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Sie arbeitete in einer Giesinger Kinderkrippe: Erzieherin Tanja S. (28) nutzte ihre Position gegenüber Kindern aus, um einen Mann zu gefallen.

Kindesmissbrauch

Kinderpornos in der Krippe - Urteil gegen Erzieherin, die sich selbst als Opfer sieht

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Sie waren ihr anvertraut – aber auch ausgeliefert. Zwölf Kleinkinder betreute Tanja S. (28) in einer Giesinger Krippe, von jedem zweiten nahm sie pornografische Bilder auf. Ein Kind missbrauchte die Erzieherin. Am Amtsgericht gesteht sie alles und stellt sich selbst als Opfer dar.

„Ich mache seit Monaten eine Psychotherapie“, sagt Tanja S. (28) auf der Anklagebank. „Das hilft mir, mehr Selbstbewusstsein aufzubauen.“ Sie fühle sich jetzt zum ersten Mal körperlich wohl, bewege sich mehr, esse gesünder und habe wieder mehr Vertrauen ins Leben gefasst. Tanja S. streicht sich durch die kurzen Haare. Sie wirkt befreit, als sie ihre aktuelle Situation schildert. Dabei hat die Erzieherin immense Schuld auf sich geladen: Im Oktober 2016 machte sie Nacktbilder von sechs Kleinkindern in einer Giesinger Krippe. Ein Kind hat sie zudem sexuell missbraucht. Für diese Taten muss sich S. vor dem Amtsgericht verantworten – und legt dort ein Geständnis ab.

Internet-Bekanntschaft fordert Abscheuliches 

„Ich habe zu einem ungünstigen Zeitpunkt einen Fehler gemacht“, sagt die Erzieherin. Zur Tatzeit sei sie seelisch instabil gewesen und habe oft im Internet gechattet. Dort habe sie sich in einen Mann verliebt. Das sollte den Kindern später zum Verhängnis werden – denn nachdem Nick P. (Name geändert) sich ihr Vertrauen erschlichen hatte, forderte er schnell perverse Dinge von der Erzieherin. „Er wollte, dass ich ihm die Nacktbilder schicke“, sagt S. „Ich erklärte, das geht nicht.“ Doch schließlich tat sie es doch – angeblich als Liebesbeweis. „Er sagte: ,Wenn du mich liebst, Schatz, dann schickst du mir das‘“, erzählt die Erzieherin. „Und ich sehnte mich nach seiner Akzeptanz.“

Erzieherin fotografiert Kinder im Genitalbereich

Es sind Momente, in denen das Zuhören wehtut. Denn auf der Anklagebank sitzt eine junge Frau, die massive Beziehungsprobleme hat. Einen Freund? Hatte sie nie. In der Schulzeit wurde sie gemobbt, musste deshalb sogar eine Ausbildung abbrechen. Allein die Eltern gaben Tanja S. Halt – und ihr Job in der Kinderkrippe. Diesen riskierte sie schließlich für den Mann, den sie nie zuvor gesehen hatte. Seine Nachrichten reichten aus, um ihre Sehnsucht nach Nähe zu stillen. Doch er nutzte ihr Liebesbedürfnis eiskalt aus. „Wir können uns nur lieben, wenn du mir diese Fotos schickst“, schrieb Nick P. in dem Chat. Da gab Tanja S. den Widerstand auf. Mit einer Kamera aus der Krippe fotografierte sie die Kinder über mehrere Tage hinweg im Genitalbereich. „Beim Wickeln oder auf der Toilette.“

Kinder waren hilflos ausgeliefert

Betroffen schüttelt Richterin Ines Tauscher den Kopf. „Haben Sie nicht gedacht, das ist ein Pädophiler?“ Tanja S. wird rot. „Das habe ich beiseitegeschoben“, stammelt sie. „Ich wollte es nicht wahrhaben und habe mich um den Finger wickeln lassen.“ Ein paar Wochen lang habe sie mit dem fremden Mann geschrieben, der angab, in Pasing zu wohnen. Tatsächlich lebte er hunderte Kilometer entfernt.

„Erst haben Sie leichten Widerstand geleistet und später dann eigene Ideen entwickelt, wie Sie an die pornografischen Bilder kommen“, rügt die Richterin und sagt: „Sie sind leider anfällig dafür, sich manipulieren zu lassen. Die Kinder waren Ihnen hilflos ausgeliefert. Ihre Stellung haben Sie gezielt für die geplanten Taten ausgenutzt.“

Verbreitung der Nacktfotos unüberschaubar

Wo die Nacktfotos überall gelandet sind, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Zum Entsetzen der Eltern. „Deren Vertrauen haben Sie gezielt ausgenutzt und dem Ansehen der Kita geschadet“, sagt die Staatsanwältin. 16 Monate auf Bewährung lautet am Ende das Urteil gegen Tanja S. „Ich kann es nicht wiedergutmachen“, sagt die Erzieherin und entschuldigt sich bei den Familien.

Lesen Sie auch: Kinderarzt wegen sexuellen Missbrauchs von 21 Jungen seit Jahren vor Gericht - neues Urteil

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