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Findiger Grafikdesigner: Michael Wladarsch auf der blauen Bierbank vor seinem Geschäft an der Schwabinger Georgenstraße. Sie ist jetzt offizielle „Kultbank“.

Ausnahmegenehmigung

Bierbank wird amtliches Kultobjekt

München - Der bajuwarische Freigeist hat in Schwabing einen Sieg errungen. Mit findigen Aktionen hat der Grafikdesigner Michael Wladarsch erfolgreich eine neue Gehweg-Verordnung umschifft – er hat nun Münchens einzige „Kultbank“ vor dem Laden stehen.

Zum 1. Mai hatte die Stadt die Sondernutzung des öffentlichen Raumes neu geregelt und sich dabei augenscheinlich zu einer Liberalisierung durchgerungen. So ist es nun offiziell erlaubt, dass Ladenbesitzer während der Öffnungszeiten etwas auf den Gehweg stellen dürfen. Gedacht hatte man dabei etwa an Kartenständer vor Schreibwarengeschäften.

Nette Idee, doch die Sache hat, wie es bei Vorschriften gerne der Fall ist, einen Haken. Ladenbesitzer dürfen zwar etwas vor die Tür stellen, aber eben nicht alles. Polstermöbel etwa gehören nicht zur vorgesehenen Gehsteig-Möblierung, eine Bierbank auch nicht.

Darüber informierten Mitarbeiter der Stadt pünktlich am 2. Mai auch Michael Wladarsch, seines Zeichens Inhaber des Ladens „84 GHz“ an der Georgenstraße 84 in Schwabing. Vor seinem Grafik-Design-Studio steht seit einem guten Jahrzehnt eine blaue Bierbank, von der Stadt bisher sträflich missachtet. Doch nun, nach Inkrafttreten der neuen Vorschrift, sollte diese Bank weg.

Wladarsch, dessen Engagement für die Kunstszene im Stadtteil bekannt und prämiert ist, war zunächst perplex. Das „bayerischste aller Sitzmöbel“ sollte verboten werden? Nicht mit ihm! Er startete eine Unterschriftenaktion – mit durchschlagendem Erfolg. Bereits nach knapp drei Wochen hatten 1000 Menschen für den Erhalt des blauen Bierbankerls unterzeichnet.

Zugleich startete der Schwabinger Kulturschaffende eine Aktion im Internet: Jeder durfte auf der Bank Platz nehmen und sich fotografieren lassen. Die Fotos stellte Wladarsch dann auf seine Facebook-Seite. Zahlreiche Prominente wie Maler Ali Mitgutsch, aber auch der ehemalige SPD-Chef im Landtag, Franz Maget, warben so für die Bank.

Die für die Durchsetzung der neuen Richtlinien zuständige Bezirksinspektion des Kreisverwaltungsreferats (KVR) reagierte prompt: Man machte Michael Wladarsch ein Angebot: Gegen eine jährliche Gebühr von 30 Euro erhalte er eine Ausnahmegenehmigung. Die Bank würde zum „Kultobjekt“ erklärt und dürfe bleiben. Der 84 GHz-Chef schlug ein und ist nun stolzer Besitzer der „einzigen offiziellen Bierbank“ in München.

Wer denkt, die Geschichte von der kleinen blauen Bank in München sei nun zu Ende, kennt Wladarsch nicht. Das Sitzmöbel hat längst einen eigenen Internetauftritt. Der letzte Schrei sind Kultselfies, fotografiert auf der Kultbank. Grund genug für den Eigentümer, die Bank nicht nur zu den Öffnungszeiten von „84 GHz“ vor der Tür zu lassen. Sein Argument: Kultur habe keine festen Geschäftszeiten.

Ob die zu erwartende Kälte im Winter die Begeisterung für die Bierbank wird stoppen können, ist ebenfalls fraglich. Schließlich trotzt das gute Stück schon lange den Jahreszeiten, steht sommers wie winters draußen, was seiner Attraktivität keinen Abbruch tut. Denn auch wenn die blaue Farbe schon etwas abblättert, Michael Wladarsch würde die Bank nie ins warme Winterquartier räumen. „Da hätte ich Angst um meine Nachbarn“, meint er augenzwinkernd. „Die brauchen sie doch zum verschnaufen.“

Mehr Infos unter: www.kultbank.de und www. facebook.com/kultbank

Margot Deny

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