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Noch eine Vision: An der Tegernseer Landstraße soll wieder Münchner-Kindl-Bier gebraut werden.

Flächennutzungsplan muss geändert werden

Brauerei-Pläne von Münchner Kindl in Giesing Bier ausgebremst - doch jetzt mischt sich OB Reiter ein

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Das Planungsreferat pocht bei den Plänen für den neuen Münchner-Kindl-Bräu in Giesing auf dieÄnderung des Flächennutzungsplans – die sich Jahre hinziehen kann. Nun mischt sich OB Dieter Reiter ein.

  • Bei der geplanten Münchner-Kindl-Brauerei ist ein Jahr wegen der notwendigen Vorbereitungen verstrichen
  • Im Planungsreferat sieht man das Projekt positiv - dennoch muss zunächst der Flächennutzungsplan geändert werden
  • Nun will OB Dieter Reiter die Planungen beschleunigen

Update vom 14. Februar: Eigentlich sind sich alle einig - der Stadtrat, die Bezirksausschüsse, die Anwohner: Die neue Brauerei des Münchner-Kindl-Bräu, die auf dem 4000 Quadratmeter großen Gelände am Rande der ehemaligen Ami-Siedlung in Giesing geplant ist, soll kommen.

Doch das Planungsreferat pocht auf die Änderung des Flächennutzungsplans, die sich Jahre lang hinziehen kann (siehe Erstmeldung). Ein Unding, findet Gastronom Dietrich Sailer, der die Brauerei errichten lassen will und mächtig Wirbel gemacht hat, um der Verwaltung in dieser Causa Beine zu machen.

Jetzt hat sich der Oberbürgermeister in die Debatte eingeschaltet. „Ich finde die Idee, auf der bereits versiegelten Fläche einer ehemaligen Tankstelle eine Brauerei mit Gaststätte zu errichten, äußerst charmant“, so Dieter Reiter (61, SPD). Er habe das Planungsreferat beauftragt, „alles dafür zu tun, dass das Projekt schnellstmöglich genehmigt werden kann.“

Das zuständige Referat hatte jüngst verlauten lassen, dass eine Beschleunigung des Verfahrens nicht möglich sei. Ob die Brauerei-Pläne samt Gaststätte, Hopfengarten und Pferdekoppel nun doch früher als geplant realisiert werden können? Der OB gibt sich „zuversichtlich, dass es im Stadtrat eine breite Mehrheit dafür geben wird.“

Bescheid wegen Bauantrag für Brauerei kann sich wohl Jahre lang hinziehen

Erstmeldung vom 13. Februar:

München - Gastronom Dietrich Sailer muss wohl noch weitere eineinhalb Jahre warten, bis sein Bauantrag für eine Brauerei mit Gaststätte, Hopfengarten, Bienenwiese und Pferdekoppel überhaupt bearbeitet werden kann. Rund 2,5 Jahre – und damit länger als die Aufstellung eines Bebauungsplans – dauert in München die Änderung eines Flächennutzungsplans, wie die zuständige Mitarbeiterin des Planungsreferats, Uta Kirchhof, im jüngsten Bezirksausschuss (BA) Obergiesing erläuterte.

„Warum braucht eine Flächennutzungsplanänderung so lang?“

Bei der geplanten Münchner-Kindl-Brauerei ist ein Jahr bereits wegen der notwendigen Vorbereitungen verstrichen. Ende März soll die Angelegenheit nun dem Stadtrat vorgelegt werden, dann könnte die Änderung des über 4000 Quadratmeter großen Areals zum „Sondergebiet Brauerei“ im günstigsten Fall bis Sommer 2021 durch sein. „Warum braucht eine Flächennutzungsplanänderung so lang?“, fragte Joachim Lorenz (Grüne), immerhin vormaliger städtischer Umweltreferent. Der Plan gebe Ziele vor und binde nur die Verwaltung. Lorenz forderte von der Stadt, die Erlaubnis der Regierung von Oberbayern schon vorab einzuholen, aber wenigstens die Baugenehmigung schon parallel vorzubereiten. Schließlich wollten doch alle die Brauerei – der Stadtrat, die beiden Giesinger Bezirksausschüsse und die Anwohner. „Es wäre eine positive Entwicklung für das heute komplett versiegelte Gelände.“

„Eine Beschleunigung des Verfahrens gibt es nicht“

Sogar im Planungsreferat sieht man das Projekt positiv, wie der stellvertretende Chef der Lokalbaukommission, Thomas Rehn, zugab. Dennoch: „Eine Beschleunigung des Verfahrens gibt es nicht.“ Man werde alles ordnungsgemäß abarbeiten. Uta Kirchhof begründete die Dauer auch mit der Überlastung ihrer Abteilung. Bislang sei sie zusammen mit einem Mitarbeiter allein für Nutzungsplanänderungen zuständig gewesen, erst jetzt seien zwei weitere Mitarbeiter dazugekommen. Da sie sehr viele Verfahren bearbeiten müssten, müssten Prioritäten gesetzt werden. „Wie hoch ist das öffentliche Interesse an einem so kleinen Standort mit Brauerei gegenüber anderen Standorten mit vielen Wohnungen oder dem Schulbauprogramm?“

Grüne: Stadt hätte die jetzige Nutzung nicht dulden dürfen

Dass der Bau einer Autowaschanlage, die Gastronom Sailer nun als Alternative ins Auge gefasst hat, auf dem alten Tankstellengelände schneller umsetzbar wäre, verneinte Rehn. Mehr noch: „Für die derzeitige Nutzung auf dem Areal gibt es aus unserer Sicht keine Genehmigung.“ Der Bestandsschutz gelte nicht mehr, da die Zapfsäulen aufgegeben wurden. „Auch eine neue Tankstelle bräuchte eine Flächennutzungsplanänderung.“

Dann hätte die Stadt die jetzige Nutzung nicht dulden dürfen oder sogar unterbinden müssen, wunderte sich Lorenz. In der Genehmigung von 1971, die dem Münchner Merkur vorliegt, ist allerdings von einer „Service-Station mit Wasch- und Pflegehallen“ für „Werkstatt, Reifen- und Schmierdienst, Innenreinigung und Waschen“ die Rede. Laut Sailers Anwalt Benno Ziegler besteht damit dem Baugesetz zufolge Anspruch auf Erweiterung des Bestands.

Selbst wenn 1971 ein Fehler passiert sein sollte, führe dies nicht automatisch zur Erlaubnis einer Autowaschanlage, widersprach Stadtplaner Rehn im Bezirksausschuss. Zudem sei die Erlaubnis für die US-Tankstelle damals nicht auf Dauer ausgelegt gewesen. Von einer Frist ist in den Unterlagen allerdings nichts zu finden. Die Stadt hätte dafür ja vorausahnen müssen, dass sich die Amerikaner 20 Jahre später aus München zurückziehen.

Carmen Ick-Dietl

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