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Die Oktoberfest-Wirte verzeichnen heuer vor dem Wiesn-Start mehr Reservierungen als in den Vorjahren.

Reservierungszahlen gehen hoch

Oktoberfest boomt - Wiesn-Wirte freuen sich: „Heuer wird’s eine Super-Wiesn!“

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    Johannes Heininger
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Die Münchner wird‘s teilweise gefreut haben - die Wirte eher nicht. Nach zuletzt eher schwächeren Besucherzahlen dürfte sich der Aufwärtstrend bei der Wiesn in diesem Jahr wieder fortsetzen.

München - Die Besucherzahlen auf der Wiesn: für die Wirte und die Stadt zuletzt kein Grund für Jubelschreie. Während in guten Jahren die Sieben-Millionen-Marke schon mal erreicht wurde, waren es 2015 nach Angaben der Stadt 5,9 Millionen und 2016 sogar nur noch 5,6 Millionen Besucher. Damals schlug sogar der Stuttgarter Wasen die Wiesn am Eröffnungswochenende. Vergangenes Jahr ging es dann mit 6,2 Millionen Gästen wieder zaghaft nach oben, jedoch mit einer mit 18 Tagen längstmöglichen Dauer des Oktoberfests. 

Dieser Aufwärtstrend könnte sich heuer fortsetzen. Ein Indiz sind die Reservierungszahlen in den Zelten. Mit einer „Super-Wiesn“ rechnet etwa Ludwig Reinbold vom Schützenfestzelt. „Wir bemerken in diesem Jahr wieder eine höhere Nachfrage bei den Reservierungen. Bereits im Februar, beim offiziellen Start der Reservierungsannahmen, haben wir ein gesteigertes Interesse festgestellt und waren in der Folge schnell ausgebucht“, sagt er. Sogar an Montagen und Dienstagen sei das Zelt jeweils voll. 

Auch Wirtesprecher Peter Inselkammer (Armbrustschützenzelt) berichtet von einer guten Nachfrage, „auch nach Mittagsplätzen“. Für abends sei es derzeit schwer, noch einen Tisch zu ergattern. Die Menschen hätten sich an die veränderte Situation mit dem Zaun und den Taschenkontrollen gewöhnt, glaubt Inselkammer. „Und sie sehen, es funktioniert gut.“ 

Nachfrage nach den Mittagsplätzen steigt

Die Nachfrage sei deutlich größer als im vergangenen Jahr, bestätigt auch Verena Able vom Marstall Festzelt. „Man merkt es spürbar an den Reservierungen mittags und untertags. Das lässt darauf schließen, dass es eine freudige Wiesn wird.“ Auch bei Sebastian Kuffler im Weinzelt  haben die Mittagsreservierungen angezogen. „Da hatten wir ja noch Luft nach oben. Abends ist die Situation unverändert.“ 

Toni Winklhofer vom Festzelt Tradition auf der Oidn Wiesn spricht von gefühlt rund zehn Prozent mehr Reservierungen als im Vorjahr. „Die erste Woche ist heuer so gut wie dicht, die zweite geht noch bisserl was.“ 

Auch in den Hotels wachse die Hoffnung auf eine bessere Auslastung als in den Vorjahren, sagt Dehoga-Kreisvorsitzender Conrad Mayer (Conrad-Hotel de Ville). „Ich denke, dass es heuer stärker wird als vergangenes Jahr“, sagt er. Momentan sehe er eine gute Nachfrage. „Und es gibt keinen Grund, warum man nicht auf die Wiesn gehen sollte.“ 

Experte: Sicherheitskonzept zeigt Wirkung

Sollten heuer wieder mehr Menschen das Oktoberfest besuchen, könne das mit einem verbesserten Sicherheitsgefühl zu tun haben, sagt Risikoforscher Professor Norbert Gebbeken von der Bundeswehr- Universität München. Der Bauingenieur ist Vorstand des Forschungszentrums Risk (Risiko, Infrastruktur, Sicherheit und Konflikt) der Universität.

„Was wir wissen: Wenn es Anschläge in naher Vergangenheit gab, dann sind die Menschen eher geneigt, Veranstaltungen zu meiden.“ Und eben solche sich besonders einprägenden Anschläge habe es schon länger nicht mehr gegeben. Nach dem Anschlag vom Breitscheidplatz in Berlin im Dezember 2016 habe eine intensive Diskussion eingesetzt, wie sicher Deutschlands Städte seien. „Was sich herauskristallisierte: Menschen trauen sich, zu einem Event zu gehen, wenn sie das Gefühl haben, die Verantwortlichen kümmern sich um ihre Sicherheit.“ 

Deswegen habe das neue Sicherheitskonzept mit dem Zaun und den Taschenkontrollen auf der Wiesn allein psychologisch eine große Wirkung gehabt, erklärt der Experte. Ein Terroranschlag sei nie ausschließbar. Aber allein durch die unterschiedlichen Sicherheitsringe sei das Fest gut geschützt. „Fahrzeug-Terrorismus mit einem Lkw direkt vor der Theresienwiese ist dadurch nicht möglich.“

Eine Möglichkeit, die Sicherheit noch weiter zu erhöhen, sieht Gebbeken nur noch dadurch, in den Straßen rund um die Wiesn mehr Verschwenkungen und Schikanen einzubauen. So, dass Autos und der Lieferverkehr maximal 30 Stundenkilometer schnell fahren könnten. „Durch die verringerte Geschwindigkeit hätten Besucher bei einem potenziellen Anschlag länger Zeit, wegzulaufen.“

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R. Weise, J. Heininger

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