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Das Handwerkshäuschen in Schutt und Asche. 

Altes Haus in Giesing einfach platt gemacht

Kinofilm zeigt erstmals Bilder vom Abriss des Uhrmacherhäusls

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Der Schock sitzt noch immer tief, nicht nur bei den Giesingern. Kein halbes Jahr ist es her, da wurde über Nacht das alte Uhrmacherhäusl an der Oberen Grasstraße 1 plattgemacht.

Der Dokumentarfilmer Klaus Bichlmeier hat das Geschehen drumherum mit der Kamera verfolgt – und nun einen dramatischen Film daraus gemacht, der an diesem Sonntag erstmals im Kino läuft. Titel: „So gehds ned“.

„Für mich als gebürtigen Giesinger war das Thema Pflicht“, sagt der 70-Jährige. Von dem illegalen Abbruch habe er aus der Presse erfahren. Am 1. September 2017 war der Bagger angerückt – und das 180 Jahre alte Handwerkerhaus lag binnen Minuten in Schutt und Staub. Auftraggeber war ein Immobilien-Investor, die Stadt wusste angeblich nichts von dem Plan. Anwohner Michael Seitz, der den Abriss noch verhindern wollte, sagt im Film: „Ich bin hingelaufen, hab’ mich in das Hausloch gestellt und die Polizei gerufen.“ Es half alles nichts mehr.

„Was ich dort gesehen habe, hat mich erschlagen“

Szenen des Abrisses selbst sind in dem 30-minütigen Film erstmals zu sehen – gefilmt von einer 18-jährigen Anwohnerin. Vor allem aber handelt das Werk von den Giesingern, ihrer Wut, ihrem Zusammenhalt und der Konfrontation mit den Mächtigen. Ab der ersten Mahnwache Ende September war Bichlmeier vor Ort und interviewte Zeitzeugen. „Was ich dort gesehen habe, hat mich erschlagen“, sagt er. „Die Kulisse war unglaublich“ – das Loch in der Häuserfront, der Berg von Balken und Mauerwerk und dazu hunderte protestierende Menschen.“

Bauarbeiter versuchten Bichlmeier am Filmen zu verhindern. 

Frustrierender Höhepunkt, als die Stadt den Schutt abräumte, um das Material zu sichern: Der Bauleiter habe ihm vehement das Filmen verboten, die Hand vors Objektiv gehalten und die Polizei gerufen. Bichlmeier weigerte sich, sagte: „Das ist eine öffentliche Straße und im öffentlichen Interesse!“ Als die Beamten kamen, richtete er die Kamera nach unten, ließ sie aber weiterlaufen. „Die Tonaufnahme ist höchst amüsant“, sagt er. Von Platzverweis ist die Rede. Am Ende wurde er aber nicht verhaftet. Die Atmosphäre sei oft explosiv gewesen, erzählt Bichlmeier – etwa wenn Anwohner den Spider-Murphy-Hit vom Sperrbezirk zu „Skandal in Giesing“ umdichteten.

„Es ist ein hochspannender Dokufilm geworden“

Bichlmeiers Bilanz: „Es ist ein hochspannender Dokufilm geworden – und mein Beitrag, mit dem ich die Forderung der Initiative HeimatGiesing unterstütze, das Haus wieder aufzubauen.!“ Auch die Stadt pocht auf eine Rekonstruktion – doch zuvor müssen noch gerichtliche Auseinandersetzungen geführt werden, unter anderem mit dem Grundstückseigentümer und dem Abriss-Bauunternehmer.

Hier sehen Sie den Film

„So gehds ned“ läuft am Sonntag, 18. Februar, um 11 Uhr im KIM Kino (Einsteinstraße 42). Eintritt zehn Euro.

Christine Ulrich

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite

Giesing – mein Viertel“.

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