Okada Kanako (35) ­- Konditor-Meisterin

München - Ich bin beschämt. Abnehmen wollte ich - so hatte ich zum Jahresanfang an dieser Stelle getönt. Das Foto zeigt: Da hab' ich den Mund wohl zu voll genommen. Ich kann nichts dafür: Die Konditorei "Tanpopo" war zu verlockend. Aus der Vitrine lachen bayerische Käsekuchen und Cremetorten, aber auch: Grüne-Tee-Rouladen. Okada Kanako aus Japan schmeißt lächelnd den Laden.

Eine japanisch-bayerische Konditorei an der Erzgießereistraße! Das muss ich mir aus beruflichem Interesse ansehen. Ich frage Kanako: Wie goutieren die Alt-Münchner ihr Konzept? "Sehr gut. Sie sind neugierig." Freilich: es kommen mal befremdliche Fragen: Ob ihre Grüntee-Biskuits giftig seien. Oder wie Hund schmeckt. Sie lacht milde. "Hunde essen wir in Japan nicht." Aber der Gusto siegt bei Münchner Gourmets: "Viele wollen japanische Kuchen probieren. Dabei mache ich mehr bayerische." Sie ist ja nicht im Land des Lächelns Konditormeisterin geworden - sondern im Land des Datschi.

Toll. Was hat sie dazu bewegt? Sie lächelt. "Ein Erdbeerkuchen." Als Kind las sie über die fruchtige Versuchung aus Deutschland. "Das wollte ich kosten: unbedingt." Doch sie lebte im Fischerort Hamasaka. Die Eltern führten einen Kimono-Laden - der Mutter schmeckte Kanakos Fernweh wenig. Doch mit 21 lebte Kanako ihren Traum. Sie reiste dem Erdbeerkuchen nach: bis München. Drei Monate wollte sie bleiben. "14 Jahre sind's geworden." Beim Kosten blieb's nicht - sie hatte Zucker geleckt. "Ich wollte backen." Und wie! Sie wurde Konditorei-Praktikantin, Lehrling, Meisterin und: Kuchen-Virtuosin. Sie zaubert fotorealistische Marzipanrosen oder anmutige Geishas aus Zuckerguss. Sie buk im Café Ruffini. Und im Hotel Vier Jahreszeiten.

Welch eine Kuchen-Karriere! Macht's Spaß? "Und wie: Ich muss backen - wie ein Maler Bilder erschaffen muss. In jeden Kuchen stecke ich all meine Kraft." Sie denkt nach. "Ein Leben ohne Backen: unvorstellbar."

Und die Eltern: "Sind heute stolz. Wenn ich zu ihnen heimfahre, soll ich immer backen." Doch München ist längst auch Heimat für Kanako - privat ("Mein Mann ist Bayer") wie kulinarisch ("Ich liebe Bratwurst und Bier"). Sie kann es sich leisten, bei ihrer Figur. Gewisse Journalisten sollten da lieber zu grünem Tee greifen.

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