Düster und eisig: Der Münchner Stadtrat bei seinem Ausflug nach Fröttmaning
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Düster und eisig: Der Münchner Stadtrat bei seinem Ausflug nach Fröttmaning.

Veranstaltung mit Kühlschrank-Niveau

„Sehr ärgerliches“ Verhalten einiger Münchner hat bittere Folgen - Stadt will bei „Corona-Problem“ nachbessern

  • Klaus Vick
    vonKlaus Vick
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Ziemlich eisige Bedingungen herrschten bei einem außergewöhnlichen Ausflug des Stadtrats. Der Wanderzirkus machte in München-Fröttmaning Halt. Wie ist die aktuelle Corona-Lage?

  • Am Donnerstag verlegte der Stadtrat von München* seine Sitzung in die nördliche Peripherie nach Fröttmaning.
  • Die klimatischen Bedingungen im Reitpalast waren suboptimal. Es wird der einzige Ausflug dorthin gewesen sein.
  • Inhaltlich ging es hauptsächlich um die Corona-Pandemie*. Ein Ärgernis gibt es auf der Theresienwiese.

München - Aufgalopp im Fröttmaninger Showpalast: Dort, wo in den Vorjahren den Pferden bei der Apassionata-Show die Bühne gehörte, tagte am Donnerstag (19. November) der Münchner Stadtrat. Es war ein coronabedingter Ausflug an die Peripherie der Stadt. Weil im großen Sitzungssaal des Rathauses die Abstände zwischen den 80 gewählten Mandatsträgern nicht hätten eingehalten werden können. Schon in den Vormonaten war die Vollversammlung zum Wanderzirkus geworden: Das Deutsche Theater, die Philharmonie des Gasteigs und der Löwenbräukeller waren die Schauplätze.

München: Corona bei Stadtratssitzung prägend - Aktuelle Entwicklung gibt Hoffnung

Der Showpalast soll ein einmaliges Vergnügen bleiben. Wobei Vergnügen wohl der falsche Ausdruck ist: Die Temperaturen in dem weitläufigen Veranstaltungssaal waren auf Kühlschrank-Niveau. Man hätte gut und gerne auch im Freien tagen können. So dürften die meisten Stadträte froh sein, dass OB Dieter Reiter (SPD) seine Runde nicht mehr im Pferdepalast zusammentrommeln wird.

Zentraler Punkt der Sitzung war – wenig überraschend – die Entwicklung der Corona-Pandemie*. Immerhin konnte der Leiter des städtischen Krisenstabs, Feuerwehrchef Wolfgang Schäuble, von einer positiven Tendenz berichten. Die Inzidenzkurve flacht sich ab. München lag am Donnerstag bei einem Wert von 165 neu gemeldeten Fällen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen. Die Zahl der Intensivpatienten liegt in München weit unter dem bundesweiten Schnitt. Auch die Situation in den Altenheimen sei unter Kontrolle, sagte Schäuble. Laut Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) werden in den Häusern der Münchenstift von Dezember an 20.000 Tests durchgeführt, für Mitarbeiter jede Woche, für Bewohner alle zwei Wochen. In den Schulen will die Stadt den Regelbetrieb fortsetzen, weil es keinerlei Auffälligkeiten hinsichtlich besonderer Infektionsgefahren gebe.

München: Corona-Tests auf der Theresienwiese - „Sehr ärgerliches“ Verhalten einiger Bürger

Probleme und Verzögerungen gab es zuletzt bei der Nachverfolgung von Kontaktpersonen sowie der zügigen Benachrichtigung von positiv Getesteten. Bis zu fünf Tage mussten Infizierte auf die Nachricht warten. Hier will die Stadt nachbessern. Ab 1. Dezember werden in einer Halle auf dem Messegelände zentral 400 Arbeitsplätze eingerichtet, die sich gebündelt dem Contact Tracing widmen. Bisher war diese Aufgabe auf acht Standorte verteilt. Laut Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) werden positiv Getestete nun in der Regel am nächsten Tag schriftlich informiert. Auf der Theresienwiese können aktuell 11.200 Personen pro Woche getestet werden. Rund 700 Bürger nehmen ihre Termine allerdings nicht wahr, was „sehr ärgerlich“ sei, wie Schäuble sagte. „Dadurch wird unnötig Kapazität blockiert.“

Das Projekt, die Innenstadt weitgehend autofrei zu gestalten, ist einen Schritt vorangekommen. Der Stadtrat hatte kürzlich weiteren Untersuchungen zugestimmt, um weniger Autos ins Tal zu lassen. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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