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Diese Wunde schmerzt die Obergiesinger: Dort, wo das Uhrmacherhäusl stand, klafft eine Lücke.

Protestaktion zum Jahrestag

Streit um abgerissenes Uhrmacherhäusl - wird es nie wieder aufgebaut?

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Das Uhrmacherhäusl beschäftigt seit dem Abriss vor einem Jahr die Gerichte. Und genau dieser Umstand lässt einen Wiederaufbau in weite Ferne rücken. Doch es regt sich Widerstand.

München - Vor genau einem Jahr hat ein Bagger kurzen Prozess mit dem Uhrmacherhäusl gemacht. Seitdem klafft eine offene Wunde in der eigentlich als Ensemble geschützten Feldmüllersiedlung in Obergiesing. Die Stadt München pocht darauf, dass der Eigentümer das Haus wieder aufbauen muss - geschehen ist in der Oberen Grasstraße bisher aber nichts.

Die Lage ist vertrackt, gleich mehrere Verfahren beschäftigen die Gerichte. Da wäre etwa das Bußgeldverfahren, dass bei der Staatsanwaltschaft München I anhängig ist. „Die polizeilichen Ermittlungen dauern an, sodass wir derzeit leider keine neuen Informationen zu Verfügung stellen können“, teilt die Staatsanwaltschaft auf Anfrage der tz mit. Dabei hieß es bereits im Juni, die Ermittlungen stünden kurz vor dem Ende.

Eigentümer klagt gegen Bescheid der Stadt

Ein weiteres Verfahren beschäftigt das Verwaltungsgericht. Hier klagt Andreas S., der Eigentümer des Grundstücks, gegen einen Bescheid der Stadt, der ihn dazu verpflichtet, das Uhrmacherhäusl wieder aufzubauen. Wann das Verfahren starten kann, steht aber noch in den Sternen - nicht nur, weil das Gericht viel beschäftigt ist, sondern auch wegen Neuerungen im Denkmalschutzrecht. Und egal wie das Urteil des Verwaltungsgerichts irgendwann einmal lauten wird - beide Parteien sind entschlossen, im Falle einer Niederlage in die nächste Instanz zu gehen.

Der komplette Wiederaufbau des Hauses mit den Originalmaterialien scheint ohnehin nicht möglich zu sein. Allerdings will die Stadt den Eigentümer verpflichten, das Haus zumindest in gleicher Dimension unter Verwendung der sichergestellten Materialien errichten zu lassen. Bis darüber entschieden wird, geht aber noch viel Zeit ins Land.

Demo am Uhrmacherhäusl am Jahrestag des Abrisses

Angelika Luible und ihre Mitstreiter von der Initiative „Heimat Giesing“ wollen sich dennoch nicht entmutigen lassen. An diesem Samstag, dem Jahrestag des Abrisses, rufen sie zur Demo am Uhrmacherhäusl auf. Für Luible steht fest: „Probleme mit dem Denkmalschutz mit der Abrissbirne lösen zu wollen, ist kriminell.“ Ihre Sorge ist, dass der Eigentümer Andreas S. den den längeren Atem haben könnte und mit dem illegalen Abriss doch noch durchkommen könnte. „Der Eigentümer des Grundstücks ist jung, ihm spielt die Zeit in die Hände“, meint Luible. Wenn man die derzeitige Entwicklung der Grundstückspreise in München betrachtet, könnte diese pessimistische Einschätzung zutreffen.

Lesen Sie auch: Ein Jahr nach dem illegalen Abriss des Uhrmacherhäusls: Aufarbeitung wird zur unendlichen Geschichte

Kein Vergessen: Das Bündnis „Heimat Giesing“ hält die Erinnerung an das Haus mit monatlichen Mahnwachen wach.

So lief der illegale Abriss

Am 1. September 2017 wurde das Schicksal des denkmalgeschützten Uhrmacherhäusls besiegelt. Neun Minuten brauchte ein Baggerfahrer, um das Haus in einen Haufen Schutt zu verwandeln. Der Termin war offenbar wohl gewählt. „Ein paar Hundert Meter hatten die Sechziger am Abend ein Heimspiel gegen den FC Ingolstadt - da war die Polizei eingebunden“, erinnert sich Angelika Luible vom Bündnis Heimat Giesing. 

Und auch bei der Stadt war zu diesem Zeitpunkt niemand mehr zu erreichen. Schon am Vortag hatte die - mittlerweile nicht mehr existente - Firma CSH Baubetreuung versucht, das Gebäude abzureißen, doch die von einem Anwohner alarmierte Polizei konnte die Tat verhindern. „Für mich ist es deshalb eindeutig, dass das Haus vorsätzlich abgerissen wurde“, sagt Luible. Eine Genehmigung hatte der der Eigentümer lediglich für die Sanierung, nicht aber für den Abriss des Gebäudes.

Am Samstag große Protestaktion

Das Bündnis „Heimat Giesing“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an das Uhrmacherhäusl wach zu halten. An diesem Samstag, dem Jahrestag des Abrisses, rufen Angelika Luible und ihre Mitstreiter zum Protest mit einem vielfältigen Programm auf. Um 16 Uhr werden sie an der Ruine des Uhrmacherhäusls in der Oberen Grasstraße 1 Abrissgeräusche an die Situation vor einem Jahr erinnern. Und weil die juristische Aufarbeitung des illegalen Abrisses des Denkmals wohl noch Jahre dauern wird, haben die Aktivisten das Verfahren ein wenig beschleunigt: Am Samstag werden sie die Geschichte nachspielen und beschleunigen - vom Skandalabbruch bis zur Verurteilung des Immobilienhais. „Es gibt keine Gnade, wenn die Zuschauer dem Urteil des Richters zustimmen“, verspricht Luible. Vorträge von Denkmalschützer Norbert Ott und Bund-Naturschutz-Chef Christian Hirneis runden das Programm ab.

MK

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