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Am Sonntag ist es genau zwei Jahre her, dass die Ermittlungen zum blutigen Oktoberfest-Attentat von München 1980 wieder aufgenommen wurden.

Zwei Jahre nach Wiederaufnahme der Ermittlungen

Wiesn-Attentat und kein Ende

München - Das Oktoberfestattentat von 1980 gilt als schwerster rechtsradikaler Anschlag in der bundesdeutschen Geschichte. Die Hintergründe sind bis heute unklar. Das Verfahren wurde vor zwei Jahren wieder aufgenommen - doch nun ist die neue Soko unter Druck.

Am Sonntag ist es genau zwei Jahre her, dass die Ermittlungen zum blutigen Oktoberfest-Attentat von München 1980 wieder aufgenommen wurden. Damals keimte bei Politikern, Opfern und Angehörigen Hoffnung auf späte Aufklärung. Inzwischen sind manche enttäuscht. Bisher haben die Ermittler keine konkreten Ergebnisse zu den Hintergründen des verheerendsten rechtsextremen Terroranschlags in der Geschichte der Bundesrepublik vorgelegt - und stehen nun selbst in der Kritik.

Gegen den Leiter der Sonderkommission (Soko) beim Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) wird nach dpa-Informationen ermittelt; daher fordert Opferanwalt Werner Dietrich seine sofortige Ablösung. Zudem beantragte Dietrich in einem Schreiben an Generalbundesanwalt Peter Frank, die Ermittlungen an ein anderes Landeskriminalamt abzugeben.

Der Soko-Chef sei einer von sechs LKA-Beamten, gegen die in Nürnberg im Zusammenhang mit einem V-Mann-Einsatz im Rockermilieu ermittelt wird. Es geht unter anderem um den Verdacht der Strafvereitelung im Amt, Urkundenfälschung und Falschaussage vor Gericht. Was konkret ihm vorgeworfen sind, ist nicht bekannt. Dennoch: Seine Mandanten seien der Ansicht, dass ein durch ein Ermittlungsverfahren vorbelasteter Beamter als Leiter der Soko nicht geeignet sei, schrieb Dietrich.

Mehr als drei Jahrzehnte hatte der Anwalt, der 15 Opfer von damals vertritt, mit dem Journalisten Ulrich Chaussy für neue Ermittlungen gekämpft. Auf einen erneuten Wiederaufnahmeantrag hin hatte die Bundesanwaltschaft am 11. Dezember 2014 Ermittlungen neu gestartet.

Bei dem Anschlag am 26. September 1980 hatte eine Bombe mit 1,39 Kilogramm TNT am Haupteingang zum Oktoberfest 12 Wiesn-Besucher in den Tod gerissen und mehr als 200 verletzt. Auch der rechtsradikale Bombenleger Gundolf Köhler starb. Angehörige, Opfervertreter, aber auch Politiker verschiedener Parteien hatten stets bezweifelt, dass er ein Einzeltäter war und die Tat aus rein privaten Motiven beging.

Damals war es ausgerechnet das LKA in München gewesen, das 1981 in seiner Einstellungsverfügung Gundolf Köhler als Einzeltäter gesehen hatte. Dietrich hat deshalb bereits mehrfach kritisiert, dass nun dieselbe Behörde wieder mit der Aufklärung betraut ist.

„Bei jedem Urteil, das der Bundesgerichtshof aufhebt, verweist dieser wegen Verdachts der Befangenheit an ein anderes Gericht oder eine andere Kammer zurück. Und hier soll nun dieselbe Behörde die damalige Ermittlungsarbeit ihrer Kollegen überprüfen“, kritisiert er.

Eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft sagt allerdings: „Wir haben keinerlei Anhaltspunkte, dass Ermittlungen nicht sachgerecht geführt werden.“ Zumal die Karlsruher Behörde nur ein LKA mit Ermittlungen beauftragen könne, nicht einzelne Personen.

Dabei war die Wiederaufnahme auch ein Bekenntnis - dass damals vor gut 30 Jahren nicht alles gut gelaufen ist. Erst zum 36. Jahrestag des Anschlags im September hatten Politiker erneut Aufklärung verlangt. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sprach von einem „barbarischen Akt“, der, was Hintergründe und Drahtzieher betreffe, „leider immer noch nicht vollständig aufgeklärt ist“. Der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Landtag, Franz Schindler (SPD), sagte, schon 1980 habe es „objektive Befunde“ gegeben, dass mehr als eine Person beteiligt war. Doch damals sei „nur halbherzig, jedenfalls nicht mit der erforderlichen Akribie untersucht, manche sagen auch vertuscht worden“.

Bis heute sind viele Fragen offen: Asservate wurden vernichtet oder verschwanden, etwa ein Fragment einer bei der Explosion abgerissenen Hand. Ein rechtsradikaler Waffensammler, der Sprengstoff geliefert haben könnte, wurde einen Tag vor seiner Vernehmung erhängt in seiner Zelle gefunden. Offen ist die Frage nach V-Leuten. Unter Verweis auf die Geheimhaltung hat die Bundesregierung die Antwort auf die Frage nach dem Einsatz von V-Männern verweigert. Um die Offenlegung der Akten wird vor dem Bundesverfassungsgericht gestritten.

dpa

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