Um knapp zwei Millionen Euro

Weil sich die Stadt offenbar verkalkuliert hat, könnte Wiesn-Bier richtig teuer werden

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Seit 2017 müssen die Wiesn-Wirte die Stadt München an ihren Einnahmen beteiligen. Weil sich die Stadt dabei verkalkuliert habe, müssen wohl die Wiesn-Besucher dafür büßen.

München - Im vergangenen Jahr hat die Stadt München erstmals eine Umsatzpacht für die Wiesn-Wirte gefordert. Zuvor gab es nur fixe Standgebühren für die Oktoberfest-Zelte, aber vor allem wegen der gestiegenen Kosten für die Sicherheit, müssen die Wirte seit 2017 die Stadt an ihren Einnahmen beteiligen.

Stadt verkalkuliert sich - mit Folgen für die Wiesn-Besucher

Offenbar hat sich die Stadt bei ihren Berechnungen vertan. Das Wirtschaftsreferat hatte laut der Süddeutschen Zeitung knapp 8,6 Millionen Euro an Einnahmen durch die Umsatzpacht prognostiziert, stattdessen flossen in die Stadt-Kasse aber nur etwa 6,9 Millionen Euro. Das bedeutet eine Differenz von 20 Prozent, die bei den Sicherheitsabgaben für die Wiesn 2018 nun fehlen werden. Geht man von ähnlichen Sicherheitskosten wie 2017 aus, müsste die Umsatzpacht laut des Berichts von 5,1 Prozent auf sieben Prozent erhöht werden.

Im Umkehrschluss könnte das heißen, dass die Wirte diese Kosten an die Wiesn-Gäste weitergeben werden: Die Bier- und Essenspreise werden wohl wieder anziehen und laut des Berichts der SZ vermutlich mehr als bisher üblich. Im vergangenen Jahr bekam man die Mass noch für unter elf Euro. Diese Marke wird 2018 offenbar geknackt, durch die Umsatzlücke könne mit einer Steigerung von mehr als die gewohnten 30 Cent gerechnet werden. Eine Mass könnte 2018 schätzungsweise also 11,50 Euro kosten.

Mehrjahresvergleich wird herangezogen

Bürgermeister Josef Schmid (CSU), der als Wirtschaftreferent zugleich auch Wiesn-Chef ist, sagt, er könne die genauen Werte nicht bestätigen. „Wir haben noch keine endgültigen Zahlen.“ Schmid erklärte zugleich, die Stadt müsse bei der Wiesn immer im Mehrjahresvergleich ausgeglichen dastehen. Heißt: Wenn bei dem ein oder anderen Posten die nächsten Jahre gespart wird, kann die Rechnung auch mit einer niedrigeren Umsatzpacht noch aufgehen.

Die Umsatzpacht für die Wiesn-Wirte (5,1 Prozent vom Nettoumsatz) ist im 2016 eingeführt worden. In der Vergangenheit mussten die Wirte für ihre Zelte eine Gebühr nach Quadratmeterzahl bezahlen. Grund für die Umsatzpacht waren die gestiegenen Ausgaben für die Sicherheit auf der Wiesn. Der Stadtrat war von 172 Millionen Euro Umsatz bei großen und kleinen Wiesn-Wirten ausgegangen. Dabei könnte er sich verkalkuliert haben.

Stellvertretender Wiesnwirte-Sprecher nimmt Stellung

Christian Schottenhamel, Vize-Sprecher der Wiesnwirte, sagte der SZ am Mittwoch: „Ich kenne die genauen Zahlen nicht, aber es gibt wohl eine Differenz zwischen der Schätzung der Stadt und der Realität.“

Wirtesprecher Peter Inselkammer äußerte sich zu der Frage, wie die Finanzierungslücke geschlossen wird, wie folgt: „Die Frage kann ich zum jetzigen Zeitpunkt schwer beantworten.“ Und weiter: „Aber es ist in der Marktwirtschaft grundsätzlich so, dass höhere Kosten zu höheren Preisen führen.“

Die Wiesn-Wirte wählten im vergangenen November ihren neuen Sprecher. Peter Inselkammer übernahm den Posten von Toni Roiderer und Christian Schottenhamel wurde sein neuer Stellvertreter.

lay, wei

Rubriklistenbild: © dpa / Karl-Josef Hildenbrand

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