten. Nun wurden die Ermittlungsergebnisse präsentiert. Es sei laut Polizei davon auszugehen, dass der geständige Zusteller über Wochen hinweg 69 Pakete entwendet hatte. Der Gesamtwert der Beute liegt bei etwa 7000 Euro.

Mehrere Absender hatten sich im vergangenen Jahr beschwert, dass Pakete nicht angekommen waren. Die Lieferungen sollten eigentlich im Bezirk Moosach zugestellt werden. Ein Sicherheitsexperte (54) von DHL wurde auf den Umstand aufmerksam. Er präparierte ein Paket, das im betroffenen Bezirk ankommen sollte. Prompt verschwand es.

Doch nun wusste der Sicherheitsbeauftragte in etwa, um welchen Zusteller es sich handeln könnte und stellte den Verdächtigen zur Rede. Er durchsuchte wenig später den Lieferwagen des 28-Jährigen und wurde fündig. In dem Fahrzeug lagen vier geöffnete Verpackungen und ein geöffneter Briefumschlag. Die Polizei wurde eingeschaltet. Sie durchsuchte später die Wohnung des Verdächtigen und wurde dort ebenfalls fündig. Im Laufe der Ermittlung konnten 34 Diebstähle aufgeklärt werden. Die Polizei verhörte den Mann. Er gestand, behauptete aber, nicht für alle Diebstähle verantwortlich zu sein.

Was tun, wenn das Päckchen verschwindet?

Dieter Nawrath, Sprecher der Deutschen Post DHL Group, fürchtet nicht um die Seriosität des Paketzustellers. „Das sind nur wenige schwarze Schafe unter unseren ehrlichen Mitarbeitern“, sagt er. „Unsere Sicherheitsbeauftragten sind sehr erfahrene Postmitarbeiter. Sie erkennen Muster, durchforsten Dienstpläne, suchen nach gehäuften Vorfällen und kommen den Verdächtigen schnell auf die Spur“, sagt Nawrath. Das sogenannte fingierte Paket, auch „Fangsendung“ genannt, sei eine gängige Methode, Verdachtsfälle wie diesen zu erhärten.

Für die geschädigten Absender und Empfänger gelten die üblichen Geschäftsbedingungen der Post. Geschäftspartner ist stets der Absender. Er muss sich beschweren, wenn eine Sendung verloren geht.

Wer ein Päckchen verschickt, hat zwar keine Ersatzansprüche. Doch wer den Verlust nachweisen kann, muss erklären, was sich darin befand. Derjenige wird dann mit einer Summe bis zu 500 Euro entschädigt, je nach Wert des Paket-Inhalts.

Hüseyin Ince

Rubriklistenbild: © dpa

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