Schlager-Star Werner Böhm alias Gottlieb Wendehals gestorben: Vermutung zu Todesursache

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Sozialarbeiter im Einsatz: An der Bavaria sprechen Patrick Pech und Claudia Otto mit einem Betrunkenen.

Hilfe für Wiesnbesucher in Not

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München - Das Oktoberfest hat nicht nur schöne Seiten: Jugendliche, die zu viel trinken. Sex-Täter, die übergriffig werden. Um Wiesnbesucher in Not kümmern sich Sozialarbeiter von verschiedenen Projekten. Wir haben sie auf Streife begleitet.

Der junge Mann liegt auf der Wiese neben der Bavaria. „Hallo, geht’s dir gut?“ fragen zwei Sozialarbeiter von der Suchthilfe Condrobs. Sie wollen sicherstellen, dass der junge Mann nicht bewusstlos ist und keine Hilfe benötigt. Die Sozialarbeiter sind mit zwei Kollegen von HaLT unterwegs, einem Alkoholpräventionsprojekt für Kinder und Jugendliche. Wie jeden Freitag und Samstag von 19 bis 23 Uhr.

Normalerweise kümmern sich die Condrobs-Sozialarbeiter auf der Partymeile in der Innenstadt um Jugendliche, das Team von HaLT sucht betrunkene Minderjährige in Krankenhäusern auf. Derzeit sind sie auf der Wiesn gefragt: Sie schlichten Auseinandersetzungen und helfen jungen Festbesuchern, die betrunken oder in anderen Schwierigkeiten sind. Meist haben sie eine Zusatzqualifikation als Deeskalationstrainer.

Der junge Mann an der Bavaria ist ansprechbar, auch seine Freunde sind in der Nähe. Claudia Otto und Lisa Hartmann protokollieren das Gespräch: Geschlecht, Alter, Zeit, Ort und Zustand. Mit einer Taschenlampe begeben sie sich in die dunklen Ecken abseits des Festgeländes. „Wir wollen vermeiden, später zu merken, wir hätten etwas verpasst“, erklärt Siegfried Gift, Abteilungsleiter von Condrobs.

Nicht nur schlafende Betrunkene gehören zur Klientel der Condrobs- und HaLT-Mitarbeiter. Oft gebe es Männer, die den Zustand betrunkener Mädchen ausnutzten, um sie zu begrabschen, sagt Frederik Kronthaler von Condrobs. „Das passiert öfter als man denkt.“ All dem will Condrobs entgegenwirken. Vor allem auf dem Hügel hinter dem Hacker Festzelt gibt es für das vierköpfige Team oft etwas zu tun. Am Freitagabend liegt dort ein eng umschlungenes junges Paar. Dem Mädchen scheint die Situation nicht ganz so angenehm zu sein. Oder doch? Um Situationen aus verschiedenen Perspektiven beurteilen und entsprechend eingreifen zu können, setzen sich die Teams immer aus Frauen und Männern zusammen. Einige Momente beobachten die Sozialarbeiter die Lage. Alles in Ordnung.

„Die Wiesn ist sicher“, sagt Kronthaler. Das liege vor allem an der Prävention. Denn zusätzlich zu den Sozialarbeitern auf Streife bietet Condrobs den Dienst „WiesnGentleman“ an. Mit Flyern und Lebkuchenherzen ausgerüstet, sprechen Condrobs-Mitarbeiter am Wiesn-Eingang am Esperantoplatz Passanten an, erinnern sie, ihre Grenzen zu erkennen und die Grenzen anderer zu wahren.

Um Wiesnbesucherinnen in Not kümmern sich auch die Mitarbeiterinnen der Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ im Servicezentrum hinter dem Schottenhamel. Schnell und einfühlsam. Hier finden Mädchen und Frauen Hilfe, die ihre Freunde, Handys oder die Orientierung verloren haben. Auch in Fällen von Gewalt oder sexuellen Übergriffen sind die Sozialpädagoginnen und die ehrenamtlichen Helferinnen zur Stelle – bis ein Uhr nachts.

In der ersten Wiesnwoche haben 129 Frauen und Mädchen den sogenannten Security Point aufgesucht. Fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Das liegt nicht etwa daran, dass es heuer mehr Delikte gibt: „Unser Angebot ist inzwischen bekannt“, sagt Alexandra Stigger. Polizei, Bayerisches Rotes Kreuz, aber auch Bedienungen und Ordner bringen Frauen zum Security Point, wenn ihnen auffällt, dass sie in Schwierigkeiten sind.

Meist sind die Betroffenen völlig aufgelöst. Weil sie aus dem Ausland stammen und die Adresse ihres Hotels nicht mehr wissen. Oder weil ihr Partner sie nach einem Streit alleine stehen gelassen hat. Kommt Alkohol dazu, kann das Panik auslösen. 81 Mal mussten die Fachfrauen vom Security Point in solchen psychischen Krisen helfen. 33 Mal kümmerten sie sich um betrunkene Frauen. Drei Frauen suchten Hilfe, weil sie sexuell belästigt wurden.

Insgesamt 21 Mal wurde der kostenlose Fahrdienst in Anspruch genommen, den die Aktion jenen bietet, die nicht mehr in der Lage sind, den Heimweg allein zu meistern. Oder die ihr Geld verloren haben. „Auf dem Heimweg passiert oft mehr als auf der Wiesn selbst“, sagt Stigger. Heuer hat die Isarfunk Taxizentrale ersmals Gutscheine spendiert. Ein Zeichen dafür, dass die Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ Anerkennung findet. Auch die Wiesnwirte sehen eine Bereicherung der Wiesn in dem Engagement: Sie haben der Aktion heuer ihren Ehrenpreis verliehen.

Von Andrea Steiler und Bettina Stuhlweißenburg

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