6. März 2010: Spurensicherer verlassen den Keller des Mordhauses am Frühlingsanger im Hasenbergl. foto: Bodmer
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6. März 2010: Spurensicherer verlassen den Keller des Mordhauses am Frühlingsanger im Hasenbergl. foto: Bodmer

Maschinenpistolen-Mörder vor Gericht

München - Nusreta K. hatte keine Chance. Aus einer Maschinenpistole feuerte ihr Ehemann gnadenlos auf die Frau. Ab heute steht der 48-Jährige wegen Mordes vor Gericht.

Als Nusreta K. am Morgen des 6. März in den Keller des Anwesens am Frühlingsanger ging, ahnte sie nicht, dass sie nur noch Minuten zu leben hatte. Ihr Mann Avdurahman K. folgte ihr. Er hatte sich bewaffnet mit einer Maschinenpistole, eine Kriegswaffe, die er sich angeblich schon vor Jahren im damaligen Jugoslawien besorgt hatte. Nusreta K. befüllte gerade den Trockner mit Wäsche, da feuerte ihr Mann die „Skorpion“ ab. Von heute an hat sich der 48-Jährige, der die Tat gegenüber der Polizei bereits gestanden hat, vor dem Schwurgericht wegen Mordes zu verantworten.

Sechs Schüsse trafen die vollkommen ahnungslose Frau an jenem Märzmorgen. Ein Projektil durchdrang Nusreta K.s Herz. Ihr 18 Jahre alter Sohn, das älteste von vier Kindern, fand die Mutter später und alarmierte einen Rettungswagen. Erst der Notarzt erkannte, dass es sich um Schussverletzungen handelte und rief die Polizei.

Es dauerte nicht lange, bis Avdurahman K. den Beamten gestand, seine Frau erschossen zu haben. Auch das Motiv nannte er: Fälschlicherweise ging der Mann davon aus, seine Frau unterstütze ihren Bruder finanziell. Diesen aber fand der Angeklagte offenbar nicht unterstützenswert. Zudem hatte Avdurahman auch ein Problem damit, dass seine Frau als Reinigungskraft den Lebensunterhalt für die Familie größtenteils allein verdiente. Er zahlte mit seinen unregelmäßigen Arbeiten auf dem Bau nur die Miete.

Neben seiner Frau wollte Avdurahman K. nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft auch seinen Schwager erschießen. Nachdem er seine Frau getötet hatte, habe er sich mit der Maschinenpistole im Gepäck auf die Suche nach Senad B. gemacht. Aber er konnte ihn nicht finden und kehrte deshalb mit einem Taxi nach Hause zurück. Den Beamten, die ihn dort empfingen, gab er unaufgefordert seine Taxiquittung und erklärte, er käme gerade von der Arbeit.

Die Waffe und 22 Schuss Munition hatte Avdurahman K. in einem Altglas-Container in der Nähe entsorgt, bevor er nach Hause ging. Dort fand die Polizei die Maschinenpistole nach seinem Geständnis.

Die Staatsanwaltschaft geht von zwei Mordmotiven aus. Der Angeklagte habe heimtückisch und aus niederen Beweggründen gehandelt. Für den Prozess hat die 1. Strafkammer fünf Tage angesetzt.

Bettina Link

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