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In dieser Siedlung in Oberföhring hat Tagesmutter Angelika S. den neun Monate alten Benedikt misshandelt.

Drama um kleinen Jungen

Benedikt (3) bleibt ein Pflegefall: Nun ist das Urteil gegen die Tagesmutter gefallen

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Eltern haben Angelika S. ihr Kind anvertraut – und es als Pflegefall zurückbekommen. Nun kam der langwierige Prozess um einen traurigen Vorfall zu einem Ende, die Tagesmutter muss ins Gefängnis.

München - Angelika S. ist schuld daran, dass der dreijährige Benedikt sein Leben lang ein Pflegefall bleiben wird. Die Tagesmutter hatte den damals neun Monate alten Buben vor zwei Jahren ins Koma geschüttelt. Am Freitag wurde sie vom Münchner Landgericht zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem darf die 53-Jährige ihren Beruf fünf Jahre nach ihrer Haftentlassung nicht mehr ausüben. Unter den Augen der Eltern des kleinen Benedikt fiel am Freitagnachmittag die Entscheidung in dem emotionalen Prozess, der mehr als 40 Verhandlungstage dauerte und die Gutachten zahlreicher medizinischer Experten berücksichtigte. Nach einer intensiven Beweisaufnahme ist für das Gericht der Fall klar: Angelika S. hat Benedikt am 19. September 2016 in ihrer Wohnung in Oberföhring mindestens drei Mal heftig geschüttelt – und das Kleinkind damit ins Koma befördert.

Mit Blaulicht brachten Notärzte das Baby ins Haunersche Kinderspital. Dort retteten Chirurgen Benedikt das Leben. „Es ist anzunehmen, dass das Kind ohne das Zutun der Ärzte nicht überlebt hätte“, sagte die Richterin. Um den Druck zu lindern, wurde Benedikt die Schädeldecke geöffnet. Doch die Verletzungen waren zu schwer, um den Buben eine vollständige Genesung zu garantieren. Das Schleudertrauma war laut Meinung der Ärzte und Gerichtsmediziner so gravierend, dass Blutgefäße im Gehirn des Babys schwer geschädigt wurden.

Tat in Oberföhring: Diese Hintergründe sehen die Richter als maßgeblich an

Als Motiv für die unfassbare Tat machen die Richter die allgemeine Unzufriedenheit von Angelika S. aus. Mit ihrem Liebesleben, ihren chaotischen finanziellen Verhältnissen und mit ihrem kaputten Auto. An jenem Tag wollte der kleine Benedikt keinen Mittagsschlaf halten. Er war unruhig und weinte, hieß es in der Urteilsbegründung. Weil Angelika S. in ihrer Mittagspause privaten Dingen nachgehen wollte, hat sie nach Erkenntnis der Richter das Kind auf den Arm genommen und geschüttelt. Angelika S. hingegen behauptete vor Gericht, dass Benedikt gestürzt sei.

Jetzt ist der Dreijährige blind, kann nicht sprechen, nicht gehen, nicht auf Reize reagieren. Gelegentlich gibt er unverständliche Laute von sich. Seine Lebenserwartung schätzen Experten auf etwa 40 Jahre. Benedikts Eltern haben ihr Leben komplett umgekrempelt. Die junge Mutter gab ihren Beruf auf, kümmert sich jetzt rund um die Uhr um ihren Sohn. Sie haben Angelika S. ihr Kind anvertraut – und es als Pflegefall zurückbekommen.

Bereits in der Vergangenheit hatte sich die Tagesmutter vor Gericht wegen der Misshandlung eines Kindes verantworten müssen. So hatte Angelika S. vor Jahren einem Baby gleich am ersten Betreuungstag eine Ohrfeige gegeben. Doch das Jugendamt reagierte nicht. Angelika S. zahlte eine Geldstrafe, entschuldigte sich bei den Eltern und konnte ihren Frust weiterhin in Form von Gewalt an wehrlosen Kleinkindern abbauen.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Bogenhausen – mein Viertel“.

Johannes Heininger

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