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Hai frisst Häusl: Der Künstler Heiko Krause thematisiert den Abriss an einem Brückenpfeiler in Giesing

Obergiesing: Noch kein Ergebnis der Ermittlungen

Ein Jahr nach dem illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls: Aufarbeitung wird zur unendlichen Geschichte

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Am 1. September jährt sich der illegale Abriss des Uhrmacherhäusls an der Oberen Grasstraße in Obergiesing zum ersten Mal. Die Aufarbeitung des Geschehens droht zur unendlichen Geschichte zu werden.

München - Gentrifizierung gegen Denkmalschutz: Das Thema bewegt die Stadt. Auch hier, an Münchens neuer Kreativmeile, dem „Halt 58“ am Platz der ehemaligen Bushaltestelle am Kolumbusplatz in Untergiesing, die Anfang Juli eröffnet wurde. Der Street-Art-Künstler Heiko Krause hat hier das Thema der „Immobilienhaie“ aufgegriffen. Sein Graffito auf einem der Brückenpfeiler stilisiert das Uhrmacherhäusl in Obergiesing und den Bagger, der es in Minuten in Schutt und Asche legte.

Ein Foto von kurz nach dem illegalen Abriss.

Am 1. September jährt sich der illegale Abriss des Handwerkerhäusls an der Oberen Grasstraße 1 zum ersten Mal. Die Wunde in der denkmalgeschützten Feldmüller-Siedlung klafft weiter. Bisher wurde niemand für die Vernichtung des 170 Jahre alten Hauses zur Verantwortung gezogen.

Bußgeldverfahren läuft

Das Bußgeldverfahren bei der Staatsanwaltschaft München I läuft. Die Ermittlungen ziehen sich. Immer wieder hat die Behörde seit Anfang Juni auf Anfrage mitgeteilt, die Ermittlungen stünden kurz vor dem Abschluss. Ob der Abriss des Hauses eine Straftat darstellt? Noch nicht klar. Ob der Geschäftsführer des Bauunternehmens „CSH Baubetreuung GmbH“ und der Baggerfahrer, der in deren Auftrag arbeitete, wegen Sachbeschädigung zu belangen sind? Nicht geklärt.

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Für das Haus an der Oberen Grasstraße 1 hatte wie berichtet lediglich eine Sanierungsgenehmigung vorgelegen, als der Bagger am 31. August zum Abriss anrückte – und von Anwohnern ausgebremst werden konnte. Er kam wieder, am 1. September, trotz des von der Lokalbaukommission verhängten Baustopps, und vollendete sein Zerstörungswerk.

Einmal im Monat organisiert die Initiative „Heimat Giesing“ eine Mahnwache  (o.) vor der Baulücke an der Oberen Grasstraße 1.

Klar ist bis heute nur, dass der Eigentümer des abgerissenen Hauses, Andreas S. aus Neuried, die Schuld gänzlich von sich weist. „Hinsichtlich des Abrisses verweist er auf die Bauarbeiter beziehungsweise den Geschäftsführer der CSH Baubetreuung“, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Kann kein Beweis für die vorsätzliche Zerstörung des Hauses gefunden werden, läuft das Verfahren auf einen Gutachterstreit hinaus.

Stadt will keine halben Sachen

Die „CSH Baubetreuung GmbH“ existiert nicht mehr. Im November wurde der Handelsregistereintrag geändert. Die Firma heißt jetzt „Black Lotus Investition und Baubetreuung GmbH“, ihren Sitz hat sie nicht mehr in München, sondern in Forchtenberg bei Heilbronn. Der Geschäftsführer ist ebenfalls neu.

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Die Politik will verhindern, dass sich der illegale Abriss für Andreas S. auszahlt. Im Mai hatte OB Dieter Reiter (SPD) betont, der Eigentümer habe offenbar „nicht verstanden, dass man den Denkmalschutz nicht einfach mit der Abrissbirne aus der Welt schaffen kann“. Während die Stadt verspricht, im Prozess um das Handwerkerhäusl keine halben Sachen zu machen, klagt S. gegen die im Mai erlassene Verfügung, das Haus wieder aufzubauen – genauso hoch, genauso breit, auf dem noch erhaltenen Keller und teilweise mit alten Materialien, die bei der Räumung des Grundstücks gesichert wurden. Experten stellen sich auf einen jahrelangen Rechtsstreit ein.

Natürlich müsse die Staatsanwaltschaft gründlich ermitteln, sagt Angelika Luible von der Initiative „Heimat Giesing“, die sich nach der illegalen Zerstörung des Uhrmacherhäusls gegründet hatte. „Aber sehr lang brauchen sie schon.“ Die Initiative plant eine Veranstaltung zum ersten Jahrestag des Abrisses. Um 16 Uhr wird am 1. September zunächst das Abrissgeräusch durch Obergiesing schallen. Dann spricht der Kunsthistoriker Norbert Ott über den Denkmalschutz, bevor die „Hochzeitskapelle“ das Lied „Skandal in Giesing“ anstimmt. Es beginnt so: „In Giesing steht ein altes Haus, doch alte Häuser müssen raus...“

Caroline Wörmann

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook -Seite „Giesing – mein Viertel“.

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