Oktoberfest 2015, Wiesn, Tisch, Reservierung
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Ausgebucht: Wer abends einen Wiesn-Tisch will, kann heuer nicht mal versuchen, sich zu bewerben.

Wirte beklagen neue Regeln

Wiesn-Tische reservieren? Nichts geht mehr!

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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München - Ausgebucht, bevor das Reservierungsverfahren begonnen hat? Das ist 2015 auf der Wiesn der Fall. Kein großes Zelt hat abends und am Wochenende Plätze frei. Jetzt will sich Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) der Sache annehmen.

Die Damen vom Reservierungsbüro des Hackerzelts haben noch gar nicht angefangen, die Anfragen für das Oktoberfest 2015 entgegenzunehmen – doch schon jetzt ist klar: Für die Abende und Wochenenden können voraussichtlich keine Tische reserviert werden. Auch Löwenbräu- und Augustinerzelt, Bräurosl, Ochsenbraterei und Schottenhamel bieten bestenfalls Mittagstische an.

Schon immer wurden erst die Stammgäste – meist Firmen – von den Wiesn-Wirten bedient. Blieben dann noch Tische übrig, kamen Privatkunden zum Zug. So blieb ein wenig Hoffnung, einen der begehrten Abendtische zu ergattern. Aber heuer können Abend- und Wochenendtermine nicht einmal mehr angefragt werden. Die Online-Reservierungsformulare erlauben, wenn überhaupt, nur Anfragen für die Mittagswiesn. Was ist da los?

Wiesn-Wirte geben neuen Regeln für Reservierungen die Schuld

Die Wirte sagen, das liege an den Reservierungsregeln, die seit 2013 gelten. Tatsächlich müssen deutlich mehr Plätze reservierungsfrei bleiben, seit der Stadtrat auf Vorschlag von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) die Reservierungsregeln geändert hat. Die Zahl der Plätze, die nicht vorgemerkt werden dürfen, orientiert sich seither an der Gesamtzahl der Plätze – und nicht mehr am Mittelschiff der Zelte. Auf diese Weise will es der Stadtrat den Münchnern leichter machen, auch ohne Vormerkung auf die Wiesn zu gehen. Wer schon mittags kommt, kann davon profitieren. Denn er kann sitzenbleiben anstatt wie früher für die Abendreservierung aufstehen zu müssen.

Wer allerdings erst gen Abend in größerer Runde einen launigen Wiesn-Besuch plant, hat an den meisten Tagen auch mit den neuen Regeln kaum Chancen auf einen Tisch – und will reservieren. Das geht aber nicht, weil die Wirte die knapperen Tische jetzt komplett an ihre Stammgäste vergeben. „Es ist leichter, jemandem von vornherein zu sagen, wir haben keinen Platz, als einem Stammgast zu sagen, dass er keinen Platz mehr kriegt“, sagt Wiggerl Hagn, Senior-Chef im Löwenbräuzelt. Hagn ist kein Freund der seit 2013 geltenden Regeln: „In die Oper oder ins Fußballstadion geht man mit zehn Leuten auch nicht ohne Reservierung.“ Zudem sei es in der Gastro-Branche unüblich, Gäste abzuweisen. „In der Hirschau kämpfe ich um jeden Gast. Auf der Wiesn muss ich ihnen sagen: Bitte kommt nicht!“ Das war mit den alten Regeln freilich auch nicht anders. Hagn hofft, dass sich die Situation kommendes Jahr entschärft: „Das sind Wellen. Es geht nicht jedes Jahr gleich zu.“

Wiesn-Wirte: Fahrgeschäfte haben von Abend-Reservierungen profitiert

Auch Hackerzelt-Chef Toni Roiderer macht nicht allein die Reservierungsregeln für die Situation verantwortlich. „Ich habe heuer fast 2000 Plätze weniger, weil die Brauerei sie braucht.“

Doch die Reservierungsregeln haben aus Sicht der Wirte einen weiteren Haken: „Bis zur Änderung entstand durch den Reservierungswechsel ein reges Kommen und Gehen, was den Fahrgeschäften und anderen Beschickern des Oktoberfestes zu Gute kam“, sagt Ochsenbraterei-Chefin Antje Schneider. Jetzt bleiben die Gäste hocken, haben sie erst einmal einen Platz ergattert. Unter den Wirten gibt es Stimmen, die sagen, dass die Regeln demnächst auf den Prüfstand kommen. Denn die Stadt habe das Problem erkannt.

Schmid will Problem mit Reservierungen auf dem Oktoberfest prüfen

Tatsächlich sagt Wiesn-Chef und Bürgermeister Josef Schmid (CSU): „Ich bin gerne bereit, mir darüber Gedanken zu machen.“ Schmid will nicht ausschließen, dass die Reservierungsregeln im interfraktionellen Arbeitskreis Ende April thematisiert werden. Vorrang hätten dort aber die Mindestabnahme bei Reservierungen sowie die Änderung des Bewertungssystems für die Zulassung von Wiesn-Wirten.

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