Modetrend auf der Wiesn: Hauptsache Blumen

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Egal ob groß oder klein, aus Seide oder Plastik: Hauptsache Blüten. Viele Wiesnbesucherinnen kombinieren ihr Dirndl mit diesem Kopfputz der romantischen Art. Dabei stammt der Blumenkranz aus einem Kontext, der mit dem Oktoberfest gar nichts zu tun hat.

Egal ob groß oder klein, aus Seide oder Plastik: Hauptsache Blüten. Viele Wiesnbesucherinnen kombinieren ihr Dirndl mit diesem Kopfputz der romantischen Art. Dabei stammt der Blumenkranz aus einem Kontext, der mit dem Oktoberfest gar nichts zu tun hat.

Die Exfreundin des britischen Prinzen Harry, Cressida Bonas, schmückte ihr Haupt anlässlich einer Hochzeit mit einem Blumenkranz. Supermodel Alessandra Ambrosio zeigte sich damit beim Karneval in Sao Paulo, US-Schauspielerin Kirsten Dunst beim Filmfestival in Cannes, Schauspielerin Cosma Shiva Hagen sowie Musikerin Lena Meyer-Landrut auf Facebook. Auch auf dem berühmten Coachella-Musikfestival in Kalifornien zierten Blüten beinahe jedes weibliche Haupt – ein Trend geht um die Welt.

Und das nicht erst seit gestern: Bereits vor zwei Jahren lancierten Modeschöpfer den romantischen Kopfputz. Inzwischen trägt ihn jedermann. Bei Familienfesten, Hochzeiten, dem Chiemsee Reggae Summer – und freilich auch auf der Wiesn. Zwar ist das Oktoberfest eine Welt der Tracht, aber allgemeinen Modetrends kann es sich trotzdem nicht entziehen. Vor allem dann nicht, wenn sie so gut zum Dirndl passen wie der Blumenkranz.

In anderen Kulturen ist der eindrucksvolle Kopfputz Bestandteil der Tracht. Etwa in Mexiko. Berühmtes Beispiel: Die Malerin und Vertreterin des volkstümlichen Surrealismus Frida Kahlo. Auch zur ungarischen Tracht gehören Blumenkränze. Hier gilt: Je größer, desto schöner. Beim alljährlichen Trachten- und Schützenzug am ersten Wiesn-Sonntag tragen die Teilnehmerinnen aus Ungarn Blumenkränze, die geradezu an Blumengestecke erinnern. Tatsächlich handelt es sich dabei meist um frische Blumen. Auch die Hippies bevorzugten frische Blumen – zu wallenden Batikkleidern und Jesuslatschen. Sie griffen den folkloristischen Kopfputz bewusst auf – als Ausdruck eines friedlichen Zusammenlebens der Völker.

Die Gründe der Wiesnbesucherinnen sind freilich profaner. „Ich habe meinen Kranz auf einem Mittelalter-Festival in Lissabon im Juli gekauft und dabei gar nicht an die Wiesn gedacht“, erzählt die 25-jährige Julia Drexel. „Aber ich finde, der Kranz sieht auch hübsch zum Dirndl aus.“ Ihr Kopfschmuck à la Burgfräulein ist aus getrockneten Blumen.

Anders als der von Katharina Wiemes. Die Chefin des Café Mohrenkopf auf der Wiesn entschied sich für Seidenrosen. „Ich habe mir meinen Blumenkranz in Polen anfertigen lassen. Ich wusste gar nicht, dass das Trend ist“, erzählt sie.

Tatsächlich sind Blumenkränze dort auch kein Trend, sondern gehören traditionell zur Tracht. Wiemes wird von ihren Gästen ständig auf den hübschen Kopfschmuck angesprochen. „Ich habe meine polnische Bekannte beauftragt, noch mehr davon anzufertigen. Aber das ist Handarbeit, das geht nicht so schnell“, sagt sie.

Blumenkränze, die in Handarbeit angefertigt werden, zählen zu den teuersten. Die Preisspanne ist groß – sie reicht von ein paar Euro für Haarreifen mit Plastikblumen bis zu 300 Euro für Designer-Modelle.

Die US-Amerikanerin Melissa Bushey hat sich für eine preiswertere Variante entschieden, die eine Verkäuferin im Schützenzelt feilbot: „In Kalifornien sind die Kränze gerade wahnsinnig angesagt“, erzählt die 28-jährige Bankerin. „Dort trägt man sie zu Shorts und Tanktop oder auch einfach zum Bikini.“ Zwar habe sie auch einen Blumenkranz aus ihrer Heimat mitgebracht, aber auf der Wiesn einen weiteren gekauft: „Ich wollte ein Souvenir. Außerdem kann man als Frau gar nicht genug Blumenkränze haben“, sagt sie lachend.

von Bettina Stuhlweissenburg

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