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Wenn sie Lieferungen bekommen, geht nichts mehr auf der Tela: (v.li.) Tvy Quang Pham, „Trepperlwirt“ Robert Völkl und Martin Muth an der verkehrsberuhigten Engstelle.

Das Nadelöhr von Obergiesing

An der Tegernseer Landstraße liegen die Nerven blank

Seit in der südlichen Tegernseer Landstraße ein Fahrstreifen zugunsten eines Radwegs aufgegeben wurde, haben einige Geschäftsinhaber riesige Probleme. Wenn Lieferungen kommen geht nichts mehr.

München - Immer wenn der Asia-Markt von Tvy Quang Pham an der Ecke Tegernseer Landstraße/Wirtstraße eine Lieferung bekommt, herrscht Chaos an der Kreuzung. Dreimal die Woche fahren große Sattelzüge aus den Niederlanden mit neuer Ware vor. Für die Fahrer gibt es jedoch keine Möglichkeit, vor dem Laden zu halten und auszuladen. Selbst wenn sie sich verkehrswidrig um die Ecke halb auf den Gehweg stellen, wird’s schwierig. Denn da muss auch der Bus abbiegen. Holt er wegen eines Lieferwagens weiter aus, steht er auf der Gegenfahrbahn, dort wird dann rangiert und auf den Radstreifen ausgewichen. Zum Glück ist bislang noch nichts passiert, sagen die Geschäftsleute.

Chaos und Stau

Sie kämpfen alle mit dem gleichen Problem. Ein- bis zweimal komme bei ihm eine Getränkelieferung, erzählt „Trepperlwirt“ Robert Völkl. Stehe der Lkw direkt vor seiner Gaststätte in der Tegernseer Landstraße 119, kämen weder Pkw noch Busse dran vorbei. Die Staus reichten teilweise zurück bis zur Kreuzung am Grünwalder Stadion. „Wir bedauern die regelmäßigen Behinderungen sehr“, sagt Martin Muth, Chef der „Alfa Reinigung“. Auch er kriegt regelmäßige Lieferungen mit Lastkraftwagen.

Warum hakt es jetzt an der Tegernseer Landstraße?

Seit September 2015 gilt die neue Verkehrsführung der südlichen Tegernseer Landstraße. Aus dem vorherigen zweiten Fahrstreifen wurden ein Radlweg und eine Gehweg-Verbreiterung. „Wir haben das sehr begrüßt, denn es bringt Leben ins Viertel“, sagt Völkl. Er selbst profitierte von der Aufwertung, hat nun zwei Tische als Freischankfläche vor der Tür. Im damaligen Gutachten zum Umbau hieß es, es seien „Lieferzonen in den unmittelbar angrenzenden Bereichen vorgesehen“. 

Tatsächlich gibt es diese Lieferzonen in den nächsten Querstraßen. Dass die Lieferanten dort ausladen und alles den Weg zurückschieben, ist aber realitätsfern. Zudem kommen sie dann mit Fußgängern und Radfahrern ins Gehege. „Ein Viertel lebt vom Angebot seiner Versorger und Dienstleister“, sagt Muth. Diese bräuchten – wenn das Geschäft läuft – permanent Nachschub. „Und der kommt nicht durchs Internet, sondern auf der Straße.“

Gibt es eine Lösung für das Problem?

Vor Ort hat man sich gemeinsam Gedanken über eine Lösung gemacht. „Man könnte den Abschnitt zwischen den beiden Zufahrten zu den Grundstücken 117 und 121 zu einer Ladezone nach dem Vorbild im Tal machen“, erläutert Muth. Eine ideale Position, denn die Lkw müssten beim Ein- und Ausfahren nicht rangieren, zur Nutzung der Ladehilfen bräuchte man die Fahrbahn nicht betreten. Und die Strecke zu den Läden ist auch vertretbar. Für die Lieferanten wäre diese Idee tragbar, sagt Muth. Zwischen 19 und 7 Uhr könnten werktags zudem auch Anwohner auf der Ladezone parken.

Von Carmen Ick-Dietl

Vor kurzem wurde Tempo 30 an der Tegernseer Landstraße abgelehnt. Mehr Infos dazu finden Sie hier.

Übrigens: Der Kulturverein Real München veranstaltet am Samstag, 2. September, das Stadtteilfest „Ois Giasing!“.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Giesing – mein Viertel“.

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