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Internet-Empfehlung für Homosexuelle löst hitzige Diskussion aus: Ist die Wiesn schwulenfeindlich?

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Von: Julian Limmer

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Oktoberfest
Das Oktoberfest in München. © Tobias Hase/dpa

Im Internet kursiert die Empfehlung für Homosexuelle, auf dem Oktoberfest „zurückhaltend zu sein“. Die Website löst damit eine heftige Diskussion über die Wiesn aus.

München - Müssen homosexuelle Paare auf der Wiesn vorsichtiger sein als Heteros? Dazu rät zumindest ein Eintrag auf der Internetseite oktoberfestportal.de. Homosexuellen Oktoberfest-Besuchern wird darin empfohlen, „ein bisschen zurückzuhaltend zu sein“ (siehe folgender Kasten).

Der umstrittene Eintrag existiert bereits seit einigen Jahren – doch jetzt hat er im Netz wieder für viel Kritik gesorgt. Vermutlich, weil das Oktoberfest dieses Jahr wieder stattfindet, auch wenn noch unklar ist, ob es Corona-Regelungen auf der Wiesn geben wird.

Oktoberfest: Große Verärgerung nach Empfehlung zur „Zurückhaltung“

Auch Wiesn-Stadträtin Anja Berger (Grüne) ist verärgert: „Ich halte die Tipps für völlig daneben und feindlich gegenüber der LGBTQ-Community“, sagt sie. Außerdem sehe sie darin das ganze Oktoberfest verunglimpft: „Ich habe die Wiesn immer als sehr tolerant erlebt.“ Niemand müsse auf dem Fest seine Sexualität verbergen. Berger stört vor allem, dass das Portal den Anschein erwecke, ein offizielles Wiesn-Portal der Stadt zu sein. Dabei wird die Webseite privat betrieben. Sie wolle nun prüfen lassen, welche Möglichkeiten bestehen, um den Eintrag zu löschen.

Auch bei einigen prominenten Münchnern aus der schwulen Community stößt der Eintrag auf Ablehnung: „Wenn es solche Tipps nur für Schwule und Lesben gibt, dann finde ich das diskriminierend“, sagt der Wirt des Hotels Deutsche Eiche, Dietmar Holzapfel. Er selbst habe sich auf der Wiesn bisher immer sicher gefühlt.

Video: Oktoberfest 2022 in München - Wiesn ganz ohne Corona-Regeln?

Ist die Wiesn schwulenfeindlich? Website-Betreiber melden sich zu Wort

Die Betreiber von oktoberfestportal.de können den Wirbel um den Eintrag nur bedingt verstehen und verweisen auf den Autor. Es handelt sich um den schwulen Journalisten und Aktivisten Bernd Müller aus München. Er würde den Text mittlerweile zwar vorsichtiger formulieren, sagt er, aber er bleibe dabei: „Man kann sich auf der Wiesn nicht auf die Toleranz der Besucher verlassen!“ Vor allem wenn Alkohol im Spiel sei, sinke die Hemmschwelle für Übergriffe.

SPD-Stadtrat Christian Vorländer, der selbst offen schwul lebt, sieht das Problem. Allerdings findet auch er die Tipps irreführend: „Ich schätze den Autor sehr, aber ich will mich auf der Wiesn wegen meiner Sexualität doch nicht verstecken.“ Anstatt gefährdete Gruppen zur Zurückhaltung aufzurufen, solle man lieber auf Prävention setzen. Darin stimmt er mit Anja Berger überein: Sie denke bereits über Wiesn-Kampagnen nach, um Homosexuelle besser zu schützen.

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