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Der Wucher bei Reservierungen soll zukünftig auf der Wiesn verhindert werden.

Nicht nur was für die Großkopferten

Wiesn soll günstiger und münchnerischer werden

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    Moritz Homann
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München - Die Wiesn als ein Fest für die Münchner – und nicht nur für die Großkopferten: Das ist der Anspruch der Politik. Nächste Woche beschließt der Stadtrat neue Vorschriften für die Wirte: Unter anderem soll Wucher bei den Reservierungen verhindert werden.

Für einen Wiesn-Tisch braucht man Glück. Und Geld. Von beidem ist in den vergangenen Jahren immer mehr nötig geworden. Jetzt will Wiesn-Chef Josef Schmid den Trend umkehren. Mit neuen Regeln für die Wiesn-Wirte. Am Dienstag kommt sein Vorschlags-Paket in den Stadtrat. Eine Zustimmung gilt als sicher: CSU und SPD haben intern bereits signalisiert, Schmid zu unterstützen. Besonders die Münchner sollen profitieren.

Traditionell gilt auf der Wiesn bei Reservierungen eine einfache Regel für den Mindestverzehr: Zwei Mass Bier und ein halbes Hendl muss jeder Gast abnehmen. Aber so mancher Wirt ist aus dieser Formel ausgeschert. In Schmids Beschlussvorlage für den Stadtrat ist sogar die Rede davon, dass die übliche Mindestabnahme „von den meisten Wirten nicht mehr eingehalten“ wurden. Teilweise seien für bis zu 80 Euro Mindestverzehrgutscheine pro Person erworben worden, heißt es darin. Es gehe jetzt darum, dass die Wiesn den „Volksfestcharakter“ nicht verliere. Aus diesem Grund wird für die Mittelschiffe der großen Zelte nun die Grenze von zwei Mass und einem halben Hendl vorgeschrieben. Mehr dürfen die Wirte pro Reservierung nicht verlangen. In Boxen, Galerien und Seitenschiffen kann zusätzlich der Kauf eines 10 Euro-Gutscheins vorgegeben werden.

Treffen dürfte das besonders den neuen Marstall-Wirt Siegfried Able, der seit 2014 auf der Wiesn vertreten ist und die Preispolitik seines Vorgängers Sepp Krätz (Hippodrom) übernommen hat. Able verlangte letztes Jahr 60 Euro für einen Menü-Gutschein. Menüs dürfen bei den großen Wiesn-Zelten künftig überhaupt nicht mehr verpflichtend an Reservierungen gekettet werden. Ausnahmen wird es für das Käferzelt und das Weinzelt (jeweils 80 Euro) geben – nicht aber für den Marstall. Bei den kleinen Zelten gilt eine andere Regelung. Die Obergrenze beim Mindestverzehr, bei dem der Gast vor Ort selbst das Essen wählen kann, liegt bei 60 Euro. Schmid verteidigt diese Regelung. „Man muss den Charakter der Zelte betrachten“, sagt er. „Beim Käfer und im Weinzelt wird länger gefeiert und mehr konsumiert“. Über Jahre habe sich dort ein anderes Publikum zusammengesetzt. Der Marstall hingegen gehöre zu den normalen großen Festzelten – und sei entsprechend zu behandeln.

Spannend wird es zu sehen, ob die Wirte nun versuchen, Reservierungen nur denen zu geben, die ein Menü mitbuchen wollen. Man werde das gegebenenfalls „konsequent verfolgen“, sagt CSU-Stadtrat Manuel Pretzl. Die Wiesn-Wirte reagieren nicht gerade begeistert. „Die Stadt ist die Veranstalterin, wenn sie das so wünscht, müssen wir uns dem fügen“, sagt Wirte-Sprecher Toni Roiderer. Grundsätzlich könne doch aber eigentlich jeder Wiesn-Gast selbst entscheiden, wo er wie viel konsumieren will. „Wenn es einzelne Wirte übertreiben, sollte man vielleicht erstmal mit denen reden“, findet Roiderer. Anlass für eine grundsätzliche Regelung sieht er nicht. Und dass hochpreisige Anbieter wie Weinzelt und Käferzelt ausgenommen sind, sei auch unfair: „Da wird mit zweierlei Maß gemessen“, sagt der Wirte-Sprecher.

Wiesn-Chef Josef Schmid will zudem mit neuen Reservierungsregeln mehr München in die Zelte bekommen. Die Wirte dürfen an Samstagen, Sonntagen und am 3. Oktober jeweils bis 15 Uhr den Anteil der reservierten Plätze von 35 auf 50 Prozent erhöhen, wenn sie die Plätze – ohne Mindestverzehr – an Münchner vergeben, die ihren Hauptwohnsitz per Personalausweis nachweisen sollen. Allerdings handelt es sich um eine freiwillige Möglichkeit, die die Wirte umsetzen können – oder nicht. Kritiker glauben, dass kaum ein Wirt Schmids Zusatz-Option nutzen wird. Schließlich können sie ihre Tische an Wochenenden ohne Reservierungen problemlos mehrfach vergeben – und so mehr Geld verdienen.

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