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CSU-Politiker Otto Seidl bleibt vorerst Wiesn-Stadtrat.

CSU-Politiker gesteht Lüge ein

Wiesn-Stadtrat Seidl erklärt Nacktfoto-Skandal

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München - Die CSU-Fraktion hat kein Glück mit ihren Wiesn-Stadträten. Im Juni war Georg Schlagbauer über eine Kokain-Affäre gestolpert und zurückgetreten, jetzt kämpft sein Nachfolger Otto Seidl ums politische Überleben.

Es geht um ein Nacktfoto, das der 71-Jährige auf dem Kurznachrichten-Kanal Twitter veröffentlicht hatte. Darauf ist ein nacktes Paar am Strand zu sehen, neben ihnen steht ein Afroamerikaner – mit entblößtem, riesenhaften Penis. Das weiße Paar schaut irritiert auf das kapitale Gemächt. Über dem Bild prangt der Spruch: „Läufst Du gemütlich mit Deiner Frau am Strand, gibt’s immer einen, der die Stimmung versaut.“

Im Sommer 2015 war das Foto über Seidls Twitter-Account hochgeladen worden. Niemand nahm davon Notiz – bis zum 18. Juli dieses Jahres. An diesem Tag wählte die CSU-Fraktion einen Nachfolger für den zurückgetretenen Wiesn-Stadtrat Schlagbauer. In einer Kampfabstimmung setzte sich Seidl gegen Richard Quaas durch – woraufhin es zum Eklat kam. Quaas kündigte entrüstet seinen Austritt aus der Fraktion an, nahm diesen aber Stunden später wieder zurück, nachdem er von der Fraktionsführung mit zwei Sprecher-Pöstchen besänftigt worden war.

Zwei Tage nach der Wahl Seidls wurde die Information über das Twitter-Bild an die Presse durchgesteckt – von wem, darüber wird immer noch spekuliert. Nicht alle CSUler gönnten dem Hinterbänkler Seidl den Wahlerfolg. Viel zu melden hat der Wiesn-Stadtrat zwar nicht, der Posten ist aber prestigeträchtig und begehrt – schließlich darf man in einer Kutsche auf die Wiesn fahren. Mehrere Medien baten Seidl um eine Stellungnahme zum Nacktfoto. Die Opposition zürnte. „Widerlich“ sei der Post, hieß es selbst aus der CSU. Die Grünen fanden das Bild rassistisch. Der neue Wiesn-Stadtrat, ein sexistischer Rassist? Nein, verteidigte sich Seidl. Er behauptete, das Foto nicht ins Internet gestellt zu haben.

Die Erklärung des 71-Jährigen: sein Twitter-Account sei gehackt worden. Der neue Wiesn-Stadtrat kündigte an, Strafanzeige gegen Unbekannt zu erstatten. Jemand wolle ihm gezielt schaden. Das Thema war damit vom Tisch. Seidls Taktik, die Unschuld vom Lande zu spielen, war aufgegangen – bis vorigen Mittwoch.

An diesem Tag wurde bekannt, dass bei der Staatsanwaltschaft keine Strafanzeige von Seidl eingegangen war. Beim traditionellen Wiesn-Rundgang von Bürgermeister Josef Schmid (CSU) am Donnerstag mit der Presse fehlte Seidl dann überraschend. Hatte ihn die CSU dazu gedrängt, um ungemütlichen Fragen der Medien aus dem Weg zu gehen? Bis Freitagnachmittag gab die Partei keinerlei Auskünfte zur Personalie Seidl. Dann wurde um 15.22 Uhr eine Pressemitteilung verschickt. Darin entschuldigte sich Seidl für die „vorschnell“ getätigten Aussagen. „Obwohl ich Twitter sehr selten benutzt habe, hätte ich daran denken müssen, dass ich den Twitter-Account 2013 angelegt hatte“, wird Seidl zitiert. Es sei ein Fehler gewesen, ohne genaue vorherige Prüfung ein „vorschnelles Dementi“ abzugeben. „Ich kann mich zwar auch jetzt nicht erinnern, das unangemessene und geschmacklose Bild im Juni 2015 gepostet zu haben, will das aber mittlerweile nicht mehr ausschließen.“

CSU-Fraktionschef Podiuk sagte, Seidl habe versichert, „nicht bewusst“ die Unwahrheit gesagt zu haben. „Vor dem Hintergrund des zuvor jahrelang untadeligen Verhaltens von Otto Seidl kam die Fraktionsführung zu der Entscheidung, keine personellen Konsequenzen aus seinem unnötigen und extrem ärgerlichen Verhalten zu ziehen.“ Klar sei aber auch, dass sich ein solches Verhalten nicht wiederholen dürfe, so Podiuk.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wollte sich nicht zum Fall Seidl äußern, dafür SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. „Wir wundern uns schon über die Erklärung des Stadtrats Otto Seidl. Es ist kein gutes Vorgehen, erst nicht die Wahrheit zu sagen und dann nach und nach Dinge zuzugeben. Das schadet dem Ansehen des Stadtrats.“ Ob er beim Anstich auf der Wiesn dabei ist? „Selbstverständlich“, sagte Seidl auf Nachfrage unserer Zeitung.

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