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Oktoberfest-Wirtelegende Richard Süßmeier.

Richard Süßmeier

Wirtelegende: Diese Dinge kann sich heute kein Wiesn-Gast mehr vorstellen

Oktoberfest-Wirtelegende Richard Süßmeier weiß schier Unglaubliches zu berichten: Diese Dinge kann sich heute kein Wiesn-Gast mehr vorstellen.

Nein, eine Veranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt ist das Oktoberfest bekanntermaßen schon lange nicht mehr. Touristen haben das größte Volksfest der Welt längst als Attraktion entdeckt und oftmals zum Groll der Einheimischen für sich in Beschlag genommen. Früher sei die Wiesn aber kein Selbstläufer gewesen, erzählt Wirtelegende Richard Süßmeier (87). Der einstige Wirtesprecher gab am Montagabend im Presseclub Einblicke in eine Wiesn-Welt, die sich in der heutigen Zeit niemand mehr vorstellen kann.

An einem Oktoberfest-Tag nur 100 Mass verkauft

Als Süßmeier 1958 das Armbrustschützenzelt übernahm, warnten ihn seine erfahrenen Kollegen: „In der ersten Woche brauchst gar nicht aufsperren, die Leute kommen alle später.“ Süßmeier: „Am ersten Tag habe ich keine 100 Mass verkauft, dann habe ich das Bier eben den Musikern gegeben. Die waren dann natürlich ziemlich besoffen.“ Während man heutzutage ohne Tischreservierung nur mit viel Glück einen Sitzplatz ergattern kann, blickte Süßmeier oft in eine leere Bierhalle. „Ein Schild mit der Aufschrift ‚Wegen Überfüllung geschlossen‘ war damals nicht notwendig. Nur wenn es draußen gestürmt hat, drängten alle rein.“

Auch bei den Speisen habe sich vieles geändert. In Süßmeiers Anfangszeiten haben die Gäste sogar ihre Hendl selbst mitgebracht und nur das Braten den Wirten überlassen. „50 Pfennig hat das gekostet. Bauern haben oft nur ihr eigenes Zeug gegessen“, sagt der „Wirte-Napoleon“.

Süßmeier sorgte auch dafür, dass es anstatt Stühlen und runden Tischen jetzt Bänke und lange Biertische gibt. Die Feuerwehr war wegen der besseren Fluchtwege angetan – und verbannte die Stühle aus allen Zelten.

J. Heininger

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