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Strafverfahren gegen Wiesn-Wirt, Kellnerin außer sich: Alle Infos zum großen Bräurosl-Beben

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Von: Sascha Karowski, Phillip Plesch

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Bräurosl-Wirt Peter Reichert steht in der Kritik – Gäste bemängeln schlechte Stimmung und schlechtes Essen. Jetzt leiten auch noch die Lebensmittelkontrolleure der Stadt ein Strafverfahren ein.

München - Es ist sein erstes Jahr als Wirt eines der großen Wiesn-Zelte, die Premiere verläuft mehr als holprig. Peter Reichert, Wirt der Bräurosl, muss sich mit Kritik von Gästen herumschlagen: Da ist die Rede von schlechter Stimmung, schlechtem Essen, langen Wartezeiten. Dann gab’s Ärger wegen der Musik – das Konzept bayrische Blasmusik statt Stimmungsschlager passte nicht jedem Besucher. Die Kritik war so heftig, dass jetzt sogar die Kapelle abgelöst und das Programm geändert wird.

Und der Ärger reißt nicht ab. Nach Informationen unserer Zeitung werden die städtischen Lebensmittelkontrolleure ein Strafverfahren gegen Reichert einleiten. Das bestätigte am Mittwoch das für die Überwacher zuständige Kreisverwaltungsreferat. Dem Vernehmen nach sollen die Kontrolleure Verstöße hinsichtlich der Lagerung von Lebensmitteln sowie deren Weiterverarbeitung festgestellt haben.

Wiesn 2022 und der Bräurosl-Zoff: Probleme auch mit der Kühl-Überwachung

Dass ein Verfahren eingeleitet wird, ist Vorschrift. Es muss sich im Anschluss nicht zwingend eine Konsequenz ergeben – vorstellbar ist beispielsweise auch ein Bußgeld im Rahmen einer Ordnungswidrigkeit. Dennoch ist Musik drin. Der städtische Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner, der gleichzeitig auch Wiesn-Chef ist, kündigt ernste Gespräche an. Wirt Reichert selbst sagte unserer Zeitung: „Es ist uns leider passiert, dass die Kühlung ausgefallen ist. Jetzt ist der Elektriker jede Stunde da, um zu schauen, dass alles läuft.“ Und: Er werde nun eine Kühl-Überwachung einführen, wie es in modernen Betrieben üblich sei.

Bei anderen Kritikpunkten ist bereits was passiert – vorangegangen war ein Treffen mit den Bossen. Die Hacker-Brauerei, der das Zelt gehört, hatte auf die Vorwürfe reagiert und Reichert zum Rapport gebeten.

Krisengipfel in der Bräurosl: Kapellmeister Josef Menzl (li.), Peter Reichert mit seiner Partnerin Franziska Kohlpaintner und Brauerei-Boss Andreas Steinfatt (re.) bei der Pressekonferenz
Krisengipfel in der Bräurosl: Kapellmeister Josef Menzl (li.), Peter Reichert mit seiner Partnerin Franziska Kohlpaintner und Brauerei-Boss Andreas Steinfatt (re.) bei der Pressekonferenz. © Götzfried

Wiesn 2022: Bräurosl wechselt Band für die „Prime Time“ aus

Erste Konsequenz: Am Abend spielt jetzt eine andere Band, nämlich Erwin und die Heckflossen. Die Festkapelle von Josef Menzl steht nur noch tagsüber auf der Bühne. „Wir werden nicht ersetzt, sondern abends abgelöst“, betont Kapellmeister Josef Menzl. Denn: Gäste hatten sich beschwert – sie wollten mehr Wiesn-Hits und Schlager statt traditionell-bayerische Klänge. Menzl geknickt: „Man möchte nicht glauben, dass in einem bayerischen Bierzelt Blasmusik nicht ankommt.“ Eigentlich hätte die neue Bräurosl ein Bindeglied zwischen Oktoberfest und Oider Wiesn sein sollen, erklärt der Kapellmeister. Von dort komme Wirt Reichert immerhin auch. Diesen Versuch darf man als gescheitert betrachten.

Bräurosl-Zelt auf der Wiesn 2022: Ärger auch um die Einteilung der Bedienungen

Die Musik ist aus Sicht einiger Gäste allerdings nicht das einzige Problem. Auch über den Service gab’s Beschwerden. Die Rede ist von langen Wartezeiten und Schwierigkeiten bei der Organisation. Schon einen Tag vor dem Wiesn-Auftakt gab’s Ärger: Mehrere Bedienungen hatten hingeschmissen, weil sie sich bei der Einteilung der Bereiche ungerecht behandelt fühlten. Später wandte sich eine Kellnerin direkt an unsere Zeitung: Die Einteilung der Kellner sei willkürlich vorgenommen worden. Sie ist frustriert: „Ich bin eine sehr erfahrene Volksfest-Bedienung und verdiene null Euro im Biergarten, während Neulinge, die sichtlich überfordert sind, im Zelt ein Vermögen machen.“

Reichert und Lebensgefährtin Franziska Kohlpaintner entgegnen, es habe keine Willkür gegeben – man habe sich intensiv mit den Service-Mitarbeitern befasst und versucht, jedem Wunsch gerecht zu werden. Reichert erklärte sich am Mittwochnachmittag bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Dort sprach auch Brauerei-Boss Andreas Steinfatt. Er betonte: „Wir haben uns intensiv unterhalten. Das packen wir jetzt miteinander, das kriegen wir hin. Wir stehen hinter Peter und Franziska.“

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