+
Roland B. floh über die Pyrenäen - größtenteils zu Fuß.

2000 Kilometer vom Tatort entfernt gefasst

Stalker-Mord: Roland B. flüchtete zu Fuß über die Berge

  • schließen

Er soll seine ehemalige Partnerin heimtückisch getötet haben, danach fehlte von Roland B. monatelang jede Spur. Gefasst wurde er schließlich in Spanien. Unsere Zeitung enthüllt die irre Flucht.

München - Wird es die große Beichte nach der Pilgerfahrt? Die Staatsanwaltschaft hat jetzt Anklage wegen Mordes gegen Roland B. (45) erhoben. Gegen jenen Mann, der im vergangenen Sommer seine Ex-Freundin Tsin-ieh L. (†45) ermordet haben soll. Gegen jenen Mann, der danach drei Monate lang komplett vom Radar verschwunden war und schließlich in einer Pilgerherberge auf dem Jakobsweg in Spanien aufflog. Seit seiner Auslieferung im November 2016 sitzt der Architekt in Untersuchungshaft.

Tsin-ieh L. wurde getötet.

Zwischen dem Tatort und dem verschlafenen Nest Villadangos del Paramo liegen etwa 2000 Kilometer und ein gewaltiges Bergmassiv – die Pyrenäen. B. hat die Strecke größtenteils zu Fuß zurückgelegt, wie die tz erfuhr. Nachdem er seine Ex-Freundin nach jahrelangem Stalking am 16. August erstochen haben soll, verlor sich seine Spur am U-Bahnabgang Untersbergstraße (Giesing). In seiner Wohnung im Glockenbachviertel fanden Ermittler seine Klamotten. Auch sein Handy ließ er zurück. Weil bekannt war, dass B. leidenschaftlicher Wanderer ist, vermutete die Polizei, dass er in den Bergen untergetaucht sein könnte. Im Purtschellerhaus am Hohen Göll (Berchtesgaden) hatte B. bei Wirt Sepp König eine Übernachtung gebucht, war aber dort nie aufgetaucht. Auch die Fahndung mit Suchplakaten an Berghütten brachte keinen Erfolg – B. war wie vom Erdboden verschluckt.

B. wurde in Spanien geschnappt

Am 8. November die Sensation in Spanien: B. tauchte in einer Pilgerherberge auf, wie damals auch tz.de berichtete, wollte dort eine Nacht verbringen. Weil er per europäischem Haftbefehl gesucht wurde und bei der Anmeldung seinen Personalausweis vorzeigte, kamen ihm die spanischen Behörden auf die Schliche – der mutmaßliche Stalking-Mörder war gefasst!

„Zur Tat macht der Verdächtige keine Angaben“, sagt Staatsanwalt Florian Weinzierl. „Wir gehen aber davon aus, dass er die Frau heimtückisch und aus niederen Beweggründen getötet hat.“

Dafür soll B. bereits über seine Zeit auf der Flucht gesprochen haben. Insgesamt vier Wochen war er in den Pyrenäen unterwegs. Übernachtungsbelege wurden nicht gefunden. Wie er die Nächte in den Bergen verbracht hat, ist nicht bekannt. Es sei aber zu mehreren Begegnungen mit Menschen gekommen, bei denen B. Angst hatte, aufzufliegen. Das soll er Ermittlern erzählt haben.

Weinzierl: „Er war sich des Risikos bewusst. Wir haben es mit einem gebildeten Angeklagten zu tun.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wegen Stadtteilzentrum Freiham: FDP schreibt offenen Brief an OB Reiter
Der Bau des Stadtteilzentrums im neuen Stadtteil Freiham verzögert sich immer weiter. Nun schaltet sich die Stadtrats-FDP ein und fordert in einem offenen Brief an den …
Wegen Stadtteilzentrum Freiham: FDP schreibt offenen Brief an OB Reiter
S-Bahn: Probleme bei der S8 wegen Polizeieinsatz 
In unserem News-Ticker informieren wir Sie über Störungen auf Münchens S-Bahn-Linien. Am Donnerstagmorgen gab es eine Störung auf der Stammstrecke. 
S-Bahn: Probleme bei der S8 wegen Polizeieinsatz 
Er schubste einen Rentner (87) am Marienplatz in den Tod
Es war nur ein Rempler. Aber fest genug, um Josef P. (87) aus dem Gleichgewicht zu bringen. Sekunden später lag der Rentner am Bahnsteig – nach einigen Wochen im …
Er schubste einen Rentner (87) am Marienplatz in den Tod
Oktoberfest an Tag 6: Gestrickte Lederhosn und Highlife in den Zelten
Tag 6. Wir befinden uns in der ersten Woche des Oktoberfests 2017. Heute Morgen musste die Wiesn-Feuerwehr einen spektakulären Brand löschen. Unsere Reporter sind für …
Oktoberfest an Tag 6: Gestrickte Lederhosn und Highlife in den Zelten

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion