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„Nicht mit uns“: Anwohner besprachen sich am Freitag vor der Baustelle an der Oberen Grasstraße in Giesing.

Nach illegalem Abbruch

Anwohner von Abriss-Haus wollen klagen: Auch der Stadt drohen Konsequenzen

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Nach dem Abriss des geschützten Hauses in Giesing regt sich Widerstand unter den Anwohnern: Sie haben einen Rechtsanwalt beauftragt und wollen den Verursacher verklagen.

München - Im Herzen von Giesing klafft in einer Häuserzeile ein hässliches Loch. An der Oberen Grasstraße 1, wo mehr als 170 Jahre lang eine schmucke Handwerker-Herberge stand, türmt sich meterhoch der Bauschutt hinter einem dünnen Metallzaun. Ein Bagger hatte das denkmalgeschützte Gebäude am Freitag vorige Woche ohne Berechtigung einfach abgerissen.

Gegen das Vorgehen formt sich mittlerweile stadtweit Widerstand, und auch die direkten Nachbarn wollen den Hausabbruch nicht einfach hinnehmen, sondern erwägen nun, den Verursacher zu verklagen. „Weil wir uns alle vom Bauherrn gefährdet fühlen“, erklärt Barbara K., die nahe der Baustelle wohnt. „Der Abriss war eine ganz große Schweinerei“, findet sie und ist mit dieser Meinung nicht alleine.

Nachbarn vereinigen sich gegen Verursacher des Abrisses

Scheinheilig habe der Eigentümer die Nachbarn getäuscht, indem er zunächst nur Sanierungsmaßnahmen ankündigte. „Dem haben wir zugestimmt und dachten, dass das alte Haus dann bald wieder bewohnt ist und schöner aussehen wird“, sagt Clemens G., ein weiterer Nachbar. Doch dann rückte der Bagger an und hat – in nur neun Minuten – das Viertel verändert. Zum Zeichen ihres Protests haben etliche Giesinger Plakate vor der Baustelle aufgehängt. Am Freitag kamen Bürger aus der ganzen Stadt, um sich die Trümmer anzusehen. Die Stimmung ist bedrückt.

Rechtlich ist die Lage ernst. Anwalt Albert Cermak ist inzwischen mit der Klage beauftragt, um „alle erdenklichen Schritte gegen die Verursacher einzuleiten“. Mit dem Abriss wurde aus seiner Sicht sogar der Straftatbestand der gemeinschädlichen Sachbeschädigung erfüllt. Zumindest durch Unterlassung sei das sogar „durch den Eigentümer selbst erfüllt“. Nun soll ein Gutachter den Abriss bewerten. Vom Grad der Gefährdung hängt es ab, wie und wann geklagt wird. Für Barbara K. steht jetzt schon fest: „Die Stadt hat ihre Aufsichtspflicht verletzt.“

Die SPD hat die Stadtverwaltung dazu aufgefordert, den Fall des abgerissenen Hauses zu überprüfen.

Anwohner kämpften schon länger um den Erhalt

Auch das könnte noch zum Gegenstand der Klage werden, der sich etliche Anwohner anschließen wollen. Denn seit das Abriss-Haus leerstand, hatten sie mehrfach bei der Unteren Denkmalschutzbehörde angerufen. „Leider wurden wir nicht ernstgenommen“, sagt Barbara K. „Es hieß nur, wir sollten uns wieder melden, wenn die Abrissbirne vor dem Haus steht.“ Was dann wirklich geschah. Eigentümer Andreas S. aus Neuried ist seither nicht mehr zu erreichen. Aus seiner Firma ist zu hören, er mache Urlaub. Die Mailbox verrät: Er weilt in Italien.

Mittlerweile hat auch Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) den Abriss scharf verurteilt. Der Abriss sei umso bedenklicher, als gemeinsam mit der unteren Denkmalbehörde und dem Besitzer ein Konzept zur Instandsetzung erstellt worden sei. Der Minister hält auch Forderungen der Denkmalpflege für sinnvoll, dass an dieser Stelle nur ein Gebäude in den bisherigen Maßen und am Vorbild orientiert errichtet werden darf. „Es ist bitter, dass absichtlich ein Stück gebauter Geschichte zerstört wurde.“

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Giesing – mein Viertel“.

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

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