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Plattgemacht: Ob das Uhrmacherhäusl originalgetreu wiederaufgebaut wird, entscheidet nun die Justiz.

Andreas S. wehrt sich gegen Verfügung

Streit um Uhrmacherhäusl: Jetzt zieht der Eigentümer vor Gericht

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Das nächste Kapitel im Denkmal-Krimi um das Uhrmacherhäusl in Giesing: Der Eigentümer weigert sich, das Gebäude neu zu errichten. Die Denkmalschutzbehörde hatte den Wiederaufbau des illegal abgerissenen Hauses verfügt.

Der Schock sitzt immer noch tief, nicht nur bei den Giesingern. Vor neun Monaten wurde das alte Uhrmacherhäusl an der Oberen Grasstraße 1 von Baggern plattgemacht. Das aus dem Jahre 1840 stammende Handwerkerhaus lag binnen Minuten in Schutt und Trümmern. Was folgte, waren wütende Proteste aus der Bürgerschaft und eine Welle der Empörung, die sich gegen den Eigentümer Andreas S. richtete.

Auch die Stadt reagierte. Die Untere Denkmalschutzbehörde hat im April eine Verfügung zur Wiederherstellung des Gebäudes erlassen. Demnach muss das beseitigte Einzeldenkmal als Teil des „Ensembles Feldmüllersiedlung“ unter Berücksichtigung der bisherigen Kubatur und Form sowie unter Erhalt der vorhandenen Giebelwände und der Keller innerhalb von zwei Jahren nach Erteilung der Baugenehmigung wiederhergestellt werden. Hierbei seien auch die bei der Grundstücksräumung gesicherten historischen Materialien in Abstimmung mit dem Denkmalamt zu verwenden, heißt es vom Planungsreferat.

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Hauseigentümer klagt vor Verwaltungsgericht

Doch der Hauseigentümer will sich diesem behördlichen Erlass nicht beugen: Er hat gegen den Bescheid der Unteren Denkmalschutzbehörde zwischenzeitlich Klage beim Verwaltungsgericht München eingereicht, wie das Planungsreferat unserer Zeitung am Dienstag auf Anfrage mitteilte. Nun muss also die Justiz über den Wiederaufbau des historischen Gebäudes entscheiden.

Parallel dazu läuft bei der Staatsanwaltschaft ein Bußgeldverfahren gegen den Hausbesitzer. Es wird geprüft, ob der Abriss eine Straftat darstellt. Es droht eine Strafe von bis zu 500.000 Euro. Für das Uhrmacherhäusl gab es nur eine Sanierungsgenehmigung. Darüber setzte sich Eigentümer Andreas S., ein Unternehmer aus Neuried, offenbar mutwillig hinweg. Gegen den Geschäftsführer des den Abriss ausführenden Bauunternehmens und einen Bauarbeiter vor Ort wird laut Staatsanwaltschaft ebenfalls wegen Sachbeschädigung ermittelt.

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Auch OB Dieter Reiter (SPD) zürnte. Der Rathauschef bezeichnete den illegalen Abriss als „Skandal“ und versprach „mit aller Härte gegen die Verantwortlichen vorzugehen“. Reiter forderte einen profilgleichen Aufbau des Gebäudes. Wenige Tage nach dem Abriss gründete sich die Bürgerinitiative „Heimat Giesing“, die seither jeden Freitagabend eine Mahnwache vor Ort abhält. Reiter zeigte sich am Dienstag erneut erbost: „Der Eigentümer scheint offenbar nicht verstanden zu haben, dass man den Denkmalschutz nicht einfach mit der Abrissbirne aus der Welt schaffen kann“, sagte der OB unserer Zeitung.

K. Vick, S. Karowski, C. Wörmann

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