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Wie auf dem Golfplatz: Aicher-Ambulanz-Chef Peter Aicher und Bürgermeister Josef Schmid (vorne) mit einem der neuen E-Gefährte, mit denen Verletzte von der Oidn Wiesn zur Sanitätsstation gebracht werden.

Neuer Sanitätsdienst auf dem Volksfest

Nach überraschendem Wiesn-Aus: Horrorszenario für BRK wohl eingetreten

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Nach mehr als 130 Jahren hat das Bayerische Rote Kreuz bei der Wiesn-Sanitätsstation den Kürzeren gegen die Aicher Ambulanz gezogen - und wie sich jetzt zeigt, ist das Horrorszenario für das BRK eingetreten.

München - Peter Aicher gab es bei der Vorstellung der Wiesn-Sanitätsstation unumwunden zu: Vier Fünftel der Helfer, die heuer auf der Sanitätsstation arbeiten werden, seien alte Hasen. Das bedeutet: Die Einsatzkräfte haben in den Vorjahren für die Körperschaft öffentlichen Rechts gearbeitet und sind jetzt für die private Konkurrenz im Einsatz. Martin Prankl, Sprecher des Roten Kreuzes, dazu auf Anfrage: „Wir können diese Zahl nicht bestätigen, weil wir nicht wissen, wer von den Ehrenamtlichen sich auf der Wiesn engagiert.“ Nach derzeitigem Stand werden an den 16 Festtagen rund 600 Sanitäter und 50 Ärzte im Einsatz sein.

Im April war bekannt geworden, dass die Aicher Ambulanz Union die Ausschreibung bis 2021 überraschend gewonnen - und dem Roten Kreuz nach 133 Jahren den Sanitätsdienst auf dem Oktoberfest weggeschnappt hatte. Das Angebot soll deutlich kostengünstiger gewesen sein.

„Schlumpfmobil“ statt „Banane“: Die Fahrtragen für Patienten sind nun blau statt gelb.

Auch Ehrenamtliche bekommen Aufwandsentschädigung

Nach Bekanntwerden des Zuschlags folgte ein öffentlicher Schlagabtausch. Das BRK leitete ein Nachprüfungsverfahren bei der Regierung von Oberbayern ein. Letztlich erfolglos. Landeschef Leonhard Stärk zeigte sich verärgert darüber, dass Aicher Ehrenamtliche damit lockte, eine Aufwandsentschädigung zu bezahlen. Diese beträgt 65 bis 100 Euro je nach Schicht. Beim Roten Kreuz hatten die Sanitäter unentgeltlich gearbeitet. Das BRK wiederum geriet unter Druck. Helfer protestierten, sie seien per Schreiben unter Druck gesetzt worden, nicht bei der privaten Konkurrenz zu arbeiten.

Die Aicher Ambulanz hatte stets betont, die Wiesn personalmäßig schultern zu können. Dies bekräftigte Chef Peter Aicher am Donnerstag. Während der Wiesn seien täglich mehr als 100 Kollegen auf der Sanitätsstation im Einsatz. „Die Helferzahl liegt sogar noch über den Vorgaben der Stadt.“ Täglich sei bis zu 15 Prozent mehr an Personal eingerechnet, um etwa Krankheitsausfälle zu kompensieren.

Auch Notfallmediziner und Psychiater im Einsatz

Bis zu zehn Ärzte werden jeden Tag auf dem Oktoberfest arbeiten: Hausärzte, Chirurgen, aber auch Notfallmediziner und Psychiater. „Ich habe einen sehr guten Eindruck“, sagte Wiesnchef Josef Schmid. Vieles an der Arbeit des BRK in der Sanitätsstation wird beibehalten. „Das, was das Rote Kreuz gemacht hat, war ja nicht schlecht“, so Peter Aicher. Nur an einigen Schrauben habe man gedreht. So hat Aicher die Fahrtragen verändert, auf denen Kranke transportiert werden. Sie sind nun nicht mehr gelb, sondern blau und haben ein größeres Sichtfenster, durch das der Patient beobachtet werden kann.

Neben der großen Sanitätsstation hinter dem Schottenhamelzelt gibt es drei mobile Sanitäts-Container auf dem Oktoberfest. Einer steht auf der Oidn Wiesn. Zusätzliches, sympathisches Erkennungszeichen dort: ein Oldtimer-Krankenwagen von 1963. „Der Bus ist komplett mit einer Notfallausrüstung von heute bestückt“, betont Peter Aicher.

Ein Krankenwagen-Oldtimer soll den Besuchern auf der Oidn Wiesn den Weg zu den Sanitätern weisen.

Zwei Golfcaddy-ähnlichen Wagen als Transporter

Wer von der Oidn Wiesn in die Sanitätsstation gebracht werden muss, kann heuer außerdem auf z werden. In der Sanitätsstation selbst hat die Aicher Ambulanz einen Kinderraum mit Fischen an den Wänden eingeführt. „Wir wollten, dass verletzte Kinder keine Angst haben, wenn sie zu uns kommen.“

Mehr als eine halbe Million Euro habe seine Firma in die Sanitätsstation investiert, sagt Peter Aicher. „Einen großen Gewinn wird es die Jahre nicht geben.“ Die Wiesn sei ein Prestigeobjekt - und wichtig für die Mitarbeitergewinnung des Unternehmens. „Zu uns haben einige neue Mitarbeiter gesagt: ,Wir waren eigentlich nur noch wegen der Wiesn beim BRK‘.“

Ramona Weise

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