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Mit Stock und Hund: Wirt Georg Heide (64) zieht es oft in die Berge.

Teil zwölf der großen Serie

Bräurosl-Chef Heide: Seine Welt sind die Berge

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Georg Heide (64) führt das Bräurosl-Zelt zusammen mit Frau Renate (62), Tochter Daniela (35) und Schwiegersohn Pascal (35). Beim gemeinsamen Familienurlaub geht es ab in die Berge. Immer mit dabei: Familienhund Toni.

München - Die Wiesn steht kurz bevor, doch schon jetzt steigt bei der Wirtefamilie Heide heimlich die Vorfreude auf die Zeit danach, genauer: auf die Herbstferien um Allerheiligen. Die Zeit im Jahr, in der die ganze Familie zusammen Urlaub machen kann. Denn dann liegt der Trubel des größten Volksfestes der Welt hinter ihnen – und der Weihnachtsstress, wenn die Firmenfeiern in ihrem Planegger Wirtshaus Heide Volm steigen, liegt noch in ausreichender Ferne.

Für den After-Wiesn-Erholungsurlaub packen Georg Heide (64) und seine Frau Renate (62) ihre Wanderstöcke – seiner mit Knauf, ihrer mit Schlaufen. „Das brauchen die jungen Leute ja noch nicht“, sagt Georg Heide und lacht. Ganz richtig: Tochter Daniela Heide (35) nimmt keinen Stecken mit, sondern Ehemann Pascal Heide-Nigg (35) und Sohnemann Xaver (7). Und natürlich den Toni! Einen Entlebucher Sennenhund, der seit fast drei Jahren fester Bestandteil der Familie ist. Auch in Planegg kennt man den Toni, sein Revier ist das Wirtshaus Heide Volm am dortigen S-Bahnhof.

„In der Natur kann man mal abschalten“

Mit Stock und Hund begibt sich Familie Heide also ins Gebirge. Das größtmögliche Kontrastprogramm nach 18 Tagen Halligalli auf der Wiesn. „In der Natur, an der frischen Luft, kann man mal abschalten“, sagt Renate Heide. Bei den Heides ruft allerdings streng genommen nicht der Berg, sondern die Wirtschaft, die oben lockt. Renate Heide sagt ganz ernst: „Das Ziel muss schon immer eine Hütte sein, sonst gehen wir gar nicht erst los.“ Ihr Mann nickt. Beide lachen.

Zur Belohnung nach dem Aufstieg gibt’s dann was Deftiges, etwa eine Speckknödelsuppe für den Großvater – „Ich bin halt kein Veganer“, sagt Georg Heide – und eine Brotzeit für die Großmama. Der einzig Süße in der Familie ist Enkel und Nachwuchs-Wirt Xaver. Der Siebenjährige mag gerne Kaiserschmarrn.

Meist fährt die Familie Heide ins Stubaital nach Österreich oder nach Südtirol, denn „da dauert der Herbst etwas länger“, wie Renate Heide sagt. Einmal wurden sie aber doch von schlechtem Wetter überrascht, es fing sogar an zu schneien. „Da hat der Wirt uns gefragt, ob wir Überlebenstraining machen“, erinnert sich Georg Heide.

Meist machen sie kurze Touren, die für alle Familienmitglieder gut zu bewältigen sind. Als Xaver noch kleiner war, hat Papa Pascal ihn beim Wandern auf die Schultern genommen. Ein hübsches Bild: Die Großeltern neben den Eltern, von oben winkt der Enkel und nebendran marschiert der treue Familienhund.

Es kam aber auch schon vor, dass er den Weg zu einer Hütte unterschätzt habe, gesteht Georg Heide. „Da sind wir dann fast auf allen Vieren angekommen, so erschöpft waren wir.“ Doch kaum durchgeatmet, kam ihnen schon der Hüttenwirt freudig entgegengerannt. Mit einem Tablett voll Schnaps in der Hand.

Blick ins Bräurosl-Zelt.

Das Zelt in Kürze

Bierpreis: 10,90 Euro

Die Brauerei: Hacker-Pschorr

Halbes Hendl: 11,40 Euro

Schmankerl: Geschmortes Lammhaxerl in Rosmarinjus mit Ratatouillegemüse und Püree für 19,50 Euro

Günstig essen: Montag bis Donnerstag (11.30 Uhr bis 14.30 Uhr, außer am 3. Oktober): täglich wechselnde Gerichte für 12,20 Euro, an Kindertagen Kinderschnitzel bis 16 Uhr (7,50 Euro).

Sitzplätze: 6500 Plätze im Zelt, knapp 2000 im Biergarten

Raucher: Keine Sonderregeln

Musik: Die Ludwig Thoma Musikanten spielen auf (Mo. bis Fr. 15 bis 19 Uhr und ab 20 Uhr, Sa. und So. 12 bis 14 Uhr, 15 bis 19 Uhr, ab 20 Uhr). Außerdem sorgen die Südtiroler Spitzbuam (Montag bis Freitag 12 bis 15 Uhr, 19 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 15 Uhr, 19 bis 20 Uhr) für Stimmung.

Die Wirtefamilie

Die Familie Heide führt die Bräurosl in dritter und vierter Generation: Georg Heide (64), Frau Renate (62), Tochter Daniela (35) und Schwiegersohn Pascal (35, unten v.l.). Georgs Opa, der ebenfalls Georg hieß, hatte das Zelt im Jahr 1936 übernommen. 17 Jahre später übergab er die Bräurosl an Sohn Willy – und kümmerte sich fortan nur noch um die Großgaststätte Heide-Volm in Planegg, die bis heute von der Familie geführt wird. Wiesn-Legende Willy Heide wurde 1985 Sprecher der Wiesn-Wirte. 2011 verstarb er im Alter von 91 Jahren. Zehn Jahre zuvor hatte er die Bräurosl an seinen Sohn Georg übergeben. Das Zelt hat übrigens seine eigene Kunstfirgur: na klar, die Bräurosl! Verkörpert wird sie von Karolin Weidner.

Teil 1 der Serie:So bereitet sich die Wirtin vom Löwenbräuzelt auf die Wiesn vor

Teil 2 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Weinzelt auf die Wiesn vor

Teil 3 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Festzelt Tradition auf die Wiesn vor

Teil 4 der Serie: So bereitet sich die Wirtin der Ochsenbraterei auf die Wiesn vor

Teil 5 der Serie: So bereitet sich der Wirt vom Armbrustschützenzelt auf die Wiesn vor

Teil 6 der Serie: Darum sind Hobbys der „Schönheitskönigin“-Wirte hilfreich für Vorbereitung

Teil 7 der Serie: Brüderliche Sportskanonen - Mathias und Ludwig Reinbold vom Schützenfestzelt

Teil 8 der Serie: Der Gipfelstürmer Thomas Vollmer von der Augustiner-Festhalle

Teil 9 der Serie: So bereiten sich die Wirte vom Hofbräuzelt auf die Wiesn vor

Teil 10 der Serie: Gemütlich unterwegs: Dieses Hobby hat Fischer-Vroni-Wirt Stadtmüller

Teil 11 der Serie:

So holt Winzerer-Fähndl-Wirt Pongratz Schwung für die Wiesn

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