Münchens OB Dieter Reiter will Tunnel für die Strecke Daglfing-Johanneskirchen durchsetzen
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Münchens OB Dieter Reiter will Tunnel für die Strecke Daglfing-Johanneskirchen durchsetzen.

Bahn will nicht für Tunnel zahlen

Wegen S8-Tunnel im Münchner Nordosten: OB Reiter legt sich mit Bahn und Verkehrsminister an

Bundesverkehrsministerium und Deutsche Bahn wollen nicht für einen Bahntunnel zwischen Daglfing und Johanneskirchen zahlen. München-OB Dieter Reiter droht den bremsenden Kräften mit rechtlichen Schritten.

  • Im Nordosten von München* wird der Bahnverkehr die nächsten Jahre zulegen.
  • Güterverkehr und die Flughafen-Linie S8 werden eine höhere Taktung fahren.
  • Die Anwohner fürchten die Lärmbelästigung - der geplante Tunnelbau droht zu scheitern.

Update vom 6. Juli, 18.35 Uhr: Dieter Reiter legt sich mit der Bahn und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer an. Die Stadt müsse rechtliche Schritte beim Planfeststellungsverfahren für den viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Daglfing und Johanneskirchen prüfen, sollte es weiterhin nur um die oberirdische Trasse gehen. Allerdings sei München laut dem Oberbürgermeister eine einvernehmliche Lösung lieber. Dabei sei man bereit, die Mehrkosten für einen Tunnel „zusammen mit dem Bund und anderen zuständigen Akteuren anteilig“ zu tragen, um eine Realisierung dieses Abschnitts des Brenner-Nordzulaufs zu ermöglichen, so der OB im Brief. 

Die Bahn hat der Stadt bereits im Mai mitgeteilt, dass sie allein die ebenerdige Trasse weiterplanen will. Für die Stadt hingegen kommt nur ein Tunnel in Frage. Der OB Reiter dringt deshalb auf eine Entscheidung im Bundestag, die Bahn bislang nicht. Umbaumaßnahmen der Bahn im Siedlungsraum München wären wie Neutrassierungen über Land, argumentiert Reiter.

S8-Tunnel zwischen Daglfing und Johanneskirchen: Hängepartie zwischen Bund, Bahn und Stadt

Ursprungsartikel:
Nach dem Gespräch der Bogenhauser Bürgerinitiative für den Bahntunnel (BI) mit Vertretern von Verkehrsministerium und Bahn am Dienstag ist sich die stellvertretende BI-Vorsitzende Petra Cockrell sicher: Die Strecke soll ebenerdig bleiben, Tunnel und Trog haben sich damit erledigt. „Uns wurde gesagt, die oberirdische Variante ist bahntechnisch machbar, der Tunnel rechnet sich nicht“, so Cockrell. Von einem „übergesetzlichen Schallschutz“ sei die Rede gewesen.

Der heutige zweigleisige Streckenabschnitt zwischen Daglfing und Johanneskirchen soll viergleisig werden. Die Bahn braucht die Kapazität, um für den erwarteten Anstieg des Güterverkehrs zum Münchner Nordring gewappnet zu sein und um das Angebot der S-Bahn zum Flughafen auszuweiten. Bürger und Stadt dringen darauf, alle vier Gleise zum Schutz der Anwohner in einen Tunnel zu verlegen. Darum hat sich die Stadt mit der Bahn auf eine Untersuchung der Varianten ebenerdig, Trog und Tunnel verständigt. Das Ergebnis soll dem Stadtrat am 8. Juli vorgestellt werden. Fällt die Entscheidung gegen den Tunnel und die Stadt will ihn trotzdem, muss sie die Mehrkosten tragen.

Wie Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) dem Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im April noch einmal klargemacht hat, finanziert der Bund nur die wirtschaftlichste Variante. Reiters Idee, die Stadt beteilige sich lediglich an den Mehrkosten für eine Tunnellösung, sei „allein aus haushaltstechnischen Gründen“ nicht möglich. Vorsorglich soll das Planungsreferat aber bis zum dritten Quartal dieses Jahres eine Planungsvereinbarung mit der DB Netz AG aushandeln, „um Verzögerungen des Ausbauvorhabens zu vermeiden“.

Durch besiedeltes Gebiet führt die Bahntrasse zwischen Zamdorf und Johanneskirchen.

Konkret geht es da um die Vorplanungskosten. Nur, wenn auch der Tunnel weitergeplant wird, kann eine konkrete Aussage zu den Mehrkosten gemacht werden. „Uns wurde erklärt, wie wichtig es sei, dass eine parallele Planung der beiden Varianten fortgeführt wird“, berichtet Cockrell. Ein entsprechender Dringlichkeitsantrag der Grünen blitzte am Dienstagabend im Bezirksausschuss Bogenhausen jedoch ab.

Güter-Bahnverkehr im Münchner Nordosten: Bürger halten Zahlen der Bahn für geschönt

Die BI befürchtet, dass auf die Anwohner noch weit mehr Bahnlärm zukommt, als die Bahn zugeben will. Cockrell hält die Zugzahlen, auf denen die ganze Trassendiskussion beruht, nach ausführlichem Studium der Bahnpläne im Inntal und am Brennertunnel für viel zu niedrig. „Schon jetzt käme auf uns eine Verdreifachung des heutigen Güterverkehrs zu, aber wir glauben, es wird noch sehr viel mehr“, sagt sie.

Das Bundesverkehrsministerium habe kein Interesse an geschönten Daten, erklärte der zuständige Staatsminister im Videochat. Deshalb hat er nun die Bürgerinitiative beauftragt, entsprechende Zugzahlen als Beweis zu liefern. „Lächerlich, wir haben unsere Zahlen ja nur aus den entsprechenden Veröffentlichungen der Bahn an anderen Stellen“, schimpft Cockrell. „Das ist reine Beschäftigungstherapie.“

Am Geisterbahnhof Olympiastadion München fährt seit mehr als 20 Jahren kein Zug. Schuld ist ein tragischer Unfall:

Ein Thema, dass die Volksseele im Nordosten schon seit geraumer Zeit kochen lässt, sind Wohnbaupläne der Stadt.

Carmen Ick-Dietl

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