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Launig derbleckt Richard Süßmeier als Bedienung Maria beim Starkbier-Anstich im Augustiner-Keller.
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In Napoleon-Pose: Noch heute wurmt Richard Süßmeier der Verlust seines Armbrustschützenzelts.
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Zum Verhängnis wurde dem Wiesnwirt seine kabarettistische Pressekonferenz, auf der sich Richard Süßmeier (li.) als Peter Gauweiler verkleidete und seinen Schankkellner aus einem Hendl drei halbe machen ließ.
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Als Napoleon verkleidete sich Richard Süßmeier an seinem 50. Geburtstag. Erstmals trug er den Zweispitz im Fasching beim Schnallenball.

Ex-Wiesnwirt feiert Geburtstag

Zum 85.: Glückwunsch, Herr Süßmeier!

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München - Er ist der Napoleon der Wirte und ehemalige Sprecher der Wiesnwirte. Richard Süßmeier wird am Samstag 85 Jahre alt. Bilder aus seinem bewegten Leben.

Selbstbewusst, geistreich und risikofreudig – Richard Süßmeier ist ein Mann mit Schneid. Einer, der sich auch mit Obrigkeiten anlegt, ohne Angst, den Kürzeren zu ziehen. 1984 wird ihm das zum Verhängnis: Noch während der laufenden Wiesn verliert er seine Konzession und übergibt das Ambrustschützenzelt, das er mehr als 25 Jahre lang geführt hatte, an einen Nachfolger. Es ist das Ende einer Ära – aber nicht einer Legende. Denn noch heute ist Süßmeier ein gefragter Redner. Derbleckt zum Beispiel jedes Jahr als Bedienung Maria beim Starkbieranstich im Augustiner Keller. Am Samstag wird er 85 Jahre alt.

„Ich bleibe den ganzen Tag in der Nähe vom Telefon“, erzählt er. Schließlich erwartet der legendäre Gastronom viele Anrufe von Gratulanten. „Die wollen sicher nicht auf den Anrufbeantworter sprechen.“ Ansonsten laufe der Tag ab wie sonst auch. Mit einer Ausnahme: Süßmeier bereitet eine Rede vor, die er auf seiner Geburtstagsfeier am Sonntag in der Gaststätte Großmarkthalle hält. In der Gaststätte mit den besten Weißwürsten Münchens war er von 1962 bis 1968 Wirt. Auch wenn sich Süßmeier bescheiden gibt – „I red hoid“ – dürfen die Gäste eine amüsante und hintersinnige Ansprache erwarten. Schließlich ist Süßmeier für sein kabarettistisches Talent bekannt.

1930 als Sohn des Wirts vom Straubinger Hof am Viktualienmarkt geboren, träumt Süßmeier früh davon, Wiesnwirt zu werden. Es gelingt. 1958 zapft er erstmals auf dem Oktoberfest an. Seinerzeit war das Armbrustschützenzelt alles andere als eine Goldgrube. Vielmehr eine windige Baracke, die zur Hälfte von Schützen genutzt wurde und daher gar nicht für die Gastronomie zur Verfügung stand. Sieben Jahre schuftet Süßmeier, dann brummt das Geschäft.

Bis er sich 1984 mit dem damaligen Kreisverwaltungsreferenten Peter Gauweiler anlegt. Gauweiler hatte den Wiesnwirten unterstellt, schlecht einzuschenken. Süßmeier lädt zu einer Pressekonferenz, für die er ein halbes Hendl in ein Huhn einnäht und sich mit angeklebtem Schnurrbart als Gauweiler verkleidet. Sein Schankkellner zerlegt das Huhn – und Süßmeier ruft den Journalisten zu: „Der Süßmeier macht nicht nur aus einer Mass drei Halbe. Der macht sogar aus einem Hendl drei halbe!“ Obendrein hängt er in seinem Zelt Plakate auf mit dem Konterfei des Kreisverwaltungsreferenten und der Zeile: „Gauweiler is watching you!“

Gauweiler schäumt. Und schickt Süßmeier Kontrolleure ins Zelt. Irgendetwas muss sich doch finden lassen, um den selbstherrlichen Wirt in die Knie zu zwingen! Tatsächlich arbeiten 23 Aushilfskräfte schwarz. Es ist das Ende von Süßmeiers Wiesn-Karriere.

Auch wenn man ihn auf dem Oktoberfest nicht mehr trifft – im Augustiner-Keller derbleckt er kommendes Jahr wieder, sofern es ihm gut geht. Na, dann: Auf die Gesundheit!

 

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