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Regt die Münchner auf: Das illegal abgerissene Haus an der Oberen Grasstraße in Giesing.

Thema im Bezirksausschuss

Nach unerlaubtem Abriss in Obergiesing: Wird das Häuserl wieder aufgebaut?

Für das Landesdenkmalamt ist das illegal abgerissene Handwerkerhaus in Giesing noch nicht ganz verloren. Denn es existiert noch der alte Keller und auch die Giebelwände sind noch sichtbar. Somit gäbe es einen Ansatz für den Wiederaufbau.

München - „Der Fall ist eine große Herausforderung“, gab Thomas Rehn von der Lokalbaukommission am Dienstagabend im Bezirksausschuss Obergiesing zu. Der Totalverlust eines Hauses, das sowohl als Einzeldenkmal als auch als Teil des Ensembles Feldmüllersiedlung unter Schutz stand – ohne jegliche Genehmigung –, sei „in dieser Dimension einzigartig“. Vorausgehende Begehungen, Anträge und Erlaubnisse für den Umbau des alten „Uhrmacherhäusl“ an der Oberen Grasstraße hätten in eine völlig andere Richtung gewiesen. „Das hatte eine gute Qualität.“ Das Ergebnis nun sei so tragisch wie beispiellos. Daher will die Stadt, auch unter Zwang, eine Wiedergutmachung erreichen – möglichst in Form eines Wiederaufbaus. Rehn: „Das hat es so in München noch nicht gegeben, das wird ein Präzedenzfall.“

„Streichen das Anwesen jetzt nicht aus der Denkmalliste“

Klar ist jedoch: Es wird allenfalls eine Kopie des früheren Denkmals. „Wir werden ebenfalls untersuchen, was wiederherstellbar ist“, erklärte Burkhard Körner vom Landesamt für Denkmalpflege. Gott sei Dank gebe es eine umfangreiche Dokumentation der Feldmüllersiedlung von der Fachhochschule München. Daher weiß Körner auch, dass in der Oberen Grasstraße Keller existieren. Zudem sind noch die Giebelwände sichtbar. Es sind also noch Reste da, „somit streichen wir das Anwesen jetzt nicht aus der Denkmalliste“.

Vielmehr wurde verfügt, dass die Trümmer noch nicht weggeräumt und gegen die Witterung geschützt werden müssen. Erst soll gesichtet werden, was hier wiederverwertbar wäre. Für Unverständnis sorgte in der Sitzung allerdings, dass die Stadt diese Sichtung offenbar dem Bauherrn übertragen will, also demjenigen, der das Haus abreißen ließ. Über das weitere Vorgehen in Bezug auf das Grundstück und mögliches Baurecht will Thomas Rehn nichts verraten. „Aus ermittlungstaktischen Gründen, damit die Gegenseite nicht entsprechend gegensteuern kann.“ Man wolle so auch bewusst dafür sorgen, „dass die, die damit zu tun haben, nicht ruhig schlafen können“.

„Da werden alle Register gezogen“

Im Planungsreferat habe man das Kriegsbeil ausgegraben, beteuert CSU-Stadtrat Michael Kuffer, der gesamte Stadtrat sei ebenfalls hellauf empört. „Da werden alle Register gezogen.“ Allerdings müsse sich die Behörde an Recht und Gesetz halten, ruderte Rehn ein wenig zurück. „Wir müssen uns jetzt mit der Materie auseinandersetzen, alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen und sehr sorgfältig überlegen, was wir machen“, so Rehn, „wir dürfen da keine Fehler machen, damit nichts ins Leere läuft.“ 

Derzeit laufen Anhörungen, vieles sei noch nicht klar. Zur Unterstützung der Aufklärung ist das Planungsreferat daher für Berichte und Dokumente von Augenzeugen und Anliegern dankbar. Auf jeden Fall will man Bußgelder möglichst in Maximalhöhe – 250.000 Euro für Missachtung des Denkmalschutzes, 500 000 Euro wegen Verstoß gegen die Bauordnung – durchsetzen. „Am Ende darf bei einem solchen Rechtsbruch kein Profit rausspringen.“ Es soll ein deutliches Signal werden, damit so etwas nicht noch einmal passiert.

Mahnwache und Demonstration geplant

Wie hoch die Emotionen, nicht nur in Giesing, sondern in ganz München kochen, zeigen 600 Unterschriften gegen den illegalen Abriss, die seit dem Wochenende gesammelt wurden und dem OB überreicht werden sollen. Zudem gibt es ab sofort jeden Freitagabend ab 18 Uhr eine Mahnwache der neu gegründeten Bürgerinitiative „Heimatgiesing“ vor Ort. Am Samstag ist ab 11 Uhr zusätzlich eine Demonstration am Tegernseer Platz geplant.

Lesen Sie auch:  Anwohner von Abriss-Haus wollen klagen: Auch der Stadt drohen Konsequenzen sowie  Nach illegalem Abriss in Obergiesing: Ist die ganze Siedlung in Gefahr?

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Giesing – mein Viertel“.

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

Carmen Ick-Dietl

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