Oktoberfest mit neuen Regeln

Wiesn wird ab diesem Jahr vollständig absperrbar

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München - Das Oktoberfest soll besser vor Überfüllung geschützt werden. Wiesn-Chef Josef Schmid legt jetzt das neue Sicherheitskonzept vor. Ein Bestandteil: Zäune.

Das Lieblings-Restaurant ums Eck, der jährliche Trip an den Gardasee, die zweitschönsten Städte der Welt: Mit Italien verbinden die Münchner entspannte Stunden. Nur einmal im Jahr stehen die Sehnsuchts-Nachbarn für das Gegenteil von Gemütlichkeit: Wenn die Massen zum Italiener-Wochenende über den Brenner rollen und tagelang auf dem Oktoberfest feiern, meiden viele Münchner die Theresienwiese. Es sind die vollsten Tage – und durch die Überfüllung auch die gefährlichsten.

Jetzt reagiert die Stadt mit einem neuen Sicherheitskonzept. Kommende Woche will Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) vom Stadtrat absegnen lassen, dass an der Hangkante zur Schwanthalerhöhe, im Volksmund „Kotzhügel“ genannt, kurzfristig Zäune aufgezogen werden können, wenn nötig. „Mir geht es um die größtmögliche Sicherheit der Wiesn-Besucher“, sagte er unserer Zeitung. „Das ist das einzig relevante Kriterium. Ich bin überzeugt davon, dass der Stadtrat diesem verantwortungsbewussten Sicherheitskonzept zustimmen wird.“ Es geht explizit nicht um Terror-Abwehr. Sondern um den Schutz vor Überfüllung.

Die größten Diskussionen dürfte dabei die Zaun-Frage auslösen. Dabei sind die klassischen Zugangswege von der Neu-Regelung nicht betroffen. Etwa drei Viertel der Wiesn sind in den vergangenen Jahren eingezäunt gewesen (siehe Grafik), der klassische Bauzaun wird nur um ein kleines Stück verlängert. Über dem „Kotzhügel“ wird ein so genannter „Secu-Fence“-Zaun angelegt, der innerhalb weniger Minuten aufgezogen und auch wieder abgebaut werden kann. Schmid betont, dass diese Maßnahme eine vollständige Sperrung der Festwiese nur vorübergehend bedeutet. So – und nur so – könne im Überfüllungs-Fall der Zustrom weiterer Menschen verhindert werden. „Eine solche kurzfristige Sperrung schützt also ausdrücklich die Sicherheit der sich auf dem Festgelände befindlichen Menschen“, sagte Schmid. Die Empfehlungen der Sicherheitsbehörden seien „eindeutig“. Das geplante System gewährleiste, dass die Sperrung schnell wieder rückgängig gemacht werden kann. „Fluchtwege werden dadurch also nicht blockiert.“

Der neue Zaun soll erst als allerletzte Maßnahme dienen. Die Fachleute der Stadt gehen davon aus, dass damit an höchstens drei Tagen etwa drei mal für 30 Minuten zu rechnen ist. Sie setzen darauf, dass viele andere Maßnahmen des neuen Sicherheitskonzepts verhindern, dass der Zaun häufiger eingesetzt werden muss. Schmid schlägt dem Stadtrat ein Vier-Phasen-Konzept vor. In der „Phase 0“ werden Besucher zum Beispiel in den sozialen Netzwerken und in den öffentlichen Verkehrsmitteln informiert, dass eine Überfüllung droht. Hilft das nicht mehr, sollen in einer zweiten Phase versucht werden, Besucherströme etwa dadurch zu lenken, dass Zugänge mit Flatterband und Ordnern geschlossen werden. U-Bahn-Reisende müssen an der Station Theresienwiese den Ausgang Paulskirche nehmen. Über dem Haupteingang wird das „Wegen Überfüllung vorübergehend geschlossen“-Plakat aufgehängt. Anschließend soll zur Not auch noch der Zugang zur Schaustellerstraße gesperrt werden. Erst wenn dann immer noch zu viele Menschen kommen, werden die Zäune aufgezogen, die, in einer abschließbaren Box gelagert, wenig Platz benötigen. Werden sie aufgebaut, soll alle 50 Meter ein Ordner an einem Ausgang positioniert werden, damit Besucher das Gelände verlassen können.

„Wichtig ist, dass wir handeln, bevor etwas passiert“, sagt Schmid. „Unsere Maßnahmen werden den Charakter unserer Wiesn nicht verändern und unsere Gäste kaum stören.“ Er sei nicht bereit, in Sicherheitsfragen Kompromisse zu machen. Ob der Stadtrat ihm folgt, wird man kommende Woche sehen. Und ob die Zäune die Lage entspannen können, spätestens am Italiener-Wochenende.

So schön ist das Oktoberfest von oben

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