+
Zum Abschied knallte es noch einmal: Auf den Stufen zur Bavaria schossen die Böllerschützen gestern ihren Salut.

183. Oktoberfest

Wiesn-Bilanz: „Die Gäste fühlten sich sicher“

  • schließen

München - Das 183. Oktoberfest endete, wie es begonnen hatte: regennass und kühl. Doch auch in den sonnigen Tagen dazwischen war weit weniger los als in den Vorjahren. Die Stadt spricht von einer Wiesn „wie früher“ – und nennt eine Besucherzahl, die erstaunt.

17 Tage Wiesn-Wahnsinn in der Stadt – nun ist es erstmal wieder geschafft. Was bleibt: der Eindruck, dass es heuer ruhiger zuging als sonst. „Es war entspannt, locker, so wie es die Münchner lieben“, sagte der Wiesn-Chef und Zweite Bürgermeister Josef Schmid (CSU) gestern bei der Präsentation der Abschlussbilanz. Die Besucherzahl: 5,6 Millionen Gäste sind nach Schätzung der Festleitung auf das Oktoberfest gekommen. Mancher vermutete da spontan, die Stadt habe die Zahl nach oben korrigiert.

5,6 Millionen ist zwar die niedrigste Besucherzahl seit dem Jahr 2001, in dem der Anschlag auf das World Trade Center viele Menschen verunsichert hatte. Dennoch erscheint die Zahl verhältnismäßig hoch, wenn man bedenkt, dass im Vorjahr 5,9 Millionen Besucher kamen. Heuer nur rund 300.000 weniger? Das kann sich in der Tat kaum einer vorstellen, der regelmäßig auf dem Festgelände war. Die Schaustellerstraßen waren spärlich besucht, die Zelte selten wegen Überfüllung geschlossen. Oder, so schreibt die Stadt: Sie seien „offen für Zelt-Hopping“ gewesen.

Sicherheit

„Unser Sicherheitskonzept war absolut richtig“, sagte Schmid. Neuerungen wie der Zaun, das Rucksackverbot und die Einlasskontrollen hätten sich bewährt. „Im Großen und Ganzen fühlten sich die Gäste sicher.“ Nachbessern jedoch wolle man beim Einlass der Mitarbeiter und Schausteller. Auch die Polizei zog Bilanz. Sprecher Marcus da Gloria Martins sagte: „Die Zahl der Einsätze ist zurückgegangen, aber nicht so, wie wir es uns gewünscht hätten.“ So gab es zwar weniger Körperverletzungen (311; 2015: 389), insbesondere weniger Masskrugschlägereien (42; 2015: 52), dafür jedoch mehr Sexualdelikte (31; 2015: 21), darunter auch eine Vergewaltigung: Am ersten Wiesn-Freitag wollte sich eine 30-jährige Studentin aus Australien am „Kotzhügel“ erleichtern. Zuvor hatte sie laut Polizei ihren Freund verloren und war mit einer Gruppe Männer mitgegangen. Einer von ihnen zerrte sie in ein Gebüsch und vergewaltigte sie dort. Die Polizei nahm einen 23-jährigen Wiesbadener fest, der als dringend tatverdächtig gilt.

Bilder: Der Knaller-Abschluss an der Bavaria

Die Polizei hatte auf der Wiesn zudem mit erheblich mehr Widerstand zu kämpfen. „Die Klientel, mit der die Kollegen in Berührung kamen, zeigte sich deutlich aggressiver“, sagt da Gloria Martins. Insgesamt verzeichnet die Polizei 2120 Einsätze, annähernd so viele wie im Vorjahr (2136).

Rotes Kreuz

Viel zu tun gab es auch für die 2096 ehrenamtlichen Rotkreuz-Sanitäter und 168 Ärzte: Sie versorgten 6992 Wiesnbesucher und -mitarbeiter (2015: 6478). Vier Patienten mussten wiederbelebt werden, 593 wurden wegen übermäßigen Bierkonsums behandelt.

Essen und Trinken

Der Bierkonsum ist im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent zurückgegangen, berichten die Wirte. Die genaue Zahl, wie viel Bier die Gäste tranken, verschwiegen sie heuer. Zieht man die Zahl aus dem Vorjahr heran – 7,2 Millionen Mass – dürften es jedoch rund 6,1 Millionen Liter gewesen sein. Guten Appetit hatten die Besucher dennoch: Sie verspeisten 58 Kälber – sieben mehr als im Vorjahr – und 109 Ochsen (2015: 122).

Souvenirs

Großer Beliebtheit erfreute sich der Hendl-Hut, den fleißige Verkäufer in den Zelten für rund 30 Euro an die Besucher brachten. Noch während der Wiesn mutierten die wackelnden Kopfbedeckungen quasi zu einer Rarität: Der Container, der Nachschub bringen sollte, kam nicht. „Der hängt wahrscheinlich immer noch irgendwo in den Weltmeeren fest“, sagte Schmid. Auch unerlaubte Souvenirs waren wieder hoch im Kurs: 96.000 Bierkrüge nahmen die Ordner Besuchern ab, die sie an ihnen vorbeischmuggeln wollten. Schmid: „Man kann die Krüge auch kaufen, aber es scheint ein Sport zu sein, die Krüge aus den Zelten zu klauen.“

Wiesnhit

Das Rennen um den Wiesnhit hat heuer laut Angaben der Stadt „Hulapalu“ von Andreas Gabalier gemacht – ein Lied, das auch jeder Tourist mitsingen konnte. „Ham kummst“ von Seiler und Speer landete knapp auf dem zweiten Platz, sagte Bürgermeister Schmid.

Fundstücke

Das wohl kurioseste Stück im Oktoberfest-Fundbüro: eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung – für die Dauer der Wiesn. Aber auch zwei Romane „Nie wieder Blondinen“ mit Widmung gingen verloren und landeten dort. Ingesamt: 2915 Fundstücke.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

tz-Wiesn-Madl 2018: Jetzt bewerben!
Zum 185. Münchner Oktoberfest suchen wir das tz-Wiesn-Madl 2018. Vor 20 Jahren gab es die erste Wahl. Wirst du unser tz-Wiesn-Madl 2018? Bewirb dich jetzt und sag auch …
tz-Wiesn-Madl 2018: Jetzt bewerben!
tz-Wiesn-Madl 2018: Das sind die Preise!
tz-Wiesn-Madl 2018! Der Titel ist bereits ein fantastischer Preis, zusätzlich versüßen die Mercedes-Benz Niederlassung München, Daller Tracht und exklusiv im 20. Jahr …
tz-Wiesn-Madl 2018: Das sind die Preise!
Wiesn 2018: Die offiziellen Preislisten sind da - wo kostet die Mass wie viel?
Nach monatelangen Diskussionen um den Bierpreis auf dem Oktoberfest, steht nun fest, was die Mass auf der Wiesn 2018 kosten wird. Hier finden Sie eine Übersicht der …
Wiesn 2018: Die offiziellen Preislisten sind da - wo kostet die Mass wie viel?
„Kultur-Fuchzgerl“ für Oide Wiesn - Wer profitiert von den 50 Cent eigentlich? 
Die Bilanz für die Oide Wiesn sah zuletzt alles andere als rosig aus. Dabei geben die Wirte für das Kulturprogramm eine Menge Geld aus. Nun will die Stadt München etwas …
„Kultur-Fuchzgerl“ für Oide Wiesn - Wer profitiert von den 50 Cent eigentlich? 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.