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Fliegt auf Hofbräu: Andreas Maurus kutschiert die Familie Steinberg beim Wirtezug zur Wiesn.

Festzelte und ihre Wirte im Portrait

Wiesn-Serie: Kutscher Andreas vom Hofbräu-Festzelt schwärmt vom ältesten Pferd (22)

O‘zapft is‘ heißt es am 22. September zum Anstich der 185. Wiesn. In unserer Serie stellen wir die wichtigen Protagonisten vor. Diesmal: Kutscher Andreas und das Hofbräu-Festzelt.

München - Sechs rabenschwarze Pferde schreiten die Schwanthalerstraße entlang, geschmückt mit dem Geschirr, das schon Ludwig II. den königlichen Rössern anlegte. Hunderte Glöckchen klingen, von allen Seiten schallt muntere Marschmusik. Unter dem Banner des weltberühmten Hofbräu hält Andreas Maurus (59) die Zügel fest in der Hand: Zum Einzug der Wiesnwirte lenkt er die Kutsche der Wirtsfamilie Steinberg.

Dabei ist Maurus gar kein hauptberuflicher Kutscher. „Eigentlich bin ich Informatiker“, sagt Maurus. Der Allgäuer hat in München studiert und arbeitet im Rechenzentrum eines Mindelheimer Maschinenbauers. „Nach der Arbeit gehe ich aber direkt zu unseren Pferden. Die brauchen jeden Tag Action.“ Ausreiten, Fahren, raus auf die Weide. Das ist eine Lebensaufgabe: „Andere fahren dreimal im Jahr in den Urlaub“, sagt Maurus. „Ich brauche das gar nicht.“

Andreas‘ Vater war bayerischer Meister im Viererzugfahren

Woher kommt diese Begeisterung für Pferde? „Ganz klar von meinem Vater“, erklärt Maurus. Der hieß ebenfalls Andreas und war 1966 bayerischer Meister im Viererzugfahren. Da wurde Großbäcker Hans Müller auf den Kutscher aufmerksam. Müller war damals Lieferant für das Hofbräu-Festzelt - lange bevor es die Familie Steinberg 1980 übernahm. Er berichtete den damaligen Pächtern vom außergewöhnlichen Talent des Vaters. Seitdem gehört die Familie dazu.

„Mein Vater war so ein Pferdenarr, dass meine Geschwister und ich schon mit vier Jahren ein Pony unterm Christbaum hatten.“ Normale Kinder gehen zur Schule - Andreas Maurus ist geritten. In der Schule war er dann so etwas wie ein kleiner Star: „Die Mädels haben sich für das kleine Pony und mich natürlich besonders interessiert“, sagt Maurus und lacht.

Ältestes Zugpferd schon 22 Jahre

Leider ist Andreas Maurus senior vor zwölf Jahren verstorben. Doch aufhören wollte der Sohn nicht: „Jetzt fahre ich den Sechserzug zusammen mit meinem Cousin Gottlieb.“

Sunset (Englisch: Sonnenuntergang) ist heuer das älteste Pferd im Zug: Stolze 22 Jahre ist sie alt. Seit 18 Jahren dabei. Die Ruhe und Erfahrung, die sie ausstrahlt, kommt den jüngeren Pferden zugute: „Grammy ist erst vier und Sunset nimmt ihr die Angst“, sagt Maurus.Wenn Maurus am ersten Wiesn-Samstag mit der Kutsche die Familie Steinberg zum Fest bringt, soll die Sonne scheinen: „Wir sind zwar nicht aus Zucker“, sagt Maurus. Aber bei gutem Wetter sei die Gaudi einfach größer.

Die Wirtsfamilie

Eine große Familie: Die Steinbergs leiten das Hofbräu-Festzelt bereits seit dem Jahr 1980. Silja Schrank-Steinberg (46, auf dem Foto 3.v.l.) und Bruder Friedrich „Ricky“ Steinberg (48, Foto rechts) führen die Hauptgeschäfte im Zelt. Ihr Vater Günter Steinberg (79, links) hat ursprünglich eigentlich Kaufmann gelernt. Doch im Mai 1970 wechselte er den Job, nachdem er Margot Jahn (69), Tochter des Wienerwald-Begründers Friedrich Jahn, geheiratet hatte. Im selben Jahr übernahm die Familie das 400 Plätze große Wienerwaldzelt auf dem Oktoberfest. Zehn Jahre später führten sie das Hofbräuzelt und stiegen damit auch in die Riege der großen Wiesnwirte auf. Die Plätze im Biergarten dazugezählt bewirten die Steinbergs auf der Wiesn gleichzeitig mehr als 10.000 Menschen. Ein wahrer Bier-Tempel. Margot und Günter Steinberg sind auch bekannt durch ihr soziales Engagement: So haben sie die Stiftung ’s Münchner Herz gegründet.

Sie führen das Hofbräu-Festzelt: Die Familie Steinberg ist seit 80 Jahren dabei.

Das Zelt in Kürze

  • Bierpreis: 11,40 Euro
  • Die Brauerei: Hofbräu München
  • Halbes Hendl: 11,50 Euro
  • Schmankerl: Spareribs (17,50 Euro)
  • Günstig essen: wechselnder Mittagstisch von Montag bis Freitag (außer Feiertag) von 10.30 bis 14.30 Uhr für 8,90 Euro, zum Beispiel Rinderroulade Hausfrauenart mit Essiggurkerl und Speck gefüllt, mit Rotweinsauce und Kartoffelpüree
  • Sitzplätze: 7500 im Zelt, 3000 im Biergarten
  • Raucher: Für Raucher gibt’s einen Stempel, Einlass über den Reservierungseingang beziehungsweise weitere Türen
  • Musik: Die Kapelle Alois Altmann und seine Isarspatzen, die von 11 bis 22.30 Uhr in unterschiedlichen Besetzungen aufspielen.
  • Kinder: täglich zwei Kinderessen, z.B. ein Paar Wiener Würstl mit Kartoffelsalat (4,50 Euro) oder ein Viertel Hendl mit Semmel (4,50) und eine Limo (3,50 Euro). An den Familien-Dienstagen werden 600 Plätze besonders für Eltern mit Kindern von 11 bis 15 Uhr freigehalten. Es gibt ein Programm für die Kleinen und vergünstigte Preise.
Volles Haus: Im Hofbräu-Festzelt finden 7500 Feiernde Platz.

Die anderen Teile unserer Wiesn-Serie:

Das Käferzelt - seit 47 Jahren steht das urige Bauernhaus schon hier

Ilse Aigners Double wird mit Ministerin das erste Bier verteilen

Schon seit ihrer Schulzeit: Susis Welt sind die Pferde

Mit 15 Jahren auf der Kutsche: Alina frischt den Festzug auf

Fischer Vroni - Rosenheim-Cop-Schauspieler Schaeffer hilft mit

Die Bräurosl - Auf dem Wagen blüht Alfons auf

Mit dem Weinzelt-Wagen kommt der Schlager auf die Wiesn

Nicole und Oliver sind immer hoch auf dem Fest-Wagen

Lernen Sie Sepp kennen, den Kutscher des Hackerzelts

Bei Bedienung Elke vom Schottenhamelzelt gibt‘s die erste Mass zwei Minuten nach Anstich

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