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Reporter auf dem Campingplatz: Severin Heidrich und Kathrin Braun stoßen an auf eine Nacht in der Zeltstadt. Zu diesem frühen Zeitpunkt des Abends war es noch trocken, dann setzte der Regen ein.

Zeltstadt mit Herz

Supermarkt, Trachtenshop und Holzhütte: Eine Nacht auf dem Wiesn-Campingplatz

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Das Oktoberfest findet nicht nur auf der Theresienwiese statt. Auf einer Fläche halb so groß wie die Wiesn entsteht in Riem eine Zelt- und Wohnwagenstadt. Unsere Reporter haben dort eine Nacht verbracht.

München - Schon an der Ausfahrt Feldkirchen West der A94 blinken Schilder: Oktoberfest-Camping steht da. Der Freiluftteil des Messegeländes, etwa halb so groß wie die Wiesn, verwandelt sich Ende September für zweieinhalb Wochen in eine Zelt- und Wohnwagen-Stadt. 15 Euro pro Person kostet ein Stellplatz mit Strom. Günstiger kommt man wohl nur weg, wenn man für ein Oktoberfest nicht München braucht und sich stattdessen mit dem Besuch eines Oktoberfestablegers, etwa in Weisbach an der Rhön, zufrieden gibt.

Jürgen (57) und Dennis (42) wollten das nicht: „Eigentlich fahren wir jedes Jahr zusammen nach Mallorca“, sagt Jürgen und zieht zwei Flaschen Bier aus dem Wohnwagen-Kühlschrank. „Jetzt habe ich gerade eine Trennung hinter mir. Da dachten wir uns: Machen wir halt mal Oktoberfest.“ Bis Samstag bleiben sie, jeden Tag fahren sie 20 Minuten zur Theresienwiese. „Ich kenne mich ganz gut aus, war ja schon öfter hier“, sagt sein Spezl Dennis. In Gütersloh sind sie Arbeitskollegen. Der Wohnwagen gehört Jürgen, er beansprucht das größere Bett. Das Bier teilt er.

Oktoberfest 2019: Campingplatz ist gut ausgestattet

Der Campingplatz ist funktional eingerichtet: zwölf Querstraßen, 33 Parzellen für Wohnmobile und Wohnwägen, zwischendrin oft keine drei Meter Platz. Auf acht Rasenflächen schlägt man sein eigenes Zelt auf. Hat man keins dabei, stehen Hunderte bereits aufgebaute Zelte bereit. Direkt am Eingang gibt es einen Supermarkt, einen Laden, in dem sie Trachten verkaufen, und eine Holzhütte. Hier rennen zu Spitzenzeiten zwölf Bedienungen mit Masskrügen umher. Heute ist keine Spitzenzeit. Es ist kalt, es gießt in Strömen. Immerhin: Bis 24 Uhr gibt es Gulaschsuppe.

Draußen unter dem Vordach der Hütte sitzt eine Gruppe junger Leute, die Spanisch miteinander spricht. „Wir sind aus Uruguay“, erklärt Lucia (24). Das Oktoberfest sei nur eine Station auf ihrer Weltreise. „Vor drei Monaten sind wir mit 300 Mann aufgebrochen.“ Zusammen lasse man sich die Laune auch von schlechtem Wetter nicht so schnell vermiesen.

Die Uruguayerin Lucia (2.v.l.) und ihre Freunde sind auf Weltreise.

Oktoberfest 2019: Campingplatz eine Sammelstelle für viele Nationen

Als das Personal wenig später die Gulaschsuppe wegräumt und die Uruguayer von der Terrasse fegt, wird der Regen zu Nieselregen. Auf dem Campingplatz ist dennoch nicht viel los. Italiener, Niederländer, Kieler, Saarbrücker, Barnimer – fast alle haben die Türen geschlossen, die Standheizungen an. Buntes Licht der TV-Geräte strahlt durch die Gardinen.

Sören (18) nippt an einem Glas Cola-Korn. „Versuchen wir es morgen noch mal“, sagt er. Im Arm hält er Alana (26). Er habe die Australierin auf der Wiesn kennengelernt und dann festgestellt, dass sie beide auf dem Campingplatz wohnen. Wo sie heute schlafen, wissen sie noch nicht. Klar ist nur: Morgen ist wieder Wiesn.

Die Australierin Alana (2.v.l.) hat Sören (3.v.l.) auf der Wiesn kennengelernt.

Im Internet machten Bewertungen zu einem kostenlosen Campingplatz in Schwabing die Runde, die Wildcamper anlockten. Das gefiel den Anwohnern nicht. Einem anderen Wiesn-Besucher dürfte sein Heimweg nicht gefallen haben, der länger und beschwerlicher war, als er es vermutet hätte.

Video: Single oder nicht? Das verrät die Dirndl-Schleife auf dem Oktoberfest

Kathrin Braun und Severin Heidrich

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