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Die Engstelle: Die Gasse zwischen dem Winzerer Fähndl (r.) und dem Schützenbiergarten (l.) ist zu schmal.

Kleiner, aber mehr Plätze

Die Quadratur des Schützenfest-Zeltes

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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  • Philipp Vetter
    Philipp Vetter
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München - Der Stadtrat beschließt, dass die Schützenfesthalle zwar verkleinert wird – aber trotzdem bis zu 1500 Plätze zusätzlich bekommen soll. Wie soll das gehen?

Es klingt wie die Quadratur des Kreises: Ein Bierzelt, das kleiner wird und trotzdem mehr Gästen Platz bietet – viel mehr Gästen. Der Stadtrat glaubt dennoch an die Quadratur des Bierzeltes und hat nun beschlossen, genau das beim Schützenzelt zu versuchen. Wie berichtet muss das Schützenzelt zur Wiesn 2015 neu konzipiert werden. Weil die Gasse zwischen dem Winzerer Fähndl und der Schützenfesthalle zu eng ist, will die Stadt nur noch heuer beide Augen zudrücken. Schon 2014 musste der Biergarten verkleinert werden, 50 Plätze fielen weg.

Im Wirtschaftsausschuss diskutierte man nun verschiedene Möglichkeiten, wie der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand zwischen den Zelten zu erreichen ist. Eigentlich müssen zwischen zwei Zelten mindestens 24 Meter liegen, zwischen Winzerer Fähndl und Schützenzelt liegen derzeit nur 11 Meter, heißt es in einer Beschlussvorlage des Stadtrats. Dass das Schützenzelt überhaupt noch eine Genehmigung für die Wiesn 2014 bekam, knüpfte das Planungsreferat an die schriftliche Zusage der Betreiber, 2015 ein komplett neu geplantes Schützenzelt aufzustellen.

Doch das verursacht erhebliche Kosten, die vor allem die künftigen Wiesnbesucher durch ihren Bier- und Hendlkonsum wieder hereinspielen sollen. Deshalb fordern die Betreiber, der Bayerische Sportschützenverbund und die Wirtefamilie Reinbold, dass der Neubau bis zu 1500 Plätze mehr haben müsste – „zur Kompensation der erheblichen Investitionskosten“.

Das scheinbar Unmögliche – mehr Plätze auf weniger Platz – soll gelingen, indem der Schießstand künftig nicht mehr ebenerdig an das Zelt anschließt, sondern ins Obergeschoss verlegt wird. Doch das Kreisverwaltungsreferat (KVR) ist skeptisch, dass dadurch tatsächlich so viele neue Plätze entstehen könnten. „Wir müssen uns zunächst die Pläne des Wirts anschauen. Erst dann können wir das abschließend feststellen“, sagt Wilfried Blume-Beyerle. Denkbar wäre etwa, Einrichtungsgegenstände im Erdgeschoss oder auf der Galerie zu verlagern und so mehr Platz zu schaffen. Nur eine Unterkellerung des Zelts schließt Blume-Beyerle aus.

1500 zusätzliche Plätze seien aber „in der Tat eine sehr hohe Zahl. Ob sich die verwirklichen lässt, ist fraglich.“ Seine Beamten haben sich in der Beschlussvorlage für den Stadtrat schon deutlicher positioniert, demnach seien „auf Basis der bisher vorgelegten Pläne maximal 1000 zusätzliche Plätze genehmigungsfähig“. Blume-Beyerle stellt sich deshalb auf einen zähen Kampf ein: „Es werden sicher harte Verhandlungen.“ Letztlich zähle aber die Sicherheit der Oktoberfestbesucher. „Darüber entscheidet nicht der Stadtrat, sondern das KVR.“

Wie berichtet hatte man in der Stadtverwaltung auch andere Lösungen als einen Neubau des Schützenzeltes diskutiert. Eine Verlegung Richtung Schaustellerstraße ist aber ebenso vom Tisch, wie eine komplette Neuplanung des Oktoberfestgeländes. Auch ein Neubau auf der anderen Straßenseite wurde erwogen. Schließlich könnte die Gasse auch verbreitert werden, indem das Winzerer Fähndl verkleinert wird. Doch die Paulaner-Brauerei blockte ab: Man habe erst 2010 „mehrere Millionen Euro“ in einen Neubau investiert, die Übernahme von zusätzlichen Kosten sei „nicht möglich“.

P. Vetter/B. Stuhlweissenburg

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