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Simone Fürsicht in den Räumen an der Schwanseestraße. Ohne Zuschuss-Bescheid kann sie nicht umbauen. 

Behörden-Verfahren zieht sich hin

Bald sind die Kinder groß: Genehmigung für Krippe wird zum Marathon 

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Simone Fürsicht will eine Kinderkrippe eröffnen. Seit Monaten steht sie in den Startlöchern. Was fehlt, ist der Zuschuss-Bescheid der Stadt. Die 46-Jährige fühlt sich als Opfer der Bürokratie.

Simone Fürsicht seufzt schwer, als sie die Tür an der Schwanseestraße 71a öffnet. Dort, wo längst Kinder spielen sollten, ist es still. Die Wände sind kahl, statt Spielzeug liegen Kabel am Boden. Seit Anfang des Jahres hat Fürsicht einen Mietvertrag für das Objekt unweit des Giesinger Bahnhofs – und genügend interessierte Eltern. „Doch die Stadt blockiert“, sagt die 46-jährige Erzieherin. Ihr Antrag für den städtischen Zuschuss liege seit Monaten beim Bildungsreferat. Und ohne Genehmigung könne sie nicht umbauen. „Sonst bekomme ich später in keinem Fall einen Zuschuss.“

Aus Sicht der Erzieherin liegt die Schuld bei der Stadt. „Eigentlich erfülle ich seit einem halben Jahr alle wichtigen Voraussetzungen.“ Aber bis heute warte sie auf den Zuschuss-Bescheid für ihre „Monaco Kids“. Immer hake es an Kleinigkeiten. So hatte Fürsicht wie gefordert einen Mietvertrag über 25 Jahre abgeschlossen. Weil nichts voran ging, habe der irgendwann nur noch 24 Jahre gegolten. „Aber da wurde keine Ausnahme gemacht. Ich musste einen neuen Vertrag mit dem Vermieter machen.“ Simone Fürsicht spricht von Schikane und „unnötiger Bürokratie auf Kosten der Eltern und Kinder“. Auch dass ihr Startkapital auf einem Privat- und keinem Geschäftskonto lag, wurde bemängelt. „Ich stehe wegen der mehreren tausend Euro Miete mittlerweile kurz vor der Pleite“, sagt Fürsicht frustriert. Überall betone die Stadt, wie wichtig neue Kitas seien. „Aber wenn jemand das Risiko eingeht, eine zu gründen, wird er im Stich gelassen.“ Sie wünscht sich eine gewisse Kulanz. „Die Stadt will, dass sie die Kita übernehmen kann, wenn ich aufhören würde.“ Doch durch ihre Blockade verhindere die Stadt, dass überhaupt erst eine neue Kita eröffnen könne.

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Auf Anfrage unserer Zeitung sagte ein Sprecher des Bildungsreferats: „Der Ausbau der Kinderbetreuung hat für München höchste Priorität.“ Doch im Fall der „Monaco Kids“ habe noch kein Bewilligungsbescheid erteilt werden können, da die Fördervoraussetzungen nicht erfüllt gewesen seien. „Das Verfahren steht nun aber kurz vor dem Abschluss“, so der Sprecher. Tatsächlich hat Fürsicht Ende der Woche Post bekommen. Eine Zwischenprüfung der Regierung von Oberbayern sei erfolgreich abgeschlossen. Aber es würden noch Prüfungen seitens des Kommunalreferats laufen. „Wenn die Prüfung positiv abgeschlossen werden kann, muss der Stadtrat zustimmen – anschließend kann die Investitionskostenzusage erfolgen“, teilte der Sprecher mit. Die Stadt sieht die Verantwortung auch bei Fürsicht: Einige Dokumente seien „erst mit Verzögerung vorgelegt“ worden. Für Simone Fürsicht, Eltern und Kinder heißt es also weiter: warten.

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