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Der Himmel der Bayern bleibt, doch die Chefstühle werden vertauscht: Künftig führt Sohn Thomas (36) das „Hackerzelt“ auf der Wiesn. Die Eltern Toni und Christa Roiderer agieren ab 2016 im Hintergrund. 

Serie: Die Großen Wiesn-Wirte

Alles neu im Hackerzelt

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München - Im Jahr 2016 wird das Hackerzelt komplett umgebaut - Toni Roiderer bleibt Wirte-Sprecher, Sohn Thomas übernimmt die Leitung des Zeltes.

Toni Roiderer (71) liebt markige Sprüche. Nie ist er um einen Spruch verlegen. Das ist sein Markenzeichen. Der Wirt vom Hackerzelt gibt sich gern humorvoll, das hat er sich von seinem Vater abgeschaut, „der hat auch immer einen launigen Spruch auf den Lippen gehabt“. Auch von Wirte-Legende Richard Süßmeier habe er diesbezüglich einiges gelernt: „Ein Wirt muss ein guter Schauspieler sein.“ Ganz sanft wird Roiderer nur, wenn’s um die Familie geht. Sein Sonnenschein ist Enkel Toni (17 Monate). Da kommt es schon mal vor, dass der Wirt die Hektik im Zelt um sich herum vergisst, das Handy zückt und ein Filmchen von Toni junior zeigt. Ganz der stolze Opa.

Die Familie hält zusammen. Nach dem Tod von Sohn Markus im Jahr 2011 – der damals 33-Jährige erlag einem Gehirntumor – ist man noch näher zusammengerückt. Das Hackerzelt wie auch der „Gasthof zum Wildpark in Straßlach“ werden als Familienunternehmen geführt. 2016 übernimmt Sohn Thomas (36) den Chefsessel im Hackerzelt, seit sechs Jahren ist er bereits offizieller Wiesn-Wirt. Er bringt nicht nur jede Menge Erfahrung mit, er hat sich auch schon das Sprüche-Klopfen von seinem Vater abgeschaut.

„Wir teilen uns die Aufgaben, nur dass Thomas dann mehr macht“, sagt Toni Roiderer. Die Eltern stehen weiter hinter ihm, Sohn Thomas agiert im Vordergrund. Den nächsten Pachtvertrag mit der Brauerei wird schon er unterschreiben.

Das Stühlerücken im Zelt hat jedoch keine Auswirkungen auf den Posten als Wirte-Sprecher: „Freiwillig trete ich nicht zurück“, kündigt der 71-Jährige an. „Da brauchst du einen, der mutig ist und auch mal unangenehme Wahrheiten sagt.“ Und das sei er: „Ich bin kein Revoluzzer“, das ist ihm wichtig, „aber ein Kämpfer für die Sache“. 2002 hatte Toni Roiderer die Nachfolge vom verstorbenen Willy Heide angetreten.

Toni Roiderer, der Kämpfer. Für zufriedene Gäste. Unter seiner Regie hat sich die Küche im Hackerzelt gemausert, Roiderer ist stolz auf seine Speisekarte. Wenn er mittags auf der Empore steht und runter in die Bierhalle blickt, sagt er zufrieden: „Das war früher um diese Uhrzeit nicht so rappelvoll. Jetzt kommen die Leute nicht nur zum Feiern, sondern vorher schon zum Essen.“ Seit 1989 betreibt Toni Roiderer das Hacker-Festzelt auf dem Oktoberfest. Es gehört mit 9240 Sitzplätzen zu den größten Wiesnzelten und ist berühmt für seinen „Himmel der Bayern“ an der Decke.

An diesem Markenzeichen soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Der „Himmel der Bayern“ bleibt, ebenso die drehbare Bühne für die Musik, „die gibt es sonst nirgendwo auf der Wiesn“, sagt der Wirt stolz. Der Rest ändert sich im kommenden Jahr: Die Festhalle soll entzerrt werden, die Gänge werden breiter, kündigt Roiderer an. Geplant ist auch eine umlaufende Empore. „Edi Reinbold hat mit seinem neuen Schützenfestzelt eine gute Messlatte vorgegeben.“ Das Wandbild an den Seiten soll plastischer werden, in die Empore eingearbeitet werden.

An Details werde noch getüftelt, doch so viel ist sicher: Es wird innovativ. Das mag der Senior-Chef, das hat er einst schon mit seinem Cabrio-Dach gezeigt: Per Knopfdruck verschwindet ein Teil des Daches, so kommt Frischluft ins Zelt und die Besucher können den echten Himmel der Bayern sehen.

Wichtig ist den Roiderers, die zusammen mit der Brauerei die Pläne für das Zelt entwickeln, dass die Atmosphäre im Zelt erhalten bleibt. Es soll ein Bierzelt im besten Sinne bleiben („Das passt auch zu uns.“), in dem sich die Münchner und die Bayern wohl fühlen. Das Hacker wird auch in Zukunft kein Schickimicki-Zelt – „die Promis dürfen gerne woanders feiern“. Hier soll das Volk feiern und sich wie im Himmel der Bayern fühlen. Dann ist Roiderer glücklich.

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