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Transparentes Dachwunder: Die Konstruktion im Olympiapark steht wie die Bauten darunter unter Denkmalschutz.

Münchener Wahrzeichen

Dieses Detail über das Olympiadach wussten Sie noch nicht

München - Die für die Sommerspiele 1972 erbaute gigantische Zeltdachkonstruktion aus Acrylglas gilt bis heute als architektonisches Meisterwerk. Wie es dazu kam.

Vor fast genau 50 Jahren verkündete als Avery Brundage, Präsident des Internationalen Olympischen Kommittees (IOC), den Münchnern eine Neuigkeit, die die Stadt nachhaltig verändern sollte: Am 26. April 1966 gab Brundage in Rom bekannt, München werde die Olympischen Sommerspiele 1972 austragen.

Doch wie das rund drei Quadratkilometer große Veranstaltungsgelände auf dem Oberwiesenfeld aussehen sollte, darüber gingen die Meinungen gehörig auseinander. 104 Architekten-Entwürfe für die Sportstätten gingen damals beim Preisgericht ein. Darunter auch ein etwas ungewöhnliches Modell der Architekten „Behnisch und Partner“. Inspiriert von dem deutschen Zeltpavillon der Weltausstellung 1967 in Montreal wollten die Architekten auch der Landeshauptstadt ein Zeltdach verpassen.

Damenstrumpf und Holzstäbchen zum Veranschaulichen

Um ihre Pläne zu veranschaulichen, hatten sie kurzerhand einen Damenstrumpf über mehrere Holzstäbchen gezogen. Der Entwurf war umstritten. Trotzdem gewann er, auch dank der Unterstützung des damaligen Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel (SPD), den Wettbewerb. Den für den Weltausstellungs-Pavillon verantwortlichen Architekten Frei Otto holte das Team für die Münchner Konstruktion gleich mit ins Boot. Trotzdem blieb ein Jahr lang unklar, ob der Plan in all seiner Größe überhaupt durchführbar ist.

Denn die Konstruktion, die über Olympiastadion, Olympiahalle und Schwimmhalle entstehen sollte, war gigantisch: ein knapp 75 000 Quadratmeter großes Zelt aus 10 000 einzelnen Acrylglasscheiben, getragen von 58 Stahlmasten. Das Mammutprojekt gelang. Der Aufwand für den Bau jedoch war enorm – und hatte seinen Preis: Die ursprünglich veranschlagten Kosten von 37 Millionen Mark überschritten die Architekten deutlich. 202 Millionen standen für das Ingenieurswagnis am Ende auf der Rechnung.

Statisches und optisches Meisterwerk

Doch das wohl teuerste Zirkuszelt aller Zeiten war seinen Preis wert: Bereits kurz nach ihrer Fertigstellung galt die Konstruktion als statisches und optisches Meisterwerk. Das ist auch der Grund, warum sie den Münchnern bis heute erhalten geblieben ist. Denn eigentlich sollte das Dach nach den Olympischen Spielen wieder abgebaut werden. Doch dann war das internationale Echo auf das Glaszelt so positiv, dass die Verantwortlichen beschlossen, es stehen zu lassen.

Wer sich das architektonische Meisterwerk einmal genauer ansehen möchte, der hat dazu übrigens bei den regelmäßigen Zeltdachtouren Gelegenheit. Schwindelfreie Besucher können dabei dem Wahrzeichen buchstäblich aufs Dach steigen und dabei auch noch den ganzen anliegenden Park überblicken.

Lesen Sie weitere Folgen unserer Serie über die Münchner Wahrzeichen: das Glockenspiel am Rathaus am Marienplatz, das BMW-Hochhaus, der Alte Peter und der Chinesische Turm im Englischen Garten.

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Annika Schall

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