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Wirte-Sprecher Toni Roiderer gibt seinen langjährigen posten auf. 

Posten-Roulette auf dem Oktoberfest

Wiesn-Wirte-Sprecher hört auf: Wer wird Roiderers Nachfolger?

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    Rudolf Bögel
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Die Schlussbesprechung der Wiesn-Wirte und Behörden ist eigentlich ein Routine-Termin. Doch Wirte-Sprecher Toni Roiderer ließ heute eine Bombe platzen. 

München - Eigentlich sollte es ein Routine-Termin werden nach einer Routine-Wiesn, wie sie heuer eine war. Schlussbesprechung heißt die Veranstaltung, bei der noch einmal alle Oktoberfestgewaltigen, die Behörden und Wirte, zusammenkommen, um Bilanz zu ziehen. Dass am Donnerstag im Restaurant Chinaturm mitten im Englischen Garten dann doch keine Langeweile aufkam und ein kleines Bömbchen geplatzt ist, lag ausgerechnet am Wirtesprecher Toni Roiderer. Der schlug für seine Verhältnisse ruhige Töne an und kündigte seinen Ausstieg an. „Mei Frau hat mich gfragt, wie lang ich das eigentlich noch machen will“, hat er gesagt. Schluss nach 15 Jahren! Mensch Toni, wer soll denn Dein Nachfolger werden?

Geliebt, gehasst, bewundert und beneidet! Wenn man das über einen Wirtesprecher sagt, dann hat er alles richtig gemacht. Viel Feind, viel Ehr, viel Freund dazu. Der Toni hat den Sack voll (Wiesnwirte-)Flöhe in den vergangenen Jahren immer gut zugehalten. Nur heuer beim Streit um die Bierpreisbremse mit der CSU hat ihm so mancher Zeltbaron wegen seiner gachen Vorgehensweise die Gefolgschaft aufgekündigt. So was tut weh, vor allem, wenn man, wie der Toni meint, immer die Kohlen aus dem Feuer geholt hat. Das und die Tatsache, dass er ja jetzt auch schon über 60 ist (wie er selber sagt, aber in Wahrheit heuer während der Wiesn 73 geworden ist), lassen einen schon mal nachdenken und am Job zweifeln.

Dass der Toni nimmer mag, hat er heuer ja schon des öfteren angedeutet. Jetzt aber ist es ihm ernst. Ob sich Bierpreisbremser Seppi Schmid (CSU) dabei heimlich ins Fäustchen gelacht hat? Die Spekulationen jedenfalls, wer sein Nachfolger sein soll, schießen schon seit einiger Zeit ins Kraut. Es soll zwar einen heißen Kandidaten geben – aber so ganz genau kann man den Kreis der Wiesn-Gewaltigen nicht ausrechnen, wer Ende November bei der nächsten Wirtesitzung ihr primus inter pares werden soll. Denn bei der letzten Wahl 2002 hat ein Schlitzohr in letzter Sekunde den favorisierten Schottenhamel noch aus dem Rennen geworfen. Das dürfte heuer nicht der Fall sein. Denn der damalige Revoluzzer, der Toni, tritt ja nicht noch mal an.

Wer könnte Roiderers Nachfolger werden? Die Wirte im Check:

Sigfried Able: Der Newcomer im erlauchten Wirtekreis (er ist erst heuer aufgenommen worden, seinen Marstall hat er schon im fünften Jahr) hat dieses Mal kaum Chancen. Aber als künftiger Nachfolger des Nachfolgers ist der Sigi ein heißer Tipp.

Sigfried Able.

Hans Stadtmüller: Der Herr über die besten Steckerlfische der Stadt hat mit der Fischer Vroni vielleicht sogar das traditionellste Wiesnzelt unter seinen Fittichen. Ob er im Haifischbecken mitschwimmen will, das ist mehr als fraglich.

Hans Stadtmüller.

Antje Schneider: Eigentlich wäre es schön, wenn eine Frau die Wiesnwirte anführen würde. Und dass sie einen Betrieb führen kann, hat die Haberl-Tochter (hier mit Mutter Anneliese) nicht nur in der Ochsenbraterei gezeigt. Ob die Zeit für eine weibliche Hand jedoch schon reif ist?

Anneliese Haberl mit Tochter Antje Schneider.

Peter Inselkammer: Er gilt als heißester Anwärter auf den Roiderer-Thron. Als gestandener Wirt und Münchner Immobilienbesitzer (Pfistermühle, Ayingers, Hotel Platzl) gilt er als grundseriös und zählt mit seinen 4x Jahren noch zur jungen Wirtegarde.

Peter Inselkammer

Ricky Steinberg: Der Sohn von Günter Steinberg macht zwar einen tollen Wirtejob zusammen mit seiner Schwester Silja im Hofbräuzelt, hat sich aber aus dem Schatten des Vaters noch nicht ganz lösen können. Zählt zur nächsten Generation.

Ricky und Silja Steinbergs 

Thomas Vollmer: Als einer der jüngsten Wiesn-Barone hat auch er wenig Chancen, schon in den Wirte-Olymp aufzusteigen. Mit dem Augustinerzelt hätte er zwar einen wichtigen Traditionsbetrieb im Rücken, aber noch ist es zu früh.

Thomas Vollmer (rechts) mit Ehefrau Michaela und Manfred Vollmer.  

Georg Heide: Als Stellvertreter von Toni Roiderer möchte man meinen, dass der Sohn des berühmten Ex-Wirtesprechers Willy Heide, die besten Karten in der Hand hat. Wer weiß, ob der Bräuroslwirt nicht am Ende noch ein Solo gewinnt?

Georg Heide (li.)

Thomas Roiderer: Ein Bombenkerl, seit vergangenem Jahr im Hackerzelt am Himmelsruder, hat Thomas Roiderer wohl (noch) keine guten Karten in der Hand. Was nicht ist, kann ja noch werden, schließlich hat er eindeutig das Toni-Gen.

Thomas Roiderer (re.)

Wiggerl Hagn: Der Hagn Wiggerl hier mit seiner Tochter Stephanie Spendler zieht die Fäden im Hintergrund und ist als Doyen der Wiesnwirte in alle Entscheidungeneingebunden. Der Wirt vom Löwenbräu brüllt nur leise, und schon gar nicht um die Nachfolge.

Wiggerl Hagn

Christian Schottenhamel: Der Schotte ist immer für das Spitzenamt gut. Im Fall von Christian Schottenhamel allerdings kommt das heuer wohl nicht in Frage, schließlich muss er erst den neuen Nockherberg schultern.

Christian Schottenhamel.

Peter Pongratz: Der Pongratz Peter seht für dieses Amt wohl kaum zur Verfügung. Nachdem er den Nockherberg aufgegeben hat, bleibt ihm mit der Grünwalder Einkehr und dem Paulaner-Wiesnzelt ein mehr als großes Austragsstüberl.

Peter Pongratz.

Mathias und Ludwig Reinbold: Die beiden Jungs von Edi Reinbold, der heuer auf die Wiesn verzichten musste, weil er sich den Fuß bei der Zeltbesichtigung gebrochen hat, müssen sich erst noch die entsprechenden Sporen verdienen.

Matthias und Ludwig Reinbold.

Michael Käfer:

 Ein Käfer als Wiesnwirte-Chef. Unvorstellbar. Denn obwohl Michael ein mehr als sauberes Zelt führt, die großen 12 nehmen den Feinkost-Gastronomen immer noch nicht so ernst wie sie es sollten.

Die Käfers. 

Stephan Kuffler: Der Kuffler-Sohn vom Weinzelt würde zwar gerne, aber hat sich nicht trauen gedurft. Will heißen: Der Chef des Schampus-Zelts kann nie oberster Vorsitzender der Bierburg-Barone sein.

Stefan Kuffler.

ARB/RDF

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