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Legte sich mit Brauerei-Bossen an: Gabriele Weishäupl, hier auf einem Karussell.

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So wollte Weishäupl den Wiesn-Bierpreis dämpfen

München - Drei Jahrzehnte lang war Gabriele Weishäupl (67) Wiesn-Chefin. Über diese Zeit hat sie ein Buch geschrieben, das Anfang September erscheint. Wir durften schon jetzt darin blättern – und verraten heute in der dreiteiligen Serie, wie sie gegen Wildbiesler vorging.

Gabriele Weishäupl über den Bierpreis

„Einmal hatte ich, im kleinen Kreis, laut überlegt, ob es nicht gut für die Wiesn wäre, wenn man den Prinzen Luitpold von Bayern und seine Kollegen von den Umlandbrauereien zulassen würde. Zum Beispiel wegen der Preisdämpfung beim Bier. Bereits am nächsten Morgen stand ein zürnender Beauftragter der Münchner Brauereien bei mir im Büro und fragte mich, ob es denn wahr sei, was man gehört habe. Es war nur ein Gedankenspiel gewesen.

Ich wandte mich einem anderen Gedankenspiel zu, einer Umsatzpacht auf dem Oktoberfest. In Abstimmung mit Oberbürgermeister Kronawitter hatte ich eine Umsatzpacht auf dem Christkindlmarkt eingeführt, die gute Ergebnisse zeitigte. Auch das Tollwood-Festival arbeitet mit diesem Modell. (...) Ich ließ also mein Festleitungsteam eine Berechnung erstellen mit zwei Prozent vom Bierumsatz als Pachtzins. Allein das hätte uns gereicht, um die Sicherheitsauflagen und Infrastrukturmaßnahmen auf der Theresienwiese zu stemmen.

Da ich in meiner jahrelangen Praxis eine Diskrepanz zwischen den Ausschankzahlen, die uns die Wirte angaben, und den Brauereiangaben an das Kreisverwaltungsreferat feststellte, erwärmte ich mich auch für den Einsatz elektronischer Kassen, die die Ausschankziffern direkt an uns weitergeben könnten. (...) Ich leitete meinen Vorschlag an den Wirtschaftsreferenten weiter. In dem Papier regte ich auch an, den Wirten und Brauereien eine Werbepauschale abzuverlangen, wenn sie Radio- und Fernsehstationen in ihren Zelten für Liveübertragungen beherbergten. Denn hier würde eine kostenlose Bierwerbung stattfinden. Keiner der beiden Referenten, die auch Wiesnreferenten waren, konnte oder wollte meine Vorschläge umsetzen. Das ist mir bis heute ein Rätsel, zumal auch das Revisionsamt die mäßige Ertragslage der Stadt bei einem Milliardenunternehmen wie der Wiesn monierte.“

Hier geht's zu Teil I: Gschichten von der Wiesn-Dirigentin Gabriele Weishäupl

Gabriele Weishäupl über das Kartenspiel

„Eines Tages kam Bräurosl-Wirt Willy Heide, Sprecher der Wiesnwirte, in die Festleitung und schwenkte aufgeregt ein Päckchen: ,Schau, Gabi, was i da für dich hab!’ Es war das Wiesnkartenspiel. Der Willy packte es aus: ein bayerisches Kartenspiel, geeignet für Schafkopf und Watten, das verschiedene Protagonisten des Oktoberfestes in der Darstellung durch Karikaturisten zeigte. Ich war immer schwach im Schafkopf, aber stark beim Watten. Sofort schaute ich nach dem Herzkönig und rief: ,I bin der Max!’ Beim Watten ist der Herzkönig der höchste Trumpf und wird im Kartenspielerjargon einfach ,der Max’ genannt. (...) Das war schön, dass mich der Willy zum Max gemacht hatte. Er hatte mit seiner Agentur das wunderbare Kartenspiel entwickelt. (...) Glück hatte ich nur gehabt, dass der Willy nicht auf die Idee gekommen war, mich mit einer anderen Ehre zu bedenken: Das Eichelass ist ebenfalls ein hoher Trumpf, heißt aber bei den Kartenspielern ,die Oide’ oder die ,Oachel-Sau’. (...)

Ich habe bereits in frühester Kindheit gewattet. (...) In der Klosterschule bei den Englischen Fräulein in Passau wurden mir einmal Wattkarten abgenommen, weil ich dabei ertappt worden war, wie ich im Physikunterricht mit meiner Freundin spielte.“

Gabriele Weishäupl über’s Bieseln

„Ich hatte bemerkt, dass die meisten Männer auf der Wiesn sich nicht an den hierfür vorgesehenen Orten, sondern irgendwo im weiten Rund erleichterten. (...) Als sich ein Wiesnbesucher eines Tages direkt unter meinem Fenster erleichterte, war das auch dem Chef der Veranstaltungsabteilung zu viel. Empört riss er das Fenster auf und rief: ,Was soachst denn du da hin, du Saubär, du dreckiger! Schaamst di du net? Hier is eine Dame herin!’ (...)

Die Dame beschloss, sich dem Thema zu widmen, und erreichte bundesweite Berühmtheit mit ihren Einlassungen zum ,wilden Bieseln’ und der Aufnahme in die Oktoberfestverordnung als Ordnungswidrigkeit, strafbewehrt. Ich sprach in alle Mikrofone und Kameras vom ,wilden Bieseln’ und dass das eine Sauerei sei und ein typisch männliches Vergehen.(...) Auf Schaustellersitzungen wurde ich unter dem Gegröle der Männer gefragt, wie ich ,wildes Bieseln’ übersetzen würde. Ich tat es beherzt: ,Verrichten der Notdurft außerhalb der dafür vorgesehenen Einrichtungen’ (...)

Bei der Sicherheitspressekonferenz des KVR-Referenten Hans-Peter Uhl kam es beim Thema ,Städtische Abortanlagen’ zum Showdown. Der gestrenge Herr berichtete vor der Lokal- und Weltpresse, dass besagte Anlagen, die in meiner Verantwortung stünden, die allerdreckigsten seien. Man könne nicht hineingehen, ohne dass es einem grausen würde, und man müsste sich als Stadt schämen. Dann deutete er auf mich und rief: ,Waren Sie schon einmal in diesen Anlagen, Frau Weishäupl?’ Alle blickten auf die Frau im Dirndl mit dem roten Kopf (...)

Ich beschloss, die geschmähten Anlagen zu besichtigen. Begleitet vom Abteilungsleiter und seinem Stellvertreter schritt ich wie ein General die Pissorte für die Herren ab.(...) Ich ordnete an, dass die rostigen Pissrinnen ausgewechselt und die Örtchen verschönert werden sollten.(...) Ein Triumph war die Errichtung einer neuen Anlage an der sogenannten Entlastungsstraße. (...) Über den KVR-Referenten, der mich vor laufenden Kameras als unfähige Hüterin der Aborte hingestellt hatte, erfuhr ich, dass er von seinen Frauen immer "Fips" genannt wurde. Flugs verbreitete ich diese Bezeichnung bei allen mir bekannten Journalisten. Da er als anerkannter Hardliner und Sicherheitsexperte später im Bundestag saß, hielt ich das für ein nettes Aperçu.“

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