Englischer Garten: So könnte der Tunnel aussehen

München - Ein Auto-Tunnel unter dem Englischen Garten ist technisch möglich und würde 59 Millionen Euro kosten: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie namhafter Experten. Spätestens jetzt ist klar: Was als Traum begann, könnte Realität werden.

Es ist noch nicht lange her, da wurden sie belächelt. Im März 2010 stapften die Architekten Hermann Grub und Petra Lejeune noch ziemlich allein durch den Englischen Garten und erzählten von ihrer Idee: ein Tunnel unter dem Park für den Mittleren Ring. Denn die Stadtautobahn zerschneidet das Grün heute brutal in zwei Hälften. Weder Geld noch potente Unterstützer hatten Grub und Lejeune seinerzeit. Doch das war einmal.

Donnerstag, 14. Juli, keine anderthalb Jahre später: Unter dem Chinesischen Turm verursachen Grub und Lejeune einen Aufruhr wie zwei Filmstars. Mehrere Kamerateams und dutzende Journalisten sind angerückt, ein Blitzlichtgewitter prasselt über das Architekten-Ehepaar herein. Gleich zwei Mitglieder des bayerischen Kabinetts geben sich die Ehre: Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) und Kulturminister Wolfgang Heubisch (FDP), dazu zahlreiche Münchner Stadträte.

Der Grund: Grub und Lejeune präsentieren das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie zu ihrer Tunnel-Vision, durchgeführt von renommierten Verkehrs- und Landschaftsplanern und mit 190 000 Euro finanziert von der Allianz Umweltstiftung. Und selbst die als kritisch bekannte Planungssprecherin der Rathaus-SPD, Claudia Tausend, sagt: „Ich ziehe meinen Hut. Das hätte ich Ihnen nicht zugetraut.“

Das Ergebnis der Studie verkündet Grub selbst: „Der Tunnel ist machbar.“ Der Mittlere Ring soll zwischen Iffland- und Dietlindenstraße auf einer Strecke von rund 1000 Metern abgesenkt, und 375 Meter lang im Tunnel geführt werden. Dann würden die Nord- und die Südhälfte des heute zweigeteilten Parks neu vereint. An der Oberfläche könnte der Park wieder so hergestellt werden, wie es sein Schöpfer Friedrich Ludwig von Sckell vor gut 200 Jahren plante.

Die Kostenschätzung für den Tunnel ist leicht gestiegen - von 50 auf 59 Millionen Euro netto. Dafür würde der Tunnel aber auch 40 Meter länger. Die Planer haben nun die Details ausgearbeitet - und sind auf verblüffende Lösungen gekommen. So rücken sie etwa die Trasse des Tunnels um zwölf Meter nach Norden. Damit lägen der Tunnel und seine Zufahrtsrampe weiter entfernt vom Kleinhesseloher See. Das bedeutet: Flaneure am See würden von den Autos nichts mehr sehen und fast nichts mehr hören, verspricht Grub. Der Schwabinger Bach bekäme zudem einen neuen Verlauf: Er müsste nicht mehr unter dem Ring abtauchen, sondern könnte wieder mitten durch den Park plätschern.

Offen sprach Grub auch die Nachteile des Projekts an. „Es müssten sehr viele Bäume gefällt werden.“ Es könnten aber noch viel mehr Bäume gepflanzt werden, wenn die Wiedervereinigung des Parks vollendet ist. Der Bau würde allerdings drei bis vier Jahre dauern - Besucher müssten zeitweise mit einer gut 40 Meter breiten Baustelle leben. Und: Für Autofahrer in Richtung Seehaus würde der Tunnel einen Umweg bedeuten: Die Zufahrt verliefe künftig über die Verlängerung einer Anliegerstraße beim Tucherpark. Doch für die vielen Autofahrer am Mittleren Ring hat Grub exzellente Nachrichten. Mit dem Tunnel, verspricht er, wären die oft beklagten Staus dort passé. Dann könnte der Zubringer von der Ifflandstraße ohne Ampel in den sechsspurigen Tunnel geleitet werden.

Die Politik reagierte beeindruckt. Finanzminister Fahrenschon lobte die „solide Planung“ und wagte die Prognose, dass sich dieser „faszinierenden Idee“ langfristig keiner werde entziehen können. Auch SPD-Stadträtin Tausend nannte das Projekt „hochinteressant“, Grünen-Fraktionschef Siegfried Benker sprach von einer „richtigen Zukunftsvision“. Allein: Die Finanzierung ist weiter ungeklärt. Fahrenschon deutete immerhin an, dass der Tunnel auf Zuschüsse des Freistaats hoffen kann - falls sich die Stadt klar hinter das Projekt stellt. Die Höhe ließ er offen.

Der Stadtrat steckt allerdings in einem Dilemma: Erst kürzlich hat er eine Studie in Auftrag gegeben, die klären soll, ob an der Tegernseer Landstraße und der Landshuter Allee Tunnel möglich sind. Dort wünschen von Lärm und Feinstaub geplagte Anwohner seit Jahren Verkehrsröhren - und diese Ideen stehen in Konkurrenz mit dem Parktunnel. Tausend wie auch Benker betonen, man dürfe diese Wünsche nicht vernachlässigen. Die Stadträte hoffen daher, dass der Parktunnel vor allem durch einen großzügigen Beitrag des Freistaats und private Sponsoren finanziert werde. „Die Stadt sollte nicht die Hauptlast tragen“ so Grünen-Fraktionsvize Florian Roth. Immerhin: Die Allianz Umweltstiftung sagt bereits zu, die Wiederherstellung des Parks mit zu finanzieren, falls der Tunnel gebaut wird.

Tausend zufolge dürfte der Stadtrat frühestens im Herbst 2012 die schwere Entscheidung fällen, welche Projekte Vorrang haben. Und sie stellt klar: Es dürfte mindestens bis 2016 dauern, bis ein Tunnel gebaut werden kann.

Johannes Patzig

Rubriklistenbild: © fkn

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