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Stadt für Pistengaudi am Müllberg

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Wedeln am Müllberg beim Testlauf 2008: Jetzt kann die Pistengaudi in Fröttmaning zur Dauereinrichtung werden. © Klaus Haag

München - Die Pistengaudi kann 2012 auf den Fröttmaninger Müllberg zurückkehren: Die Stadt macht sich dafür stark, dass der Verein „Fröttmaninger Skiarena“ die erforderlichen Genehmigungen erhält.

Die Brettl-Fans waren begeistert vom Testlauf im Winter 2008. Doch dann war Schluss mit der Pistengaudi im Münchner Norden. Jetzt könnte der Müllberg auf Dauer zum urbanen Wintersportort werden. Denn: Die Stadt will dem Verein „Fröttmaninger Skiarena“ den Skibetrieb ermöglichen. Mit seinem Konzept hat sich der Verein, den der Skiverband München, die Skiabteilung des TSV 1860 München und der Bayerische Skiverband ins Leben gerufen haben, bei der Ausschreibung durchgesetzt.

Der einzige weitere Bewerber, der Karlsruher Architekt Thorsten Sieler, fiel glatt durch. Der Diplom-Ingenieur hatte sich mit einer ganzjährig nutzbaren Skihalle beworben. Neben dem Skibetrieb wollte Sieler in der Halle professionell Schnee für Veranstaltungen produzieren – sowie Läden, eine Almhütte und ein Bergrestaurant errichten.

Eine „Themaverfehlung“ sei das Konzept, heißt es im Papier, das dem Bildungsausschuss kommenden Mittwoch in nicht-öffentlicher Sitzung präsentiert wird. Die Nutzung des Berges als Skihang sei ausdrücklich Wunsch gewesen – ebenso wie die Konzentration auf Soziales und den Sport. Sielers Konzept lege aber den Schluss nahe, „dass das kommerzielle Interesse im Mittelpunkt steht“.

Beim Verein Fröttmaninger Skiarena steht dagegen die Nachwuchs- und Jugendarbeit im Zentrum. Geplant ist ein Kindergelände, das der Deutsche und der Bayerische Skiverband nutzen. Und: „Uns liegt sehr daran, mit dem Stadtschulamt ein Arragement zu treffen. Wir wollen die Kinder im Schulsport an den Berg bekommen und ans Ski- oder Snowboardfahren heranführen“, sagt Horst Strelow, zweiter Vorsitzender des Vereins.

Fünf bis sechs Schneekanonen sollen den Müllberg schneesicher machen. Anstatt eines Schlepplifts wie beim Probebetrieb 2008 soll dauerhaft ein Sessellift installiert werden, damit auch Rodler und ältere Menschen am Bergvergnügen teilhaben können. Geplant sind auch zwei Zwergerllifte. Außerdem will der Verein vor Ort Skier und Snowboards verleihen. Verpflegung für die Sportler soll ein Kiosk bieten.

Noch hat Strelow die gute Nachricht von der Stadt nicht erhalten. „Aber wir würden uns sehr freuen“, sagt er. Wenn der Bescheid am Mittwoch ergeht, müssen die Verantwortlichen schnell handeln. Bevor die Piste kommen kann, muss das Umweltreferat noch verschiedene Genehmigungen erteilen. Und: Strelow und seine Vereinskollegen müssen Sponsorenverträge abschließen. Um die Pistengaudi zu finanzieren, will die „Fröttmaninger Skiarena“ mit der Skiwelt Wilder Kaiser – Brixental und der Zugspitzbahn Garmisch-Partenkirchen zusammenarbeiten. Beide Unternehmen haben Interesse bekundet. Strelow: „Wir werden kurzfristig mit diesen Partnern Kontakt aufnehmen.“

Die Skipiste dauerhaft zu etablieren, war nach 2008 gescheitert. Ein wirtschaftlicher Betrieb mit Anlagen, die jeden Winter neu hätten aufgebaut werden müssen, war nicht möglich. Die feste Installation von Liftmasten sowie Wasser- und Stromkabeln wurde aber verboten, weil Grabungen im Müllberg zu gefährlich sind. Unter der Oberfläche des Bergs laufen noch immer chemische Prozesse ab. Die jetzigen Pläne kommen ohne Grabungen aus.

Die CSU, die sich zuletzt im Januar 2010 für den Erhalt des Skibergs stark machte, begrüßte die Entscheidung am Freitag. Nicht alle Familien könnten die Mittel für Skiausflüge in die Alpen aufbringen, sagte CSU-Stadtrat Mario Schmidbauer: „Der Skiberg ist auch ein soziales Projekt.“ Fraktionschef Josef Schmid feierte das „stadtnahe Skierlebnis“ für die Brettl-Fans. Bald könnten sie „tatsächlich mit der U-Bahn zum Skifahren“ fahren.

Möglicherweise wird man in der U-Bahn in Richtung Fröttmaning bald auch mehr Menschen mit Mountainbikes antreffen. Denn: SPD und Grüne haben sich für die Nutzung des Müllbergs als „Downhill-Mountainbikepark“ stark gemacht. Ob auch Radsportler hier bald bergab preschen, ist aber noch nicht entschieden.

Caroline Wörmann

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