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Bald geht das Oktoberfest wieder los.

Wiesn-Serie

Große Gaudi: Das sind die Wirte der kleineren Wiesn-Zelte

Die Wiesn-Wirte haben viele interessante Geschichten zu erzählen. Wir stellen ihnen die Personen hinter den kleinen Zelten des Oktoberfests vor.

München - Auf geht’s, Endspurt: In genau einer Woche geht die Wiesn los! Zur ­Einstimmung haben wir in tz und Münchner Merkur in den letzten Wochen zusammen mit den Wirten der 14 großen Zelte sowie denen auf der Oiden Wiesn jede Menge Bier- und Hendlmarken verlost. Aber wir sind noch längst nicht am Ende – auch in der heutigen Ausgabe gibt’s für Sie als tz-Leser großen ­Genuss und große Gaudi zu gewinnen! Zum Finale unserer Wiesn-Aktion zeigen wir Ihnen auf dieser Doppelseite, warum es gerade auch die kleinen Oktoberfest-Zelte in sich haben. Und nicht nur das: ­Einige der Wirte haben uns abseits des größten Volksfests der Welt hinter die Kulissen schauen lassen. Wir durften sie ein Stückl durch ihren ­Alltag begleiten. Sie haben uns dabei ­gezeigt, dass sie zwar Wiesn-Wirte sind, aber eben nicht nur das. 

Wiesn 2019: Vinzenzmurr Metzger Stubn

Markus Brandl ist eigentlich Metzger.

Markus Brandl ist nicht hauptsächlich Wiesn-Wirt. Nein, er ist vor allem ein vom Fleisch beseelter Metzger. Immer wenn Freunde nur den geringsten Zweifel daran haben, wie sie ihren Schweinsbraten oder ihr Gulasch zubereiten sollen, klingelt Brandls Telefon. Er hat sogar schon Kochbücher verfasst – „aus Metzgersicht“, wie er sagt. Der echten Münchner Weißwurst ist er sogar so sehr zugeneigt, dass er ihr mit Freunden einen Song gewidmet hat. Darin heißt es: Wenn ich durch München geh’ und die Frauentürme seh’, seh’ ich Weißwürscht… „Das läuft jedes Jahr bei uns in der Metzger Stubn“, sagt er und lacht. Wenn das kein Grund ist, um vorbeizukommen!

Wiesn 2019: Heinz Wurst- und Hühnerbraterei

Wenn Petra Brenner (54) über die Wiesn spricht, dann sprudeln die Worte nur so aus ihr heraus. Man merkt ihr die Aufregung regelrecht an. Und das, obwohl sich ihr kleines Wiesnzelt mittlerweile schon seit 113 Jahren im Besitz ihrer Familie befindet. Die Nähe zu den Gästen, die ist für die Brenners nach wie vor das Höchste. Aber: Wann immer ihr Terminkalender es zulässt, ziehen sich die Brenners auf ihren Dachboden zurück. Dort steht eine riesengroße Eisenbahn. Damit spielt und träumt sich das Ehepaar gern an phantastische Orte. Doch so ganz ohne Rummel geht’s auch abseits der Wiesn nicht. Schließlich leuchtet inmitten der Anlage ein nostalgisches Riesenrad. Schee!

Petra Renner kommt nicht ohne Rummel aus.

Wiesn 2019: Hochreiter’s Zur Bratwurst

Es gibt keinen Ort in München, auf dem sich Werner Hochreiter (51) und seine Frau Eva (29) wohler fühlen als auf dem Viktualienmarkt. „Hier trifft sich eben ganz München“, sagt Werner Hochreiter. „Hier ist jeder, wie er sein will.“ Im Gegensatz zu früher sei zwar mehr los, aber gemütlich sei es dennoch. Der Wirt entstammt der Hochreiter-Wirte-Dynastie – allein drei Wiesn-Zelte führen er und seine Brüder. Und das Oktoberfest bekommt man aus den Hochreiters nicht heraus: „Unsere Tochter ist letztes Jahr kurz vor der Wiesn geboren“, sagt die frisch gebackene Mama Eva Hochreiter stolz. Getauft wurde die Kleine dann auf dem Wiesn-Gottesdienst – auf die schönen Namen Ella Josefa. 

Eva und Werner Hochreiter haben eine besondere Verbindung zum Oktoberferst.

Wiesn 2019: Glöckle-Wirt

Stephanie Rollwagen und Michael Glöckle leiten die Geschicke des Glöckle-Zelts.

Michael Glöckle (34) und seine Schwester Stefanie Rollwagen (39) sind gerne unterwegs – wenn es die Zeit erlaubt. „Wir teilen uns das Geschäft mittlerweile ganz gut auf, sodass jeder wenigstens zwei Wochen im Jahr wegfahren kann“, sagt Glöckle. Rollwagen macht das am liebsten mit ihrem Schatz: einem petrolblauen Fiat Cinquecento, Baujahr 1970. „Den hat mir mein Mann vor drei Jahren zum Geburtstag geschenkt“, sagt Rollwagen stolz. „Die Liebe zu alten Autos habe ich von unserem Vater geerbt.“ Ihr Bruder Michael hat es hingegen nicht so mit Autos: „Mir geben die nichts“, stellt er klar. Lieber wandert er durch Tirol oder bereist ferne Länder. „Eine Weltreise, das wär’s!“, sagt er und lacht.

Wiesn 2019: Ammer Hühner- und Entenbraterei

Im Ammer-Zelt wird Tradition großgeschrieben: Seit 1885 gibt es den Hühner-Tempel auf der Wiesn. Auch die Geschichte des Wirte-Paars Josef Schmidbauer und Claudia Trott ist lang: Die beiden kennen sich seit 46 Jahren. „Hier sind wir zusammen auf die Schule gegangen“, sagt Trott und zeigt auf das Türschild der Grundschule in der Maria-Ward-Straße direkt am Nymphenburger Schloss. Schon zu Schulzeiten hat Josef seine Geburtstage in der Wirtschaft der Eltern gefeiert – mit Würstl-Fondue und Claudia. Nebenan betreiben die beiden heute das Schlosscafé im Palmenhaus. „Wir haben es gerade mal 100 Meter weit geschafft“, sagt Schmidbauer und lacht. 

Josef Schmidbauer und Claudia Trott kennen sich seit der Schulzeit.

Wiesn 2019: Zum Stiftl

Lorenz Stiftl (55) ist in Rockolding geboren – das ist bei Ingolstadt. Schon als Kind kam er mit seinen Eltern, die natürlich auch Wirte waren, regelmäßig nach München: „Wir haben dann für unseren Betrieb eingekauft“, erinnert sich Stiftl. „Danach war unser ganzes Auto voller riesiger Säcke mit Weißwürsten.“ Seit elf Jahren wohnt Stiftl jetzt in München, führt unter anderem die Traditions-Gaststätte Zum Spöckmeier in der Rosenstraße (Altstadt). Die Innenstadt mag Stiftl ganz besonders gern. Und er kennt sie mittlerweile auch ganz gut: Er joggt fast jeden Tag eine halbe Stunde durch. „Heute fühle ich mich als echter Münchner“, sagt Stiftl. Na, wenn nicht er, wer dann?

Lorenz Stiftl fühlt sich nach elf Jahren als echter Münchner

Wiesn 2019: Zum Mohrenkopf

Katharina Wiemes konnte in einem Wiesn-Zelt ihre Träume ausleben.

Katharina Wiemes (56) und ihr Golden Retriever Semmele (13) sind unzertrennlich. „Wir haben sogar schon zusammen auf der Wiesn übernachtet“, erinnert sich Wiemes und lacht. Es sei nach Wiesn-Schluss einfach zu spät gewesen, um noch nach Hause zu kommen. „Mir war gar nicht bewusst, wie laut es nachts auf der Wiesn ist. Viel geschlafen habe ich nicht.“ Doch zumindest Angst hatte sie nicht – Semmele war ja bei ihr. Wiemes hätte sich durchaus vorstellen können, etwas anderes zu werden als Wirtin: „Ich wollte Innenarchitektin werden“, sagt sie. Doch auch diese Träume kann man als Wiesn-Wirtin ausleben: 2008 kreierte sie ein komplett neues Zelt.

Wiesn 2019: Bodo’s Cafézelt

Otto Lindinger (42) ist so etwas wie der Wiesnwirte-Shooting-Star: Seit zehn Jahren unterstützt er Bodo Müller (72) in seinem Cafézelt – nun übernimmt er das Ruder. „Bodo kenne ich aus meiner Zeit als Faschingsprinz“, so Lindinger. Otto, der Hotelpostalische, so nannte Lindinger sich im Fasching 2006. Sein Betrieb ist das Hotel Post Aschheim. Müller war einige Jahre zuvor auch Faschingsprinz – als Bodo, der Schaumschläger aus Pralinesien. „Seitdem sind wir Freunde“, sagt Lindinger. Und weil er leidenschaftlich gern – wenn auch mittlerweile selten – Golf spielt, veranstaltet er heute stellvertretend für Müller das Spitzbuben-Golf-Turnier im Aschheimer Golfclub.

Shooting-Star Otto Lindinger übernimmt das Ruder in Bodo’s Cafézelt.

Wiesn 2019: Café Kaiserschmarrn

Rischart ist jedem Münchner ein Begriff. Klar, dass er auch auf der Wiesn nicht fehlen darf. In der fünften Generation führt Magnus Müller-Rischart (40) heute die Geschäfte. Der gelernte Bäcker und Konditor liebt das: „Nach der Schule hieß es immer, der Magnus ist nicht frei“, sagt Müller-Rischart. Zu groß sei der Druck, den Familien-Betrieb übernehmen zu müssen. „Spätestens dann, als manche mit den vielen anderen Optionen überfordert waren, wurde mir klar, wie viel Glück ich habe.“ Heute hat er noch mehr Grund zur Freude: Vor sieben Wochen ist er zum dritten Mal Vater geworden. Und trotzdem beginnt nun die „fünfte Jahreszeit“, wie Müller-Rischart sagt – die Wiesn.

Magnus Müller-Rischart führt den Betrieb in der fünften Generation.

Wiesn 2019: Wildstuben

Einen herrlichen Ausblick über die Wiesn gibt’s bei der Wildstuben als Zuckerl obendrauf. Das Zelt hat nämlich zwei Etagen, die für ein uriges Ambiente sorgen. Tägliche Live-Musik auf beiden Ebenen garantieren eine Riesen-Gaudi! 

Wiesn 2019: Wiesn-Guglhupf

Seit Marc Eisenbarth (49), der Wirt vom „Wiesn Guglhupf“, zehn Jahre alt ist, zaubert er. „Das hat mich kreativ gemacht“, ist er sich sicher. Heute tüftelt er ständig daran, seinen Betrieb auf der Wiesn zu verbessern: „Im vergangenen Jahr stand ich an der Spülmaschine und habe mich geärgert, dass ich jedes Glas einzeln rausräumen muss“, erzählt er. Mit einer riesigen Gabel Marke Eigenbau gehört das der Vergangenheit an.

Wiesn 2019: Feisinger Kas- und Weinstub’n

Kommen Sie in Feisingers Wiesnzelt, wenn Sie die Wiesn einmal neu erleben möchten. Seit 43 Jahren verwöhnt die Familie Feisinger ihre Gäste mit traditionellen Alpenschmankerln rund um Käse, Weinen und Deftigem.

Wiesn 2019: Schiebl’s Kaffeehaferl

Es ist das kleinste Zelt auf der Wiesn mit gerade mal 60 Sitzplätzen: Schiebl’s Kaffeehaferl! Statt Bierbänken gibt’s kleine Tische und Stühle, samt Kissen und Volantvorhängen. Bier gibt’s auch keines – dafür Kaffee, Wein und Prosecco!

Wiesn 2019: Goldener Hahn

Viel Holz, viel Herz, viel Hahn – das ist das Motto dieses kleinen Wiesn­zelts mit Almhütten-Charme. Schmackhafte bayerische Schmankerl und entspannte Stubenmusi runden die gemütliche Stimmung ab. 300 Sitzplätze innen, 60 außen.

Wiesn 2019: Heimer

Bei der Heimer Enten- und Hühnerbraterei kommt die Ente noch frisch vom Spieß direkt auf den Teller. Das Wiesnzelt ist bedacht darauf, einen Ruhepol auf dem turbulenten Oktoberfest zu bieten. Ein Ort für einen gemütlichen Ratsch. 

Wiesn 2019: Haxnbraterei

In Hochreiters Haxnbraterei wird noch jede Haxe vor Ort gelagert, gewürzt und gegrillt – denn Qualität ist das oberste Gebot in dem Zelt, in dem 250 Gäste Platz finden. Seit 1979 gehört der Familie die Haxnbraterei. 

Wiesn 2019: Münchner Knödelei

Florian Oberndorfer (54) wollte unbedingt ein Wiesn-Zelt: „Acht Jahre lang habe ich mich erfolglos beworben“, sagt er – und lacht: „Dann hat es irgendwann geklappt!“ Wenn er gerade nicht an ausgefallenen Knödel-Kreationen tüftelt (heuer: Trüffelknödel), windsurft er. „Am besten war es direkt unter der Golden Gate Bridge“, erinnert er sich.

Wiesn 2019: Wirtshaus im Schichtl

Manfred Schauer (66) trägt auf der Bühne am Wirtshaus im Schichtl stets Leopard – und seine aberwitzigen Wortspielereien vor. Die Wiesn sieht er als „geostationäre Weltreise“ – „wenn du dich hinstellst, rennt die ganze Welt an dir vorbei“, sagt er. Mit der modernen Mobilfunktechnologie hat er es hingegen nicht so: Schön, dass es da noch Telefonzellen gibt.

Wiesn 2019: Kalbsbraterei Hochreiter

Eigentlich hat Erich Hochreiter (57) immer lieber Fußball gespielt – 38 Jahre lang. „Dann hab ich mir die Bänder überdehnt“, sagt er. Da habe er eben mit dem Golfen angefangen. Anfangs ist er drei- bis viermal die Woche auf die Range gepilgert und hat sein Handicap auf stattliche 18 verbessert. „Auf dem Platz kommen mir die besten Ideen“, sagt er.

Wiesn 2019: Fisch Bäda

Auch den Fisch Bäda, Peter Lingnau (54), trifft man ab und zu auf dem Golfplatz. „Aber dafür braucht man Zeit“, sagt er. Die hat er kaum – zu beschäftigt ist er damit, neue Fisch-Gerichte zu entwickeln. „Vor 20 Jahren hatten wir als Erste und Einzige auf der Wiesn Sushi“, sagt er stolz. Das gibt es heuer nicht mehr – dafür Seealgensalat mit Flusskrebsen.

Die Vorstellung der Wiesn-Wirte:  Familie Able vom Marstallzelt genießt das Familienleben beim Samstagsfrühstück.  Arabella Schörghuber vom Paulaner Festzelt kümmert sich selber um ihren Unimog. Bei Stephan Kuffler von Kufflers Weinzelt können die Gäste auch nach der Wiesn einchecken und abschalten. Hofbräuzelt-Chef Günther Steinberg spricht über seine soziale Ader, Toni Winklhofer vom Festzelt Tradition bleibt auf dem Teppich. Stephanie Spendler vom Löwenbräuzelt lässt das Auto auch morgens lieber stehen. Mathias Reinbold vom Schützenfestzelt schaltet beim Golf ab. Renate und Georg Heide vom Bröslbräu haben sich im eigenen Garten eine kleine Oase erschaffen. Wirt Beppi Bachmaier vom Herzkasperlzelt ist sportlich unterwegs. Er radelt oft und verbringt viel Zeit am Wörthersee.

sev, sb, stm

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