+
Eine Impression von Wiesn-Fahrgeschäften: Ältere Modelle müssen nicht alle modernen technischen Standards erfüllen.

Richter zweifelt neue DIN-Norm an

Fahrgeschäfte: Bestandsschutz für Wiesn-Oldtimer

München - Eine neue technische DIN-Norm hat für Entsetzen bei den Betreibern von Fahrgeschäften auf der Wiesn gesorgt. Mancher Schausteller fürchtete teure Ausgaben und sah seine Existenz gefährdet. Doch ein Münchner Richter stellte jetzt klar: Ältere Karussells und Fahrgeschäfte müssen nicht den modernen Standards genügen.

Bei Jung und Alt sind die traditionellen Fahrgeschäfte auf dem Oktoberfest beliebt. Einige der Attraktionen sind mittlerweile deutlich älter als die meisten Wiesn-Besucher. Das Karussell Krinoline zum Beispiel oder das Russenrad, das als Vorläufer der heutigen Riesenräder gilt, sind beide um die 100 Jahre alt. Der TÜV allerdings teilt diese bedingungslose Liebe der Wiesn-Gänger zu den historischen Fahrgeschäften nur bedingt.

Für Zoff zwischen TÜV und Schaustellern sorgte jetzt eine vor einigen Jahren neu eingeführte DIN-Norm. Wegen der sah der TÜV eine bundesweite Überprüfung aller betroffenen Fahrgeschäfte als nötig an. Andernfalls stünde die Genehmigung für den Betrieb auf der Kippe. Das Alter der Fahrgeschäfte und deren Erfüllung sonstiger TÜV-Standards spielte bei dieser Durchsetzung der DIN-Norm keine Rolle.

Dass die Schausteller darüber nicht glücklich waren, ist nicht weiter verwunderlich. Denn die Anpassung an die Norm war eine teure Prozedur. Kosten für Gutachten und eventuelle Nachbesserungen blieben an den Fahrgeschäftsbetreibern hängen. Der Deutsche Schaustellerbund schrieb deshalb bereits 2013: „Allein die Kosten dieser Prüftortur können für eine Vielzahl gerade kleinerer Betriebe existenzbedrohend sein. Resultieren daraus dann weitere technische Pflichten, bedeutet es für sie das Aus.“ Und auch die Veranstaltungsgesellschaft der Münchner Schausteller fand die Neuregelung nicht gelungen. Hier hieß es, viele Fahrgeschäftsbetreiber hätten bereits kostspielige Umbauten vorgenommen, die nicht unbedingt sinnvoll seien.

Das alles wollte sich ein Fahrgeschäft-Betreiber nicht gefallen lassen und zog gegen die erneute Begutachtung seines Karussells vors Münchner Verwaltungsgericht. In dem Verfahren wehrte er sich gegen die Anordnung, dass er sein über 20 Jahre altes und regelmäßig geprüftes Oktoberfest-Fahrgeschäft auch auf die Einhaltung der neuen technischen Standards begutachten lassen muss.

Der Richter gab dem Schausteller Recht und entschied: Für einen Entzug der Genehmigung nur aufgrund der neuen DIN-Norm fehle die rechtliche Grundlage. Auch zweifelte das Gericht an der Verhältnismäßigkeit der Anordnung. Somit gilt für Wiesn-Oldtimer Bestandsschutz.

Das Aufatmen bei den Oktoberfest-Schaustellern dürfte groß sein: Waren doch von den neuen Anforderungen rund 100 Fahrgeschäftsbetreiber der Wiesn betroffen.

Annika Schall

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare