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Münchens Oberbürgermeister Reiter hat am Samstag nur zwei Schläge für den Anstich gebraucht. 

So geht´s 

Die Kunst des Anzapfens auf dem Oktoberfest

München - Am Samstag hieß es um 12.00 Uhr wieder "O´zapft is!" und so einfach wies klingt, ist das Anzapfen gar nicht. Außerdem wird OB Reiter heimlich dafür trainiert.

Der Anstich auf dem Münchner Oktoberfest ist ein festes Ritual. Das Anzapfen des ersten Fasses Bier und das sehnlich erwartete „O'zapft is“ zur Eröffnung obliegt dem Oberbürgermeister. Das Zeremoniell wird live im BR-Fernsehen übertragen - und der Rathauschef muss dabei eine gute Figur machen. Wie viele Schläge er braucht, ist tagelang Stadtgespräch - und kann sein Ansehen durchaus mitprägen.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat schon bei seiner zweiten Wiesn im vergangenen Jahr ebenso wie heuer nur zwei Schläge gebraucht - rekordverdächtig. Denn der einzige OB, der zuvor das Anzapfen mit zwei Schlägen schaffte, war Reiters Vorgänger Christian Ude (SPD). Er kam als erster OB 2005 mit zwei Schlägen aus - aber er brauchte dazu etliche Jahre und zahlte Lehrgeld: In seinem ersten Amtsjahr 1993 ertönten „Aufhören, Aufhören“- Rufe - sieben Schläge.

Um derartige Blamagen zu vermeiden, trainierte Ude dann vor dem Fest. Anzapftrainer ist seit Jahrzehnten der erfahrene Brauer Helmut Huber. Er coachte schon den früheren OB Georg Kronawitter und betreut auch Dieter Reiter. Begründet hat das Anzapf-Ritual 1950 Oberbürgermeister Thomas Wimmer. Er brauchte 19 Schläge.

Begrifflichkeiten des traditionellen Anzapfens

Zur Dienstkleidung gehört beim Anstich der grüne oder lederne Schaber, ein Schurz, der ursprünglich als Arbeitsschutz für die körperlich schwer beschäftigten Schankkellner galt. Das girlandengeschmückte Fass beim Anzapfen heißt der Hirsch mit einem Fassungsvermögen von 200 Litern, benannt nach dem gleichnamigen Tier. In den Händen hält der OB den Schlegel und den Wechsel. Der Schlegel ist jener runde Hammer aus Hartholz, mit dem das Zapfwerkzeug aus Messing, genannt der Wechsel, ins Fass getrieben wird. Das entsprechende Loch im Fass wird Schredel genannt.

Der Könner hält während der Schläge den Ring zum Aufdrehen des Wechsels mit dem Daumen fest. Grund: Die Drehvorrichtung zum Herauslassen des Bieres könnte durch den Druck herausgeschleudert werden - eine Bierfontäne wäre die Folge.

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dpa

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