Fordern Schadenersatz: Die vom Hochwasser geplagten Anwohner Rolf Deska (li.) und Martin Obersojer. foto: rk

Hochwasser-Opfer: „Herr Ude, tun Sie endlich was“

München - Mit einem neuen Schild protestieren einige Feldmochinger gegen nasse Keller - und die Untätigkeit der Stadt.

Die vom Hochwasser geplagten Feldmochinger sind sauer: Seit die Münchner Stadtentwässerung (MSE) 1998 einen unterirdischen Sammelkanal für Abwasser gebaut hat, läuft in rund 100 Häusern immer wieder das Grundwasser in die Keller (wir berichteten). Inzwischen räumte die Stadt zwar ein, dass der Kanal schuld ist an den Problemen, eine Lösung aber gibt es bis heute nicht. Auch die Hochwasserwelle im Juni drückte wieder die Feuchtigkeit an die Oberfläche. „Pro Stunde mussten rund 70 Kubikmeter Wasser aus dem Kanal abgepumpt werden“, berichtet der Anwohner Erwin Gierszewski. „Und trotzdem stand bei manchen Nachbarn wieder das Wasser im Keller.“

Die Anwohner haben genug von nassen Füßen und protestieren nun mit einem neuen Schild gegen die Stadt. Ihre Kritik: Der Abwasser-Kanal, so groß wie eine U-Bahn-Röhre, verhindere, dass das Grundwasser tief genug versickert. Der Betonschlauch schiebe die Feuchtigkeit in die Keller. Das Grundwasser liege regelmäßig 1,18 Meter über dem Kanal, bei starkem Regen auch höher. „Ude hält Wort“, steht in Anspielung auf dessen Wahlkampfkampagne auf dem Schild, das die Anwohner neben dem Kanal aufgestellt haben. „Tun Sie endlich was!“

Die durch das Hochwasser entstandenen Schäden hat die Stadt bis heute nicht beglichen. „Stattdessen gibt man uns die Schuld, weil wir unsere Häuser zu tief gebaut hätten“, ärgert sich Anwohner Rolf Deska. Die Stadt müsse den Beton auf der gesamten Kanallänge abtragen und durch Kies ersetzen, fordert ein anderer Anwohner, Martin Obersojer. Außerdem sollten die alten Düker - Rohre, die das Wasser von einer Seite des Kanals auf die andere leiten - saniert werden. Das aber lehne die Stadt aus Kostengründen ab.

„Bauliche Mängel hat die Stadt bereits eingeräumt“, sagt Katrin Zettler, Sprecherin des Umweltreferats. Nun wolle man den Abwasserkanal „in mehreren Schritten“ sanieren. Der Schaden sei noch nicht bezahlt worden, weil man die „bedauerliche Kellervernässung“ noch mit dem Versicherer überprüfe. Das, so Zettler, sei „leider noch nicht abgeschlossen“.

Julia Bosch

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