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Traditionscafé mit 50er-Jahre-Charme: Das Kustermann muss nach 85 Jahren schließen.

Süße Institution

Café Kustermann in Solln vor dem Aus

München - Das Gerücht kursiert schon eine Weile, jetzt ist es offiziell: Das Café Kustermann in Solln muss schließen, weil die Immobilie verkauft werden soll.

Das Café Kustermann ist eine Institution in Solln, ein Traditionsbetrieb und Treffpunkt mit Flair. Für die Konditorei und Eisdiele ist im kommenden Frühjahr nach 85 Jahren Schluss. „Ich habe seit drei Jahren vergeblich versucht, eine Vertragsverlängerung zu bekommen“, sagte am Mittwoch Pächter Thomas Ritz. Die Eigentümer-Gemeinschaft der Immobilie – Erben des 2014 gestorbenen Café-Besitzers Karl-Heinz Kustermann – wolle das Objekt mieterfrei verkaufen.

Betroffen ist auch das hinter dem Café liegende, denkmalgeschützte Gebäude mit dem alteingesessenen italienischen Restaurant Al Pino. Er müsse schon zum Jahresende ausziehen, sagte Al Pino-Chef Valerio Scopel. „Wir sind entsetzt.“

Für 35 Mitarbeiter im Café Kustermann bedeutet das Aus zugleich den Jobverlust. Auf einer Betriebsversammlung am Mittwochabend wollte Ritz, der auch das Kustermann-Stammhaus an der Lindwurmstraße betreibt, seine Belegschaft über den Stand der Dinge informieren. Das falle ihm besonders schwer, „schließlich hängen da Existenzen dran“. Er werde sich ab Mai auf das Café in der Innenstadt konzentrieren, sagte der Konditormeister. „Leider kann ich da nicht alle Leute übernehmen.“

Die Resonanz der Kunden sei enorm, denn das Gerücht kursiert schon länger. Ob es eine Zukunft für sein Café in Solln geben wird, will Ritz offen lassen. Sollte der neue Besitzer das Objekt abreißen und im Neubau ein Café einplanen, hätte er durchaus Interesse. „Aber bis es so weit ist, kann es Jahre dauern.“

Es sei denn, es findet sich für die Immobilie ein Käufer, der den bestehenden Café-Pavillon erhalten will. Dann würde Ritz auf jeden Fall weitermachen wollen: „Das Café ist mein Lebensinhalt seit 22 Jahren. Ich bin jetzt 49 – ich habe quasi mein halbes Leben dort zugebracht.“

Das Kustermann-Stammhaus an der Lindwurmstraße gibt es seit 1887, das zweite Geschäft in Solln seit 1931. Der jetzige Pavillon wurde 1951 errichtet. 1994 übernahm Ritz als Pächter das Café im Münchner Süden, zehn Jahre später auch das in der Innenstadt und setzte so die Tradition des Familienbetriebes fort.

Schwer enttäuscht ist auch Valerio Scopel. Das Thema sei seit Jahren in der Luft gelegen, kürzlich habe er nun die Kündigung zum Jahresende erhalten, sagte der Al Pino-Geschäftsführer. Nach 30 Jahren. „Finito! Ich möchte mich nicht mehr damit beschäftigen. Ich hatte genug schlaflose Nächte deswegen.“ Von seinen Stammkunden hätten angesichts dieser Nachricht schon einige Tränen in den Augen gehabt.

Scopel blickt nun nach vorne und sucht in der Münchner Innenstadt nach einem neuen Restaurant. Das sei natürlich nicht einfach. Aber: „Die Peripherie stirbt.“ Deswegen will der Italiener weg aus Solln.

Ob auch das Café Kustermann dauerhaft aus Solln verschwinden wird, ist noch offen. Ein Fünkchen Hoffnung gibt es noch. Das würde die Sollner freuen, denn, so sagt Bezirksausschuss-Vorsitzender Ludwig Weidinger: „Das ist ein wichtiger Treffpunkt im Viertel.“ Er habe von den Gerüchten gehört. „Das löst natürlich großes Bedauern aus.“ Sollte ein Neubau kommen, dann wäre eine vernünftige Mischung aus Wohnungen und Gewerbe wünschenswert, vielleicht auch mit einem Café. Den Charme werde der Platz dann allerdings verlieren. „Aber das sieht man ja in ganz Solln.“

Sibylla Abenteuer, Vorsitzende des Vereins „Wir Sollner“, sieht das Aus für das Restaurant und das Café als Verlust für den Stadtteil. „Ganz Solln will, dass es weitergeht.“ Das Café sei ein tragender Bestandteil: „Da trifft man sich, da werden unsere süßen Träume wahr.“

Ute Wessels

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