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Das denkmalgeschützte Handwerkerhäuschen aus dem 19. Jahrhundert ist abgerissen worden.

Stadt kündigt Sanktionen an

Abriss des Giesinger Handwerkerhauses: Bauträger spricht von Unfall

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Nach dem illegalen Abriss des denkmalgeschützten Handwerkerhäuschens in Giesing kündigt die Lokalbaukommission (LBK) „sehr schmerzhafte Sanktionen“ für den Bauherrn an. Der Bauträger behauptet derweil, es habe sich um einen „Unfall“ gehandelt.

München - An der Zerstörung von wertvollem Kulturgut an der Oberen Grasstraße 1 ändere sich nichts mehr, sagt Thomas Rehn, Vize-Chef der LBK am Montag. Deshalb dürfe nun nicht hektisch eine Strafe verhängt werden. „Wir werden genau überlegen und prüfen, damit wir am Ende eine Sanktion finden, die sehr, sehr schmerzhaft ist.“ Der Bauträger dürfe aus seinem „mutmaßlich kriminellen Vorgehen“ keinen Profit ziehen.

Unter anderem drohen Bußgelder in sechsstelliger Höhe. Aber auch in Bezug auf das Baurecht müsse geklärt werden, was der Bauherr an Stelle des ehemaligen Handwerkerhäuschens errichten dürfe, sagt Rehn. An einen ähnlich gelagerten Fall könne er sich nicht erinnern.

Wie Rehn bestätigt, hatte der Bauherr lediglich eine Erlaubnis, das Gebäude denkmalgerecht zu sanieren, jedoch keinerlei Genehmigung zu erweiterten Baumaßnahmen, geschweige denn zum Abbruch. Die LBK habe am Donnerstag die Einstellung der Bauarbeiten und die Absicherung der Baustelle verfügt. Zudem sei der Bauherr telefonisch informiert worden. „Er hat versichert, das es sich um einen Irrtum handle und er seine Arbeiter anweise, nicht weiterzumachen“, berichtet Rehn.

„Es war ein Unfall“

Alles sei nicht so, wie es bisher dargestellt worden sei, beteuert auch Serpid Camurlo von der CSH Baubetreuung GmbH am Montag. Nur so viel will die Frau des Geschäftsführers des Bauträgers sagen, bis weitere Dinge geklärt sind: „Es war ein Unfall.“ Die Firma habe den Auftrag zur Sanierung des Hauses gehabt. Ihr Mann, erzählt Camurlo, sei völlig fertig.

War der Abriss wirklich ein Versehen? Dann bleiben Fragen. Warum kamen die Arbeiter am Freitag wieder, nachdem am Donnerstag Nachbarn die Polizei informiert hatten und ein Baustopp verhängt worden war? Warum liefen der Baggerfahrer und ein weiterer Arbeiter nach getanem Zerstörungswerk vor der hinzugerufenen Polizei weg, anstatt die Baustelle zu sichern und Trümmerteile von der Straße zu entfernen? Zu all dem will sich die CSH Baubetreuung frühestens kommende Woche äußern. LBK-Vize Rehn sagt dazu nur: „Wenn nachweisbar sein sollte, dass es sich um ein Versehen handelt, dann wird es mit einer rechtlichen Handhabe schwierig für uns.“

An den Zaun haben Anwohner eine „Todesanzeige“ gehängt. „Kein Baurecht für Spekulanten!“

Die Empörung über den illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls ist auch am Montag groß. Bei der Polizei melden sich zahlreiche erboste Bürger, die Auskunft wollen. Und auch im Rathaus ist die Zerstörung des Giesinger Hauses aus dem Jahr 1840 Thema Nummer eins. Von einem „Skandal“ spricht CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl. Die „dubiose Baufirma“ müsse die Konsequenzen für „ihr dreistes Vorgehen deutlich zu spüren bekommen“. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl stößt ins selbe Horn: „Hier will sich jemand durch kriminelles Vorgehen einen wirtschaftlichen Vorteil verschaffen“, sagt er. „Das darf nicht sein.“ Es müsse geklärt werden, wie ein „derart rücksichtsloses und rechtswidriges Vorgehen künftig verhindert werden kann“. Auch Sebastian Roloff, SPD-Bundestagskandidat für den Münchner Süden, fordert die Stadt auf, „klare Kante“ zu zeigen und gegen dieses „hohe Maß an krimineller Energie mit aller Härte“ vorzugehen.

Gülseren Demirel, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Münchner Stadtrat, erklärt, dass die Missachtungs des Denkmalschutzes und Zweckentfremdung oft genug mit lächerlichen Bußgeldern und anschließend exorbitanten Renditen vergolten würden. „Die Stadt muss hier eine härtere Gangart einschlagen und alle Instrumente nutzen, um die Täter zur Verantwortung zu ziehen“, forderte Demirel. Für den Fall Obere Grasstraße 1 „könnte auch Enteignung eine gerechte Strafe sein“.

Das sagt OB Dieter Reiter

Per Pressemitteilung meldete sich auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) vom Klimagipfel bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin mit einem deutlichen Statement zu den Vorgängen in Obergiesing: Er sei „schockiert, mit welcher Dreistigkeit der Denkmalschutz missachtet“ worden sei. „Das ist ein Skandal und zerstört ein Stück altes Giesing für immer. Wir werden mit aller Härte gegen die Verantwortlichen vorgehen.“

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

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