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Anwohner Wolfgang K. in der Pennstraße: Auch hier stehen Wohnungen leer.

Anwohner sind empört

Irrsinn in Obergiesing: Seit Monaten stehen hier 36 Wohnungen leer

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Die Wohnungsnot in München ist bekannt. Doch in Obergiesing stehen seit Monaten 36 Wohnungen leer. Für Anwohner ist das unverständlich. Der Eigentümer ist dazu noch der Bund. 

München - Häuserzeilen inmitten großer Grünflächen, viel Platz drumherum und Kaltmieten im Schnitt von etwa neun bis zehn Euro pro Quadratmeter: So sieht’s in der Ami-Siedlung am Perlacher Forst in Obergiesing aus. Bisher. Denn die Anwohner am südlichen Münchner Stadtrand machen sich Sorgen: 36 Wohnungen in der Anlage stehen leer, wie der Eigentümer, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) erklärt. Vorwurf der Anwohner: Der Bund will offenbar mehr Geld eintreiben von neuen Mietern!

Stehen die Wohnungen mit Absicht leer?  

Seit etwa zwei Jahren wohnt Wolfgang K. (58) in der Ami-Siedlung am Fasangarten. „In der Pennstraße stehen große Wohnungen seit Monaten leer“, sagt der Kundenberater einer Softwarefirma. „Das ist auffällig. Ich nehme an, das soll hier einer lukrativeren Vermarktung dienen“, ärgert sich der 58-Jährige. „Und das, obwohl der Bund doch laut Grundgesetz eine soziale Verantwortung hat!“

Seit 1953 gibt es die Ami-Siedlung am Perlacher Forst

Die Ami-Siedlung war 1953 am Perlacher Forst entstanden, nach dem Abzug der Amerikaner 1991 war zunächst die Bundesvermögensverwaltung und dann ab 2005 die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) zuständig. In der Ami-Siedlung gehören der BImA 1193 Geschosswohnungen, 35 Doppelhaushälften und drei Einfamilienhäuser.

Ein Ständchen für die Ami-Siedlung: Steve Cobey (l) und Bewohner Tom Majer.

Warum lässt der Bund die Wohnungen leerstehen?

Dass der Bund als Vermieter Wohnungen leerstehen lässt, darüber kann auch Thomas Majer, Chef der Bürgerinitiative Amisiedlung, nur den Kopf schütteln. „Aus eigener Erfahrung als ehemaliger BImA-Mieter weiß ich, dass die Wohnung unter uns über zwei Jahre leerstand und das weder verständlich noch angenehm war, besonders im Winter.“

Die BImA hatte ursprünglich vorgehabt, mehrere Gebäude anzureißen, wie sie selbst erklärt (siehe unten). „Die Bauvoranfrage wurde von der Stadt allerdings nicht genehmigt“, teilt die Behörde der tz mit. Thomas Majer: „Danach wurden etliche Wohnungen in drei Blöcken nicht mehr vermietet – und diese sind bis heute leider teilweise leerstehend.“

Weitere Leerstände würden damit begründet, dass man Reserve für Bund-, Land- und Stadt-Bedienstete brauche, so Majer. „Wir erhalten zur Zeit viele Anfragen von Leuten, die eine Wohnung suchen. Leider ist unser Draht zur BImA in diesem Fall nicht vorhanden …“

Leerstand trotz Wohnungsnot. Die Zukunftsaussichten machen auch Anwohnerin Sabine P. Sorgen: „Nach der umfangreichen Sanierung oder eventuell doch Neubauten gibt es bei uns keine Mieten mehr unter 13, 14 Euro pro Quadratmeter“, sagt die Betreuerin an einer Schule. Und tz-Leser Wolfgang K. stimmt zu: „Es ist schon traurig, dass ausgerechnet eine Institution, die dem Staat gehört, nicht dazu beiträgt, dass bezahlbarer Wohnraum in München zur Verfügung steht.“

Das sagt der Wohnungs-Eigentümer

Abriss, Leerstand, Mieterhöhungen? Die tz fragte nach beim Eigentümer der Wohnanlage, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben:

  • Zu den Plänen: Tatsächlich sei zunächst beabsichtigt worden, drei Gebäude abzureißen und dort Neubauten zu errichten. „Die Bauvoranfrage wurde von der Stadt allerdings nicht genehmigt. Über die weitere Vorgehensweise ist noch nicht entschieden worden“, heißt es.
  • Zum Leerstand: Zum heutigen Tag stehen 36 Geschosswohnungen in der Wohnanlage leer. Sechs Wohnungen davon werden derzeit renoviert. 15 befinden sich in den drei Gebäuden, die abgerissen bzw. saniert werden sollen, weitere 15 sind sofort vermietbar – davon ist eine Wohnung bereits anschlussvermietet zum 1. April 2018. Die restlichen 14 Wohnungen befinden sich im Gebäude 327, das erst zum 1. Oktober 2017 nach Grundsanierung fertiggestellt worden ist. Eine Vermietung erfolgt derzeit über einen beauftragten Makler.
  • Zu den Mieterhöhungen: Nachdem die Bauvoranfrage von der Stadt nicht genehmigt wurde, sei die weitere Vorgehensweise noch unklar. „Insofern kann die BIma auch noch keine Aussage zur Miethöhe nach der Sanierung treffen“, heißt es.
Der McGraw-Kaserne im Jahre 1997.


So viel Leerstand gibt es in der Stadt

Zum Stichtag 31.12.2016 gab es in der Stadt insgesamt 219 länger als sechs Monate leerstehende städtische Wohnungen, das sind 0,3 Prozent des gesamten städtischen Wohnungsbestandes von rund 70.000 Wohnungen, bzw. rund 0,03 Prozent bezogen auf den Gesamtbestand der Wohnungen von 780.194 Wohnungen in München. Beim weitaus größten Teil dieser leerstehenden Wohnungen handelt es sich um sogenannten baulich bedingten Leerstand, der infolge von Großmodernisierungsmaßnahmen unabdingbar ist und durch den mehr und zeitgemäßer Wohnraum geschaffen wird. Derzeit wird der Leerstandsbericht 2018 erstellt. Er soll dem Stadtrat im 1. Halbjahr 2018 vorgelegt werden.

Wohnungsnot in München

Der designierte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat den McGraw-Graben in Obergiesing für seinen Wahlkampf entdeckt hat. Sein Bauprogramm – 2000 Wohnungen für ganz Bayern – soll in der McGraw-Kaserne seinen Anfang nehmen.

In der Serie Ist das noch unser München? stand auch der gewaltige Umbruch im Münchner Norden und Osten im Focus. Mehr dazu lesen Sie hier

Martina Williams

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf derFacebook-Seite „Giesing – mein Viertel“.

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